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Thomas Müller im DFB-Team:"Torloser Torjäger" wurde Müller auch genannt

Zur Geschichte, dass Müllers Karriere in der Nationalelf mit gerade 29 Jahren bereits endet, gehört aber auch, dass er nie wieder so anhaltend hochklassig und frisch spielte wie damals mit 20 Jahren in der Kälte von Südafrika. Müller hatte sicher gute Phasen, im Verein beim FC Bayern, wo er vielfach deutscher Meister und 2013 Champions-League-Sieger wurde, auch manche sehr gute. Die WM 2014 war noch mal eine gelungene für Müller: Gleich dreimal traf er im Auftaktspiel gegen Portugal (da gratulierte ihm sogar Maradona), ein weiteres Mal in der Vorrunde gegen die USA und beim 7:1 im Halbfinale gegen Brasilien gelang ihm der erste Treffer. Unerkannt herumlaufen konnte er nirgends mehr: Müller war einer der prominentesten Stürmer der Welt, am Ende sogar Weltmeister.

Doch Müller hatte auch schwache Phasen, sehr schwache sogar, besonders in den vergangenen Jahren. Wenn er über Wochen lang das Tor nicht traf - da wirkte Müller manchmal schon viel älter als Ende 20. Das Fußballvolk zweifelte beständig an ihm, auch Müller zweifelte manchmal, obwohl er sich das selten anmerken ließ. In der Saison 2016/17 schoss er bei Bayern bloß fünf Tore in 29 Spielen, in der Nationalelf traf er in der aktuellen Spielzeit 2018/19 noch gar nicht. Auch blieb er bei mehreren großen Turnieren ertraglos: bei der EM 2012, der EM 2016, der WM 2018.

Müller findet seine Räume - oder eben nicht

Müllers Einzigartigkeit ist vielleicht auch sein größtes Manko: Er hat keine Kernkompetenz, die ihm auch in schlechten Phasen Tore beschert - ein wuchtiger Kopfball etwa, oder ein rasant schneller Antritt. Bei Müller ist das anders. Findet er seine Räume, spielt er gut - oder er findet sie eben nicht. "Torloser Torjäger" wird er dann genannt, wobei Müller selbst stets betont, dass er seine Leistung nicht an der Anzahl seiner Tore messen lassen will. "Thomas ist immer wichtig für uns", sagte auch sein Teamkollege Arjen Robben, "selbst wenn er den Ball mal nicht trifft."

Einer, der in schwierigen Zeiten immer an ihm festgehalten hatte, war der Bundestrainer. "Müller spielt immer", dieser bekannte Satz, einst geschaffen von Bayern-Trainer Louis van Gaal, galt in der Nationalmannschaft noch, als der Niederländer München längst verlassen hatte. Nun will Löw von dieser deutschen Fußball-Regel nichts mehr wissen. Der Bundestrainer hat entschieden, dass er künftig auf jüngere Spieler setzen will, die ihre Kernkompetenzen deutlicher definieren als Müller. Der ist mit 29 Jahren plötzlich: zu alt. Aus einer anderen Generation.

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