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Vissel Kobe:Das teure Team des Thorsten Fink

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Thorsten Fink (links) und sein renommiertester Spieler: der Spanier Andrés Iniesta.

(Foto: imago)
  • Thorsten Fink hat den FC Basel, den Hamburger SV, Apoel Nikosia, Austria Wien und Grasshopper Zürich trainiert - ehe er nach Japan zu Vissel Kobe ging.
  • Das Projekt dort ist ehrgeizig, aber bislang ohne großen Erfolg.
  • Fink spürt, dass er in Japan ohne Druck arbeiten kann.

Die Melodie der japanischen Sprache ist schön. Sie wirkt manchmal wie schnelle Barockmusik, die sich in herrlichen Klangwirbeln um die Themen windet. Aber sie kann auch direkt sein und in kurzen Sätzen alles sagen, was man wissen muss. Wer sie neu lernt, ahnt bald, dass sie eine sehr eigene Tiefe besitzt, und die Silben, aus denen sich ihre Worte formen, kann ein gewöhnlicher Deutschsprecher am Anfang nicht so leicht einfangen.

Davon kann jetzt auch der deutsche Fußballtrainer Thorsten Fink erzählen, der nämlich seit knapp drei Monaten die Profimannschaft beim J-League-Klub Vissel Kobe leitet. Neulich bei der Pressekonferenz nach der 2:3-Heimniederlage gegen Sapporo hat er den Abschiedsgruß nicht herausgebracht. Andere Worte gehen ihm leichter über die Zunge. Wenn er zum Beispiel über die Stimmung bei seinem neuen Klub spricht, sagt er: "Sugoi." Wahnsinn.

Lukas Podolski Vissel MARCH 2 2019 Football Soccer 2019 J1 League match between Vissel Kob

Seit Juli 2017 bei Kobe: Lukas Podolski.

(Foto: www.imago-images.de)

Die Welt ist groß, Fußball gibt es überall, und Fußballtrainer aus Europa gelten gerade in Asien als begehrte Missionare des Spiels. So hat mancher Coach, der auf dem sogenannten alten Kontinent arbeitslos geblieben wäre, in der Ferne eine gute Anstellung gefunden. Auch Thorsten Fink, 51, ehemals Profi beim FC Bayern und heute ein Coach, dessen Berufsleben sich eingependelt hat zwischen Gefeiert- und Gefeuertwerden. FC Basel, Hamburger SV, Apoel Nikosia, Austria Wien, Grasshopper Zürich waren in den vergangenen zehn Jahren seine Stationen, nicht die besten Adressen, aber auch nicht die schlechtesten.

"Hier kann ich noch was erreichen", sagt Fink

Nach seiner Entlassung beim später abgestiegenen Schweizer Rekordmeister Grasshopper sah er sich keineswegs unter Druck, nach dem nächstbesten Angebot greifen zu müssen. "Ich hatte ja auch eine gute Karriere als Spieler, sodass ich das jetzt nicht so nötig habe, überall rumzureisen." Aber als Vissel Kobe aus Japan anrief, der Klub der drei früheren Weltmeister Andrés Iniesta, David Villa (beide Spanien) und Lukas Podolski (Deutschland), fand er das nicht das nächstbeste Angebot: "Das hat mich interessiert", sagt er.

Fink sitzt in einem Funktionsraum am Trainingsgelände von Vissel. Die Vormittagseinheit ist zu Ende, er hat Automatenkaffee mitgebracht und wirkt entspannt. Die sportliche Lage könnte besser sein. Die J-League-Saison läuft von Februar bis Dezember, als Fink im Juni kam, lag Kobe auf Platz 13, weit entfernt vom erklärten Ziel, um die Meisterschaft mitzuspielen. Der Spanier Juan Manuel Lillo hatte im April nach achtmonatigem Engagement seinen Vertrag nicht verlängert. Nachfolger Takayuki Yoshida blieb zwei Monate. Nun soll es Fink richten mit seinem langjährigen Assistenten Sebastian Hahn. "Eine neue Ära" hat Vissel ausgerufen bei der Vorstellung. Und Fink sieht seine Chance: "Hier kann ich noch was erreichen."

Kobe, Hauptstadt der Präfektur Hyogo, erstreckt sich als schmaler Häuserteppich zwischen Bergen und Meer am Südrand der Insel Honshu. 1,5 Millionen Menschen leben dort. Trotzdem wirkt die Stadt im Vergleich zu den dicht bebauten Metropolen Japans beschaulich. Gelassen. Als hätte sie das Schlimmste schon hinter sich - was hoffentlich auch stimmt.

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Denn eine Naturkatastrophe hat Kobe geprägt: das Große Hanshin-Erdbeben vom 17. Januar 1995. Kobe lag damals nur 20 Kilometer vom Epizentrum entfernt und zerbrach binnen 20 Sekunden. 4600 Menschen starben, Verkehrswege und Brücken wurden zerstört. Heute sieht die Stadt aus wie neu erbaut und zieht Kraft aus der Erinnerung an die gemeinsame Anstrengung. Im Hafen kann man sehen, wie schief damals die Laternen standen. Im Higashi-Yuenchi-Park ruht die goldene Marina des Bildhauers Yuki Shintani mit ihrer Uhr, die damals kaputt ging und seither die Zeit des Bebens zeigt: 5:46 Uhr.

Und Vissel, nur wenige Monate vor dem Beben aus dem Kawasaki Steel Corporation Mizushima Soccer Club hervorgegangen, will Teil des Mythos sein. Die Vereinshymne erinnert an die Leistung des Wiederaufbaus ("Zusammen verwundet, zusammen aufgestanden"). Auf der Homepage beschwört der Klub die Einheit mit Stadt und Menschen. Und der Chef des Ganzen ist ein Sohn Kobes, den die Beharrlichkeit der Leute nach dem Beben inspirierte: Hiroshi Mikitani, 54, Selfmade-Milliardär und Pionier des E-Commerce, gründete 1997 den Online-Händler Rakuten, der mittlerweile zu einem prägenden Sportsponsor geworden ist. Mikitani besitzt ein Baseball-Team in Japan, sponsert den NBA-Klub Golden State Warriors in den USA und den FC Barcelona in Spanien - und er ist der allmächtige Eigner von Vissel Kobe.