Thomas Tuchel und der BVB Ein Mann muss sich entscheiden

Trainiert er künftig Borussia Dortmund: Thomas Tuchel

(Foto: dpa)

Thomas Tuchel war mal Meister mit den A-Junioren des FSV Mainz 05. Mehr steht nicht auf seiner Visitenkarte - und doch ist er einer der begehrtesten deutschen Trainer. Auch in Dortmund. Warum?

Von Christof Kneer

Thomas Tuchel hat mit Pep Guardiola zu Abend gegessen, zweimal. Thomas Tuchel wurde von Jupp Heynckes als kommender Bayern-Trainer geadelt. Thomas Tuchel war beim Deutschen Fußball-Bund im Gespräch, als der sich nach der WM 2014 für den Fall eines möglichen Rücktritts von Joachim Löw wappnen wollte. Weiterhin wurde Tuchel heftig umworben von Schalke 04, vom Hamburger SV, vom VfB Stuttgart, von RB Leipzig.

Angesprochen wurde er im Grunde von der halben deutschen Bundesliga, dazu kamen Angebote aus England und Spanien, und beim AC Florenz war er mal zum Kaffeekränzchen eingeladen. Der Sportdirektor dort erklärte ihm, er wolle die neue Generation europäischer Spitzentrainer kennenlernen.

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Tuchel, 41 Jahre alt, war mal Meister mit den A-Junioren des FSV Mainz 05. Und bei den Männern von Mainz 05 war er fünf Jahre Bundesliga-Trainer. Mehr steht nicht auf seiner Visitenkarte.

Die Geschichte von Thomas Tuchel, der nun womöglich als Nachfolger von Jürgen Klopp zu Borussia Dortmund wechseln wird, ist keine gewöhnliche Trainer-Geschichte. Dieser Trainer genießt einen Ruf, der weit über das hinausreicht, was sich in Titeln und Tabellen ablesen lässt. In Mainz brauchte er nur wenige Spiele, um sich einen exzellenten Leumund zu erwerben. Er gilt seither als intellektueller Freak, als Taktik-Nerd, der aber im Vergleich zu anderen Taktik-Nerds die komplette Palette des Spiels beherrscht.

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Er ist ein Kopf- und Bauchtrainer, und all jene Skeptiker, die ihn wegen Verwendung des Begriffes "Matchplan" als reinen Akademiker verspotteten, mussten mitansehen, mit welcher Wucht und Leidenschaft er den Fußballstandort Mainz immer aufs Neue vitalisierte - obwohl ihm die großen Klubs stets die besten Spieler entwendeten.

Tuchel war ein tapferer Sisyphus, und er war das gerne. Bis er irgendwann doch müde wurde vom vielen Steine-den-Berg-Hochrollen - das war im vorigen Sommer, als er trotz laufenden Vertrags seinen Rücktritt in Mainz bekannt gab und ein Sabbatjahr einlegte. "Ich hatte das Gefühl, dass mal ein anderer Lehrer vor dieser Klasse stehen muss", hat er später dazu gesagt.

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So tickt dieser Trainer: Er ist ein radikaler Überzeugungstäter, und wenn er die Überzeugung nicht mehr hat, kann er nicht mehr der Trainer sein, der er sein will. Es war diese Überzeugung, die ihm am Ende auch beim HSV fehlte - bei jenem Klub, zu dem er jetzt eigentlich wechseln wollte, bis ihm zuletzt doch das Vertrauen in die handelnden Personen abhanden kam.

Tuchel weiß, dass es Zeit wird, wieder einen Job zu übernehmen, er braucht jetzt keine Schlagzeilen mehr. Eine Weile hat er den Mythos vom Phantom, das über allen Stadien schwebt, genossen, aber er merkt jetzt, dass die Meldungen allmählich einen Zungenschlag annehmen, der ihm nicht gefällt. Auf dem Boulevard werden kühn erste Gehaltszahlen ersonnen, und Tuchel ist jetzt bald nicht mehr derjenige, der sich alles aussuchen kann, sondern einer, der sich endlich entscheiden muss. Und das wird er in Kürze tun.