Die Vorbereitung eines Bundesliga-Heimspiels ist für den TSV Bad Königshofen immer mit einem gewissen Aufwand verbunden. Die Halle muss für die deutsche Tischtennis-Elite hergerichtet werden, was besonders in Ferienzeiten wie jetzt eine Herausforderung ist, da viele der freiwilligen Helfer noch im Urlaub sind. So viel um die Ohren wie diesmal hatte TSV-Geschäftsführer Andreas Albert aber schon lange nicht mehr. Und das wegen nur eines Mannes: Das sei „alles Fan Zhendong geschuldet“, erklärt er. Der 28-jährige Chinese löst seit seinem Wechsel zum 1. FC Saarbrücken einen Wirbel aus, der für deutsche Tischtennis-Verhältnisse alle Dimensionen sprengt – und ist am Samstag im beschaulichen Bad Königshofen zu Gast, wenn der TSV am zweiten Spieltag die Saarländer empfängt (15 Uhr).
Das TSV-Heimspiel ist ausverkauft, Kartenbestellungen gab es auch aus Australien, Neuseeland, Singapur, Kanada – und natürlich aus China. Auch in dieser Woche gingen bei Albert noch E-Mails von Chinesen ein, ob es nicht noch ein Plätzchen für sie in der Halle gebe. Warum so viele Fan Zhendong sehen wollen, macht seine Erfolgsliste deutlich: Er ist der amtierende Einzel-Olympiasieger, zweifacher Einzel-Weltmeister und war von Frühjahr 2020 bis Frühjahr 2024 die Nummer eins der Weltrangliste. Im Team kommen zwei weitere Olympia-Goldmedaillen und fünf WM-Titel hinzu. Seine mehr als sieben Millionen Follower auf seinem chinesischen Weibo-Kanal machen deutlich, welch ein Star er in seiner Heimat ist. Die Nachricht von seinem Wechsel nach Saarbrücken wurde über Weibo 3,4 Millionen-mal aufgerufen.
Der Rummel um den 28-Jährigen ist so groß, dass auch in Bad Königshofen besondere Maßnahmen ergriffen werden mussten. Albert hatte unter der Woche ein Hotel für die Saarbrücker gebucht, doch da die chinesische Fangemeinde herausfand, um welches es sich handelt, musste eine neue Unterkunft gesucht werden. „Der arme Kerl muss ja nachts auch mal schlafen können“, sagt Albert und lacht. Das Alternativhotel der Gästemannschaft, streng geheim natürlich, befindet sich nun 30 Minuten von Bad Königshofen entfernt.

Der Klub hat sich einiges einfallen lassen, um es den Hunderten chinesischen Zuschauern im fränkischen 6000-Einwohner-Ort so angenehm wie nur möglich zu machen. Ein Shuttle-Service bringt die chinesischen Gäste vom Bahnhof Schweinfurt zur Halle und auch wieder zurück, der Bus ist schon voll. „Mal schauen, ob wir noch mit einem Kleinbus hinterherfahren“, sagt Albert, „nicht, dass welche am Bahnhof hängen bleiben.“ Zudem hat er Fu Yong, den langjährigen chinesischen Ex-Trainer des TTF Ochsenhausen, eingeladen, der nicht nur als Co-Kommentator auftreten, sondern auch ein paar Worte an die chinesischen Zuschauer in der Halle richten wird. Da das Bundesligaduell wegen Fan Zhendong auch im chinesischen Fernsehen übertragen wird, erhofft sich Albert, „die Brücke nach China weiter auszubauen“. Schon vor der aktuellen Saison erreichten den fränkischen Klub Autogrammkartenanfragen aus China, der Rummel soll den TSV in China nun noch bekannter machen.
„Überall, wo er spielen wird, werden die Hallen voll sein.“
Generell hat der Transfer des Olympiasiegers in die deutsche Tischtennis-Bundesliga laut Albert einen „neuen Hype“ ausgelöst, der nach dem Karriereende von Timo Boll gerade recht kam. „Überall, wo er spielen wird, werden die Hallen voll sein“, prognostiziert der TSV-Geschäftsführer. Dass Fan Zhendong seine zwei Auftaktspiele am ersten Spieltag gegen Bergneustadt verlor, kam ziemlich überraschend, schließlich hatte der Chinese vor seinem Wechsel nach Deutschland erst gegen fünf Nicht-Asiaten überhaupt ein Spiel verloren. Gegen Timo Boll beispielsweise gewann er alle acht Duelle. Albert erklärte die Niederlagen so: Erstens sei er noch nicht völlig austrainiert gewesen, und zweitens müsse auch ein aktueller Olympiasieger die Umstellung erst einmal verkraften. Andere Tischtennistische, andere Bälle, andere Bodenbeläge, das mache auch für Topspieler viel aus, erzählte er, denn: „Tischtennisspieler sind sehr sensibel.“
Nicht nur wegen Fan Zhendong geht der TSV Bad Königshofen, der sein Auftaktspiel wie auch Saarbrücken 1:3 verloren hat, am Samstag als Außenseiter in den Spieltag. Neben Fan stehen mit dem früheren TSV-Akteur Darko Jorgic (Weltranglisten-10.) und Patrick Franziska (Weltranglisten-18.) zwei weitere Topspieler im Gästekader. Albert prognostiziert, dass der TSV in dieser Saison um den Klassenverbleib wird kämpfen müssen; ohne den Japaner Jin Ueda fehle der Mannschaft ein „Ausnahmespieler“. Den neuen Ausnahmespieler der Liga bekommen sie dafür am Samstag in Bad Königshofen zu sehen.

