Die gute Nachricht ging in einem Nebensatz unter. Sie war einfach nicht der Grund dafür, dass Alexander Yahmed zum Telefonhörer gegriffen hatte. Der Bundesliga-Tischtennistrainer des TSV Schwabhausen hätte selbstverständlich auch einfach mitteilen können, dass die Kaderplanung für kommende Saison abgeschlossen ist, noch vor Beginn der aktuellen Playoffs, und dass die junge Chinesin Liu Yangzi - juchhe! - bleiben wird; mehr noch: dass die in Australien lebende 19-jährige Asiatin, die nominell auf Position eins steht (auch wenn de facto Sabine Winter die unumstrittene Spitzenspielerin ist) in der nächsten Saison deutlich häufiger spielen soll als in der aktuellen, in der sie auf bisher sieben Einsätze kam.
Nein: Yahmed wollte etwas anderes mitteilen. Nämlich dass Mateja Jeger den Verein verlassen wird. Sie habe ein Angebot des Ligarivalen Weinheim bekommen, eines, das man nicht guten Gewissens ablehnen könne. "Natürlich wollten wir sie behalten, jeder mag sie, sie gehört zu uns", sagte Yahmed wehmütig, "auch für sie war das nicht einfach. Aber das ist eben das Risiko, wenn man Spielerinnen ausbildet. Sie hat sich gut entwickelt."
In der Weltrangliste hat sie 100 Plätze gutgemacht in den sechs Jahren bei Schwabhausen
2016 hat der TSV die Kroatin verpflichtet, damals war sie 21. Seitdem hat sie kaum ein Spiel verpasst, war mit ihrem fröhlichen Wesen ein integrativer Faktor im Team. Und kam, wie das in Schwabhausen so üblich ist, nicht nur zu den Spielen, sondern verbrachte im Landkreis Dachau viele Trainingswochen. In der Weltrangliste hat sie 100 Plätze gutgemacht in den sechs Jahren, von 210 auf 110.
Wie ungewöhnlich groß der Einfluss des Schwabhauser Vereinstrainings auf die ausländischen Spielerinnen ist, konnte man prima an Jeger sehen. Deren Entwicklung stagnierte, als Trainer Yahmed sie Ende 2020 mit der Frage in die Weihnachtsferien schickte, wie viel Bereitschaft sie hätte, grundlegende Dinge zu ändern. Als sie zurückkam und sich offen zeigte, drückte ihr der Coach ein neues, langsameres Holz in die Hand, auch die Schwammstärke ihres Noppenbelages änderte er. Für Außenstehende winzige Details, für Profis wie Jeger tiefe Eingriffe in Altvertrautes. Jeger probierte es trotzdem - und schaffte einen deutlichen Leistungssprung.
Am kommenden Freitag beginnen die Playoffs, die für Jeger zur Abschiedsgala werden. Zum Viertelfinalauftakt kommt der SV-DJK Kolbermoor zum bayerischen Derby, und die Frage, ob Liu spielt, wird wichtig in der finalen Saisonphase. Sie sei ja nie fest eingeplant gewesen, sagt Yahmed, stieß nachträglich und etwas überraschend zum Kader. Auch Liu ist fürs vordere Paarkreuz, wie die Positionen eins und zwei heißen, keine Überfliegerin mit bislang 6:8 Siegen. Zusätzlich wertvoll macht ihre Einsätze, dass andere wie Mercedesz Nagyvarady oder eben Jeger, die sich vorne schwertun, dann im hinteren Paarkreuz spielen dürfen. Jeger war hinten mit 11:2 Siegen eine Bank, vorne gewann sie nur eins ihrer sechs Einzel. Bleiben werden dem TSV neben Winter, Liu und Nagyvaradi auch Orsolya Feher und Alina Nikitchanka. Und natürlich soll sich auch Liu Yangzi in Schwabhausen schnell weiterentwickeln.
