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Tischtennis:Der Weltverband hat sich auch den Zorn der Vereine zugezogen

Die Protestmail wurde nach Limburg an der Lahn verschickt, dort hat der ITTF-Präsident Weikert seine Anwaltskanzlei. "Ich gehe davon aus, dass nicht alle qualifizierten Spieler an den Turnieren in China teilnehmen werden", sagte Weikert der SZ: "Über die Protestnote war ich nicht überrascht, weil die Athletenkommission zuvor schon vehement gegen den geplanten Vergabemodus von Punkten für die Weltrangliste gestimmt hatte." Weil die Punkte aus dem vergangenen Jahr verfallen sollen und in diesem Jahr kaum Turniere gespielt wurden, bekämen die in China zu vergebenden Punkte eine derart große Bedeutung, dass im Grunde kein Spieler mit dem Ziel Olympia darauf verzichten könnte. "Insofern war der Protest der Spieler für mich eine Art Hilferuf an die 'World Ranking Group', zu überlegen, ob man es nicht auch anders regeln kann", so Weikert.

Der seit 2014 amtierende Präsident betont, dass er bei der Abstimmung der Kommission namens "World Ranking Group", der auch er angehört, gegen den aktuell geplanten Punktevergabemodus votiert habe; er sei aber überstimmt worden. "Ich bin sehr für diese Turnierserie, finde aber, man darf die Spieler mit dem Druckmittel Weltrangliste nicht zwingen teilzunehmen. Spieler, die teilnehmen, sollten vielmehr mit einer Art Bonus für die Weltrangliste belohnt werden." Er wolle das Thema im ITTF-Exekutivkomitee noch einmal auf die Agenda bringen: "Ich hoffe, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist."

"Wir haben Verträge in Vereinen und können diese nicht brechen"

Mit Boll, Patrick Franziska und dem Athletensprecher Dimitrij Ovtcharov haben sich alle drei betroffenen deutschen Spieler dem Protest angeschlossen. Sie kündigen an, nicht nach China reisen zu wollen. "Man müsste am 20. Oktober anreisen, und erst 23 Tage später ginge der World Cup los bis Ende November", erklärt Ovtchatov, "da können ich und eine Vielzahl anderer Spieler vor allem aus Europa nicht teilnehmen; wir haben Verträge in Vereinen und können diese nicht brechen."

Über den Groll der Spieler hinaus hat sich der Weltverband aber auch den Zorn der Bundesliga-Vereine zugezogen. Der Manager des deutschen Meisters 1. FC Saarbrücken, Nicolas Barrois, sagt: "Wir finden es sehr bedenklich, dass die ITTF die Vereine komplett übergeht und keinerlei Anstalten macht, sie bei einer so wichtigen Entscheidung mit ins Boot zu holen."

Ursprünglich hätte der World Cup Mitte Oktober in Düsseldorf stattfinden sollen; die Stadt verzichtet gezwungenermaßen, erhofft sich aber im Gegenzug das Wohlwollen des Weltverbandes, wenn über die Vergabe der WM 2023 entschieden wird. Denn da ist Düsseldorf neben der südafrikanischen Stadt Durban der letzte verbliebene Bewerber.

© SZ vom 09.09.2020/tbr
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