Süddeutsche Zeitung

Tischtennis:Abgezockt

Von Ochsenhausen nach Osaka: Mizuki Oikawa vom Bundesligisten TSV Bad Königshofens ist japanischer Meister im Doppel.

Den letzten Vorhandtopspin, zu dem er bereits ausgeholt hatte, musste Mizuki Oikawa nicht mehr schlagen. Der Ball blieb unterwegs im Netz hängen. Statt seines Schlägers riss Oikawa (rechts im Bild) also beide Arme hoch, dann ging er auf seinen Doppelpartner Kohei Sambe zu und umarmte ihn. Er ist nun japanischer Meister im Doppel. Beim TSV Bad Königshofen, für den Oikawa in der ersten Tischtennis-Bundesliga spielt, haben sie kräftig mitgejubelt, der Verein und seine Fans beobachten solche Ereignisse genau. Auf der Facebook-Seite der Unterfranken wurden Fotos und Videos von den Meisterschaften im fernen Osaka gepostet - wenn sie ihn schon ziehen lassen, soll er in seiner Heimat wenigstens was gewinnen. Das dürfte schließlich auch gut fürs Selbstvertrauen des 22-Jährigen sein.

Daran hat es zuletzt auch in der Liga nicht gefehlt. Nach einer Durststrecke im November punktete Oikawa wieder gewohnt zuverlässig. In den ersten beiden Partien des neuen Jahres gegen Bergneustadt (3:1) und Ochsenhausen (1:3) bezwang er binnen drei Tagen zunächst den olympiaerfahrenen Briten Paul Drinkhall, dann den Franzosen Simon Gauzy, immerhin EM-Zweiter von 2016 und ehemaliger Top-Ten-Spieler. Unmittelbar nach diesem Match war er dann zu seinem Flug nach Japan aufgebrochen.

Die nationale Meisterschaft dort ist von hohem sportlichen Wert. Drei seiner Landsleute zählen aktuell zu den besten 20 Spielern der Welt. Oikawa selbst ist auf Rang 91 der ITTF-Rangliste zu finden, gleich acht seiner Rivalen stehen deutlich vor ihm - der schlechteste von ihnen, der 18-jährige Yukiya Uda auf Rang 54, gewann in Osaka das Einzelfinale gegen den noch zwei Jahre jüngeren Tomokazu Harimoto. Japan besitzt ganz erstaunlich viele junge Talente. Oikawa war im Einzel in der sechsten Runde gegen Koki Niwa ausgeschieden, dafür triumphierte er im Doppel. Die Turnierfavoriten Jun Mizutani (der nur im Doppel antrat) und Yuya Oshima waren in Runde fünf gescheitert, im Finale standen die Studenten Oikawa und Sambe (letzterer ist gar nur die Nummer 298 der Welt) zwei 18-Jährigen gegenüber, Shunsuke Togami und Shodai Miyagawa. Am Ende seien die Älteren "abgezockter" gewesen, urteilte Königshofens Manager Andreas Albert.

Oikawa hat wegen des Auftritts in der Heimat kein Punktspiel verpasst. Er kehrt vor den German Open, die Ende Januar in Magdeburg beginnen, zurück und wird dort auch seine Vereinskollegen wiedertreffen. Sein Klub ist als Tabellenachter von den Abstiegs- wie von den Play-off-Plätzen weit entfernt und kann auf die kommende Saison schauen - für die Oikawas Vertrag bereits verlängert wurde.

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Quelle:
SZ vom 24.01.2020
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