TischtennisDuell auf Wiedervorlage

Lesezeit: 3 Min.

Nervenstark und risikofreudig: Schwabhausens Abwehrspezialistin Alina Nikitchanka hat am Wochenende zwei Schlüsselspiele gewonnen.
Nervenstark und risikofreudig: Schwabhausens Abwehrspezialistin Alina Nikitchanka hat am Wochenende zwei Schlüsselspiele gewonnen. Andreas Liebmann

Nach einem Derby-Sieg in Kolbermoor zieht der TSV Schwabhausen als Tabellendritter in die Playoffs ein - wo der Gegner gleich wieder Kolbermoor heißt.

Von Andreas Liebmann

Ein, zwei Mal rief jemand ein forderndes "Alina!", doch meist standen sie nur da und applaudierten euphorisch. Es lief das letzte Einzel des Tages, Alina Nikitchanka gegen Franziska Schreiner, und eigentlich war längst zu ahnen, dass hier nichts mehr schiefgehen konnte. 1:5 waren die Gastgeberinnen vom TSV Schwabhausen am Samstag bereits zurückgelegen in diesem Verfolgerduell der Tischtennis-Bundesliga der Frauen, ein eigentlich aussichtsloser Rückstand des Tabellendritten gegen den Zweiten, den TSV Langstadt.

Doch dann hatten sie Punkt um Punkt gutgemacht, 4:5 stand es nun, und dass Schwabhausens Abwehrspielerin Nikitchanka sich die Gelegenheit noch nehmen lassen würde, die Aufholjagd ihres Teams zu einem Remis zu vollenden, glaubte nun wohl niemand mehr. Zu groß war die Fahrt, die sie plötzlich aufgenommen hatten. Alle Augen waren auf Nikitchankas Tisch gerichtet, dem einzigen, auf dem noch gespielt wurde; und weil es derjenige unmittelbar vor der Schwabhauser Mannschaftsbank war, standen dort nun Trainer und Mitspielerinnen aufgereiht zum Anfeuern. 1:11, 11:9, 13:11, 9:11, 11:8 - Nikitchanka musste kämpfen, wie so oft, doch sie behielt die Nerven und setzte sich durch. Nach fast vier Stunden Spielzeit stand es 5:5.

Der TSV Schwabhausen hat in dieser Saison schon so einiges geschafft, das man dem kleinen Verein aus dem Landkreis Dachau nicht unbedingt zugetraut hatte, und nun, zum Abschluss der Hauptrunde und nach dieser Energieleistung gegen Langstadt, kann man das auch der Tabelle ablesen: Auf Rang drei wird das Team in die Playoffs starten, hinter Serienmeister Berlin, hinter Langstadt um Spitzenspielerin Petrissa Solja, vor dem ESV Weil, der SV Böblingen und auch deutlich vor dem SV-DJK Kolbermoor, der eigentlich als Berlins großer Herausforderer gilt und zuletzt ja auch den Pokal gewann.

Schwabhausens bayerischer Rivale musste zum Ende der Hauptrunde allerdings sogar froh sein, den sechsten und letzten Playoff-Platz nicht noch an Weinheim verloren zu haben. Sein letztes Heimspiel am Sonntag hat Kolbermoor nämlich verloren - 3:6 im Derby gegen den TSV Schwabhausen, der den Schwung von der Aufholjagd des Vortags offenbar gleich noch mitgenommen hatte in den Landkreis Rosenheim. "Die Bundesligasaison ist nicht so gelaufen, wie es unser Anspruch wäre", räumte Kolbermoors Trainer und Abteilungsleiter Michael Fuchs später ein, "dafür war es im Pokal optimal. Jetzt heißt es, noch das Beste aus den Playoffs herauszuholen."

Mit 21:2 Siegen hat Schwabhausens Sabine Winter die beste Bilanz der Liga

Für Weinheim und die TTG Bingen ist die Saison damit nun beendet, absteigen muss aber mal wieder niemand, mangels Aufstiegsinteresse in Liga zwei. Für die restlichen sechs Teams geht es in den Playoffs weiter. Die Karten werden neu gemischt - und kurioserweise treffen Schwabhausen und Kolbermoor auch in der ersten Playoff-Runde wieder aufeinander. "Schwierig", sagt Fuchs, Schwabhausen sei für ihn favorisiert.

Das liegt vor allem an Sabine Winter, die viele Jahre lang in Kolbermoor spielte und die nach der Rückkehr zu ihrem Heimatverein Schwabhausen aktuell die ligabeste Einzelbilanz aufweist. 21:2 Siege hat die Nationalspielerin bislang eingefahren. Am Samstag setzte sie sich knapp gegen Chantal Mantz durch und danach gegen Europameisterin Solja, am Sonntag dann jeweils ohne Satzverlust gegen Yuan Wan und Kristin Lang. "Man muss anerkennen, dass Sabine in Topform ist", sagte Fuchs; um Schwabhausen zu schlagen, werde man sie wohl irgendwie mal "knacken" müssen.

An den Ergebnissen des vergangenen Wochenendes war besonders erstaunlich, dass der TSV am Samstag auf seine Nummer drei Mateja Jeger verzichtete und an beiden Tagen ohne seine nominelle Nummer eins antrat, die in Australien lebende Chinesin Liu Yangzi. Entsprechend euphorisch war Trainer Alexander Yahmed nach den drei Punkten. "Das waren zwei tolle Spiele mit lauter starken Leistungen." Für die Playoffs hofft er allerdings auch die junge Yangzi einsetzen zu können, die vor Saisonbeginn eher ungeplant zum Kader gestoßen war und dem Coach nun noch mehr Möglichkeiten gibt. "Der Kader ist groß", weiß Yahmed.

"Das war wirklich schlimm": Trainer Yahmed hat die Viertelfinalniederlage aus dem Vorjahr noch nicht vergessen

Nikitchanka zum Beispiel ist keineswegs Stammspielerin, sie hat auch schon Einsätze in der zweiten Mannschaft absolviert (die sich einen Spieltag vor Schluss mit dem TuS Fürstenfeldbruck einen Zweikampf um die Drittliga-Meisterschaft liefert). Am vergangenen Wochenende aber rechtfertigte sie ihre Aufstellung in der ersten Liga nicht nur gegen Langstadts Franziska Schreiner - sondern mehr noch tags darauf in Kolbermoor, wo sie sich auf spektakuläre Art gegen Svetlana Ganina durchsetzte, ebenfalls Abwehrspielerin und zuletzt Kolbermoors Pokalheldin. Es gab ein so genanntes Zeitspiel, ein eher seltenes Phänomen, mit dem verhindert werden soll, dass zwei ausschließlich defensive Akteurinnen einander die Bälle bis zum Morgengrauen zuschubsen, ohne jemals Punkte oder Fehler zu machen. Die jeweils Aufschlagende muss dann nach spätestens 13 eigenen Schlägen den Punkt gemacht haben, sonst erhält ihn automatisch die Gegnerin. So wird die Aufschlägerin also zur Attacke gezwungen - was Nikitchanka besser gelang als Ganina. "Sie ist volles Risiko gegangen und hat teilweise unglaubliche Bälle getroffen", zollte auch Fuchs der Belarussin Respekt. Trotz Zeitspielregel dauerte dieses Schlüsselspiel über fünf Sätze eine ganze Stunde.

"Es war schon jetzt eine super Saison, alle haben Fortschritte gemacht", bilanzierte Yahmed, der nun ganz froh ist, im Viertelfinale gleich wieder auf Kolbermoor zu treffen. "Da weiß man genau, die können dir auf jeder Position wehtun." Er hat das überraschende Viertelfinal-Aus vor einem Jahr gegen den Außenseiter Weil noch nicht vergessen, "das war wirklich schlimm". Diesmal wollen sie den Schwung ein bisschen länger mitnehmen.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

SZ Stellenmarkt
:Entdecken Sie attraktive Jobs

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: