bedeckt München 29°

Ticketverkauf des DFB:Der DFB und die Realität

Verbandssprecher Grittner gibt sich etwas sensibler, er hält die Ticketgebühren für einen von vielen Faktoren. Aber Pauschalrezepte, wie die Arena vollzukriegen wäre, kennt auch er nicht. Es bleibt bei Vermutungen. "In dieser Phase, wo wenig auf dem Spiel steht, schmeissen die Zuschauer vielleicht lieber zu Hause den Grill an, als unter der Woche Abends ins Stadion zu gehen," sagt er. Als Gegenargument für zu hohe Ticketpreise führt er an, dass vor allem die Karten im höherklassigen Segment, also jene für bis zu 100 Euro, am schnellsten vergriffen waren.

Trotzdem verfestigt sich der Eindruck, dass der DFB beim Ticketing ein wenig die Realität aus den Augen verloren hat. Wenn selbst das treue Kölner Publikum grübelt, das bei Heimspielen des FC selten Plätze frei lässt, muss es Gründe geben. Der Zeitpunkt nach Ende der Saison und der fehlende sportliche Wert des Testspiels zählen sicher dazu - auch der Austragungsort spiele eine Rolle, meint Grittner.

"Wir hatten auch schon in Hannover bei einem Qualifikationsspiel gegen Färöer Karten übrig." Die Preisspanne von 45 bis 100 Euro ist bei allen Länderspielen ähnlich - egal, ob Kracherspiel oder luftige Freundschaftsnummer. Und ein volles Stadion ist ausdrücklich erwünscht. Sieht ja blöd aus, wenn's leer ist. Die Preise zu überdenken, könnte nun ein Weg sein, die Fans zu animieren.

Bierhoff deutete bereits an, was ihm vorschwebt. Grundsätzlich sei es ihm wichtig, dass die Menschen das Nationalteam live sehen können: "Deshalb werden wir vielleicht kreativ in diese Richtung." Möglich seien bei solch unattraktiven Terminen nach dem Saisonende besondere Ticketing- und Familienpakete. Grittner merkt dazu an, dass es vergünstigte Karten ja bereits gäbe: "Wir haben stets auch Kontingente zu niedrigeren Preisen, etwa für Gruppen, Schüler oder Vereine." Aber für den einzelnen Fan im Erwachsenen-Alter gibt es bisher keine Lösung. Im Verband scheint den Verantwortlichen das Problem erst jetzt bewusst zu werden.

"Damit müssen wir uns in Ruhe auseinandersetzen. Die Preise sind sicherlich ein Punkt, über den wir nachdenken müssen", sagt Grittner um Einsicht bemüht. Dass der DFB seine Preispolitik komplett überholt, ist indes nicht zu erwarten. "Wir haben das Problem erkannt, aber noch nicht gelöst", erklärt Grittner. Zu Preisen rund um 30 Euro würden sich in der Kölner Fußgängerzone sicher einige Kurzentschlossene finden - allein schon wegen Podolski.

© SZ.de/jbe/jobr
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB