bedeckt München 25°

Tischtennis-WM:Schulter, Knie und Rücken

Tischtennis: Austrian Open

Losglück aber keine Form: Timo Boll (hier bei der World Tour 2018) hat geringe Hoffnungen für die WM.

(Foto: Barbara Gindl/dpa)

Starke Gegner, Schmerzen im Körper - oder beides: Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und die anderen Deutschen fahren mit trüben Aussichten zur Tischtennis-Weltmeisterschaft nach Budapest.

Timo Boll ist ein Perfektionist. Zu seinem Reisegepäck bei der Tischtennis-Weltmeisterschaft in dieser Woche in Budapest gehört eine Extratasche ausschließlich mit Utensilien zum Kaffeekochen: eine Handmühle, ein Filtersystem, eine Aeropress-Kanne und diverse Bohnenmischungen. Boll mahlt penibel, bis ihm der Mahlgrad der Bohnen gefällt, dann brüht er den Kaffee so oft auf, bis er ihm schmeckt. Er hat da seinen ganz eigenen Geschmack entwickelt, ohne Milch, ohne Zucker, eher säuerlich-floral, nicht gerade ein Latte-Macchiato.

Wäre es mit dem Tischtennisspielen doch nur ähnlich einfach! Doch der mittlerweile 38 Jahre alte Odenwälder tritt mit allerhand "Wehwehchen" bei der WM an, wie er selbst sagt. Schon sein Leben lang hat er immer wieder Probleme mit dem Rücken, seit einer Operation wird sein Knie manchmal dick, und aktuell zwickt es ihn vor allem in der Schulter, seit er morgens mal mit Schmerzen darin aufgewacht ist.

Das Problem mit Schulter, Knie und Rücken besteht darin, dass sie beim Tischtennis extrem belastet werden, und wenn es immer weh tut, dann gewöhne man sich "falsche Bewegungen" an, sagt Boll. Wegen der Schmerzen und der beeinträchtigten Bewegungsabläufe ist die Individual-WM ein unwägbares Abenteuer für ihn. Das Gleiche gilt für Dimitrij Ovtcharov, 30, der seit einer kapitalen Oberschenkelhals-Entzündung vor mehr als einem Jahr auch noch nicht wieder auf Top-Niveau spielt. "Ich kann mein Niveau nicht unbedingt über ein ganzes Turnier halten", sagt Ovtcharov, und Boll befürchtet: "Ich bin nicht in Topverfassung, und wenn ich so spiele wie die letzten Wochen, dann kann es auch schon in Runde eins vorbei sein." Das wäre dann an diesem Dienstag.

Dabei hätte Boll nach der Auslosung des 128er-Tableaus eigentlich jubeln dürfen, denn von den fünf Chinesen im Feld spielen vier in der anderen Hälfte des Turnier-Tableaus. Bolls zu erwartende Gegner wären im Achtelfinale der Südkoreaner Jang Woojin, im Viertelfinale der Japaner Tomokazu Harimoto und erst im Halbfinale der Chinese Xu Xin. Für einen Boll in Topform ergäbe sich damit die Möglichkeit, zum zweiten Mal nach 2011 eine WM-Einzel-Medaille zu gewinnen.

Schlimmer kommt es für Ovtcharov, der, so ihn seine Probleme ließen, im Achtelfinale voraussichtlich auf den Japaner Koki Niwa träfe und ab dem Viertelfinale nacheinander auf die Chinesen Fan Zhendong und Ma Long. Drittbester im deutschen Team ist Patrick Franziska, 26. In Bolls Tableau-Hälfte träfe er in der dritten Runde aber schon auf den starken Südkoreaner Lee Sangsu und im Achtelfinale auf Xu Xin. Chancenlos dürften die weiteren deutschen Starter, Bastian Steger, 38, und Dang Qiu sein, ein 22 Jahre alter Newcomer. Auch die Hoffnungen der vier deutschen Frauen Petrissa Solja, Nina Mittelham, Sabine Winter und Kristin Lang sind klein.