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Titelrennen in der Bundesliga:Warnung vor dem Spätform-Meister

Der FC Bayern eilt in der Bundesliga davon: Auch, weil in diesem Jahr die Ersatzbank topbesetzt ist, scheint die Meisterfrage früh beantwortet. Borussia Dortmund strauchelt dagegen ersatzgeschwächt durch die Liga, zudem warten schwere Aufgaben in der Champions League - doch abschreiben sollte den BVB niemand.

Claudio Catuogno

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Schon früh am Ziel? Für den FC Bayern und Trainer Jupp Heynckes ist die Meisterschaft trotz Startrekord noch nicht gewonnen.

(Foto: AFP)

Leute mit einem Faible fürs Historische könnten jetzt daran erinnern, dass der FC Bayern in der vergangenen Spielzeit sehr wohl einen Titel gewonnen hat. Das ist später in Vergessenheit geraten angesichts diverser Missgeschicke (u. a. "Finale dahoam"), und einen Pokal hat es für diesen Titelgewinn auch nicht gegeben. Aber Uli Hoeneß hat sich damals trotzdem gefreut, im Spätsommer 2011, als die Münchner als deutscher Frühform-Meister reüssierten.

Zehn Zu-null-Spiele nacheinander in allen Wettbewerben, 28:0 Tore, 1147 Minuten ohne Gegentreffer. "Kunst" meinte Präsident Hoeneß damals auf dem Rasen zu erkennen - ehe der Herbst kam und die Bayern Punkte ließen gegen Hannover, Dortmund, Mainz. Das Ende ist auch außerhalb von Historikerkreisen bekannt: ein irritierter Klub, seiner Vormachtstellung beraubt, im Kern erschüttert. Dreimal Zweiter.

Das nur als Warnung an alle, die sich angesichts des Münchner Start-Rekords jetzt auf eine Saison nach dem Motto "Widerstand zwecklos" einstellen: Auch die Bayern werden mal wieder ein Spiel verlieren. Aber dass sich ihre Fußballkunst im Spätsommer 2012 auf deutlich mehr Substanz gründet als im Vorjahr, das beweist schon ein Blick auf die prominent besetzte Ersatzbank. Dass eine singuläre Verletzung das ganze Gebäude zum Einsturz bringen könnte wie im vergangenen Jahr Bastian Schweinsteigers Schlüsselbeinbruch - darauf sollte besser kein Konkurrent spekulieren.

Bei Borussia Dortmund sieht es in der Hinsicht schon anders aus. Die Niederlage des Meisters gegen Schalke mag auch taktischer Verwirrung geschuldet gewesen sein - diese Verwirrung hätte der Trainer Jürgen Klopp allerdings kaum gestiftet, stünde nicht gerade ein relevanter Teil seiner Stammbesetzung verletzt außer Dienst. Sich neben dem beschwerlichen Liga-Alltag auch noch mit Madrid und Manchester zu messen, ist mentaler Kraftakt und Materialschlacht zugleich, und so entscheidet sich der deutsche Meisterschaftskampf nicht zuletzt in der Champions League. Den BVB bringt das gerade an seine Grenzen.

Zwölf Punkte Rückstand nach acht Spieltagen, nie zuvor ist ein Verein mit dieser Ausgangslage noch Meister geworden. Aber Historiker erinnern sich: Neben Meisterschaft und Pokal haben die Dortmunder im Frühjahr 2012 noch einen dritten Titel an sich gebracht. Sie wurden deutscher Spätform-Meister.

© SZ vom 22.10.2012/ska
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