Tiger Woods im Golf:Ein Zusammenbruch plagte ihn

"Mein Körper war ein Wrack", das gestand Woods ja auch bei der Pressekonferenz nun wieder, wobei er bis heute nie dargestellt hat, wie er seinen Zusammenbruch erlebte. Nur so viel deutete er an: Er habe mit Medikamenten versucht, Nebenwirkungen anderer Medikamente zu kompensieren. Seine Gegner: Schmerzen und Schlaflosigkeit. Er hat sie besiegt, und das führt, vor allem in den USA, wo sie Helden lieben wie nirgendwo anders, zu einer Reanimierung seines Heldenepos. Zu Tausenden sangen sie am Sonntag "U-S-A!" und "Tiger Woods!" Der Sender ESPN umschrieb ihn als einen Mix aus "Mozart und Michelangelo", der im roten Hemd und mit Spikes vom Golftod wiederauferstanden sei. Das Narrativ geht nicht kleiner.

Aber auch ohne den Herzschmerz, den das Schicksal von Woods ausgelöst hat, ist seine persönliche Leistung einzigartig. Zu keiner Zeit, selbst während der tiefsten Tiefs, hatte er Vorwürfe an Dritte geäußert. Nie waren andere Schuld, nur er. Woods klagte nicht, etwa darüber, dass er als Wunderkind keine normale Jugend hatte, dass ihn der Vater, ein früherer G.I., drillte. Am Sonntag sagte Woods, "Pops" wäre sicher stolz auf ihn. Earl, sein Vater, starb 2006.

Die Wende, die in dem Sieg von Atlanta mündete, begann indes nicht aus dem Nichts. Sie nahm Anfang 2018 Fahrt auf - da hatte Woods sich schmerzfrei gefühlt, konnte ohne Blockaden diese komplizierten Bewegungen durchführen, die Golf zu so einer komplexen Disziplin machen. Schleichend wurden seine Resultate besser, Woods konnte der sein, der er am liebsten war: ein Golfer. Fünf ethnische Wurzeln hat er, aber Woods mochte es nie, sich für Kampagnen gegen Rassismus und ähnliche Übel einspannen zu lassen, jedenfalls fiel er nie als Kämpfer in diesen Dingen auf. Lieber kümmerte er sich um seine Stiftung. Kindern zu helfen, ist ihm wichtig, das Militär hat es ihm angetan, er ehrt es oft. Doch am Ende wirkte er meist dann mit sich im Reinen, wenn er Sportler war, Golfbälle schlug - und Siege einfuhr.

Dankbar sei er nun, sagte Woods, ehe er aufbrach nach Paris, wo ab Freitag der Ryder Cup stattfindet, das tosende Duell zwischen Europa und den USA. Er könne diesen Erfolg, 1876 Tage nach dem letzten, anders würdigen. Er wisse, welchen Weg er hinter sich hat. "Als ich begann, gab es noch kein Internet", sagte er - und lachte. Nein, Woods ist kein überirdisches Wesen. Er ist ein Mensch mit Stärken und Schwächen. Beides hat er wieder im Griff. Das ist sein wahrer Triumph von Atlanta.

© SZ vom 25.09.2018/jbe
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