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Tischtennis:Sie lassen von sich hören

Sicherte Bad Königshofen damit den vierten Sieg im neunten Saisonspiel: Kilian Ort.

(Foto: Hermann Zacher / oh)

Bundesligist TSV Bad Königshofen fährt zwei Siege binnen drei Tagen ein.

Von Andreas Liebmann

Von King Kara war nicht viel zu sehen. Der Mann kann ein Spektakel sein, trotz und wohl auch ein bisschen wegen seiner fülligen Statur, die mehr nach Kreis- als nach Bundesliga aussieht, und auch wegen seines Alters: In einigen Tagen wird Aleksandar Karakasevic 45. Der Tischtennis-Erstligist TTC Grenzau hatte sich dennoch etwas dabei gedacht, als er den Serben vor dieser Saison in die TTBL zurückholte, als Routinier für einen ansonsten jungen Kader. Denn an guten Tagen kann der viermalige Europameister im Mixed noch immer jedem Gegner gefährlich werden. Sein läuferisches Defizit gleicht er durch unnachahmliches Ballgefühl, ein gutes Auge und äußerst variable und gefährliche Rückhandschläge aus. "Gegen den spielt jeder ungern", weiß Andreas Albert, der Manager des TSV Bad Königshofen. "In lange Ballwechsel darf man gegen ihn nicht gehen."

0:2 lag das Tabellenschlusslicht Grenzau am Sonntag in Unterfranken bereits zurück, Karakasevic hätte sein Einzel also gewinnen müssen, um die klare 0:3-Niederlage der Gäste zu verhindern, aber davon war er weit entfernt. Wie gesagt: Es war nicht wirklich viel zu sehen von ihm.

Von seinem Gegner Kilian Ort dagegen war nicht viel zu hören, und das sagte auch schon eine Menge. Denn der 24-Jährige hat viel Selbstvertrauen zurzeit, immer wieder jubelt er lautstark, feuert sich an, zeigt die Faust, pusht sich unentwegt, biegt so auch enge Duelle um. Wie zwei Tage zuvor beim Gastspiel in Ochsenhausen, als er nach gutem Beginn plötzlich hinten lag gegen Kanak Jha, einen 20-jährigen US-Amerikaner, die Nummer 27 der Welt. Auch im fünften Satz lag Ort zurück, 1:4, doch er kämpfte, brüllte, attackierte, ging 7:4 in Führung und holte den Sieg.

Gegen Karakasevic, der Jha übrigens gleich zu Saisonbeginn locker 3:0 abgefertigt und damit seinen ersten und bisher einzigen Saisonsieg geholt hatte, war so viel Kampfgeist am Sonntag nicht nötig. Ort hielt die Bälle kurz, die Ballwechsel ebenso, mit cleverer Taktik setzte er sich 11:4, 11:9, 11:6 durch und sicherte Bad Königshofen damit den vierten Sieg im neunten Saisonspiel - und den zweiten binnen drei Tagen. "Das war wichtig", urteilte Albert, der nach dem Weggang des Japaners Mizuki Oikawa für diese Saison einzig das sportliche Überleben zum Ziel erklärt hatte. Mit nunmehr 8:10 Punkten sollte das gelingen.

Orts aktueller Lauf ist dabei ein wichtiger Faktor. Er hat in dieser Saison schon Großes geleistet, hat Grünwettersbachs Wang Xi dessen erste Niederlage im neunten Einzel beschert (der sein Teamkollege Abdel-Kader Salifou unmittelbar die zweite folgen ließ); er hat als bislang einziger Düsseldorfs Ricardo Walther bezwungen, obwohl er sich in dieser Partie kaum rühren konnte; nun hat er mit 6:1 eine der ligabesten Bilanzen. Und weil der ehemals erfolglose Ersatzmann Filip Zeljko, 24, der am Wochenende zweimal den Vorzug vor Salifou erhielt, Ort in Sachen Selbstvertrauen und Emotionalität inzwischen kaum nachsteht, ist es nicht mal schlimm, dass dem Routinier Bastian Steger die Siege aktuell nicht ganz so selbstverständlich von der Hand gehen wie in den Vorjahren.

Gegen Grenzau bezwang Steger Robin Devos 3:1, Zeljko setzte sich 3:0 gegen Cristian Pletea durch. Am Freitag bei den noch ungeschlagenen TTF Ochsenhausen, deren Spitzenspieler Hugo Calderano fehlte, unterlagen beide dem Franzosen Simon Gauzy, wobei Steger zuvor den Polen Samuel Kulcycki besiegt hatte. Beim 2:2-Gesamtstand musste das Doppel entscheiden - Ort und Zeljko gegen Jha/Kulcicky. Nach gewonnenem ersten Satz hüpfte Ort mit geballten Fäusten wie entfesselt vor Zeljko herum, wie man das allenfalls im Fußball von Thomas Müller kennt. Beide waren zu hören, sie waren zu sehen und holten den Siegpunkt.

© SZ vom 01.12.2020
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