Tischtennis:Kampf der Kontinente

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Timo Boll (Düsseldorf) Borussia Düsseldorf - 1. FC Saarbrücken TT 29.11.2020, Tischtennis; 1. Bundesliga, Herren, Saiso

Heimspiel: Auch Borussia-Profi Timo Boll schlägt beim Champions-League-Turnier in Düsseldorf auf.

(Foto: Moritz Mueller/Imago)

Innerhalb einer Woche und in einer Blase wird der Champions-League-Gewinner ermittelt. Für die europäischen Spitzenklubs geht es auch darum, sich gegen neue, lukrative Turniere in Asien zu behaupten.

Von Ulrich Hartmann, Düsseldorf

Im Sporthotel des Deutschen Tischtennis-Zentrums (DTTZ) haben noch nie so viele Topspieler aus der Weltrangliste übernachtet. Aber es hat ja auch noch nie eine Champions-League-Saison gegeben, die wegen Corona binnen einer einzigen Woche in Quarantäne ausgespielt wird - in der "Bubble", wie man heute sagt. 15 europäische Topklubs aus zehn Nationen mit allein 15 Spielern aus den Top 50 der Weltrangliste spielen von diesem bis zum nächsten Freitag in 29 Begegnungen den Sieger des bedeutendsten europäischen Klubwettbewerbs aus. Der russische Meister Orenburg mit dem deutschen Weltranglisten-Zwölften Dimitrij Ovtcharov, der Gastgeber Borussia Düsseldorf mit dem Weltranglisten-Zehnten Timo Boll und der deutsche Meister 1. FC Saarbrücken mit dem Weltranglisten-16. Patrick Franziska gelten als Favoriten.

Die vergangene Champions-League-Saison hatte vor den Halbfinals abgesagt werden müssen. Umso wichtiger war dem russischen Präsidenten Igor Levitin vom europäischen Tischtennis-Verband ETTU, dass man die neue Saison unbedingt und notfalls halt binnen einer Woche an einem Ort durchzieht. Das Disneyland in Paris und das Leistungszentrum in Düsseldorf standen in der Endauswahl. Düsseldorf bekam den Zuschlag, weil die Bedingungen dort so gut und die Unterstützung der Behörden bei allen hygienischen Bedingungen gewährleistet sind. Ein belgisches Team hat trotzdem abgesagt, deshalb spielen in einer der vier Gruppen nur drei Teams. Und Taiwan hat den Weltranglisten-Siebten Lin Yun-Ju nicht nach Deutschland fliegen lassen, wo er für seinen Klub Orenburg hätte spielen sollen.

Für das europäische Klub-Tischtennis ist diese Veranstaltung ein wichtiges Signal. Denn einen Monat nach dem Neustart mit Bubble-Turnieren in China würde die ETTU damit auch gern ihre Stärke demonstrieren. Sie fürchtet um die Rolle ihrer Vereine als Fundament des europäischen Tischtennis, seit eine neue, asiatisch geprägte Marketing-Abteilung des Weltverbands ITTF namens "World Table Tennis" versucht, den weltweiten Jahreskalender mit immer mehr lukrativen Turnieren aufzupäppeln. Damit werden aber traditionelle Wettbewerbe wie Bundesliga, Champions League oder Europameisterschaften gefährdet.

Relevante Strategien in diesem brancheninternen Kontinentalkampf können in Düsseldorf nicht entworfen werden. "Dazu haben wir gar nicht die Zeit", sagt Borussias Manager Andreas Preuß, zugleich Aufsichtsrats-Vorsitzender der Bundesliga und Mitglied im Management Board der Champions League. Die 15 teilnehmenden Klubs seien sich aber einig: "Wer hier mitspielt, der ist für den Vereinssport, ohne dessen Talentförderung das europäische Tischtennis nicht entwickelbar wäre."

Und so spielen sie in Düsseldorf zwar gegeneinander um den kontinentalen Klubtitel, zugleich aber auch miteinander für den Erhalt relevanter europäischer Wettbewerbe. Europäische Topspieler würden ihre Einsätze auch künftig gern gleichermaßen auf Klubwettbewerbe, Länderspiele und Individualturniere aufteilen. "Das muss alles zusammen gehen", sagt Preuß. Ach, und noch etwas: Für die nächste Woche hätte er als Klubmanager nichts dagegen, wenn seine Borussia erstmals seit 2018 mal wieder einen Titel gewänne.

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