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Thomas Häßler:"Ich weiß, dass ich bei keinem Drittligisten auf der Wunschliste stehe"

Aber so was ist leicht daher gesagt. Fußball ist nach wie vor sein Leben, und es ist auch kein schlechtes Leben, weil sich das Trainer-Engagement beim Berliner Club Italia für alle Beteiligten rentiert hat. Mit dem Weltmeister als Chefcoach steht Club Italia in der Bezirksliga Staffel 1 nach der Hinrunde auf dem zweiten Tabellenplatz - im Vorjahr war die gleiche Mannschaft knapp dem Abstieg entgangen. Häßler hat den Job von Anfang an ernst genommen; seine Spieler - Studenten, Azubis, Hobbykicker - hat er einem Trainingsprogramm ausgesetzt, als wäre er noch im Berufsfußball. Davon hat das Team profitiert. Der PR-Coup mit dem berühmten Trainer hat dem Verein auch sportlich geholfen.

Andererseits ist es halt die achte Liga. Häßler weiß, wo er gelandet ist, doch es hat Jahre gedauert, bis er bereit war, diese Wahrheit zu akzeptieren. Nach seinen Verirrungen ins Ausland, als Co-Trainer von Berti Vogts in Nigeria und als Technischer Direktor in Iran, kam er resigniert zurück ins Rheinland. Als ihn das Angebot aus den Tiefen des Amateurfußballs erreichte, hat er das keineswegs als Majestätsbeleidigung empfunden: "Wieso soll ich von einem Spitzenjob träumen?", hat er gesagt, "ich weiß, dass ich bei keinem Drittligisten auf der Wunschliste stehe."

Rudi Völler sagt, dass es kein besseres Leben als das Fußballerleben gebe. Weil man "null Verantwortung" habe und den schönsten Beruf der Welt. Aber irgendwann muss man den Rasen halt dann doch verlassen, und dann stellt sich für viele die Sinn- und die Existenzfrage. Die Unterhaltungsprogramme des Privat-Fernsehens sind inzwischen voll von ehemaligen Profis, die ihren Platz im wahren Leben suchen. Vor Häßler waren Eike Immel, Ailton und Thorsten Legat Insassen des Dschungelcamps, das Pensionsheim der Bundesliga ist zum Rekrutierungszentrum für die hämische Horrorshow geworden. Sieht man Tim Wiese dieser Tage als viereckigen Kraftprotz durch die TV-Studios tingeln, schwant einem Böses.

Lattek warnt vor Zukunft als Kapitän einer Berliner Thekenmannschaft

Als Häßler im Alter von 18 Jahren aus Berlin nach Köln kam, fühlte er sich fremd und verloren. Der FC drückte ihm einen Vertrag in die Hand und ließ ihn dann allein. Am Anfang ist er ein halbes Dutzend Mal umgezogen, weil er sich nirgendwo wohlfühlte, seine Ernährung bestand aus Cola, Chips und Hamburgern, er lebte chaotisch und hatte Übergewicht. Dann nahmen ihn ältere Kollegen wie Toni Schumacher und Paul Steiner in Verwahrung, bei den Schumachers saß er fortan regelmäßig am Esstisch, im Familiensitz an der Krankenhausstraße in Hürth feierte er Weihnachten. Und dann traf er in Köln außer seiner fürsorglichen Frau Angela immer wieder Leute, die ihn davor bewahrten, sein Talent zu verschleudern: die Trainer Hannes Löhr und Christoph Daum, die ihn förderten und forderten, und den Sportchef Udo Lattek, der im richtigen Moment die letzte Warnung aussprach, indem er ihm die Zukunft als Kapitän einer Berliner Thekenmannschaft ausmalte.

Aus diesen Anfängen ist eine große Karriere mit 101 Länderspielen geworden, Häßler wurde Welt- und Europameister, er behauptete sich in der Serie A bei Juventus Turin und AS Rom und wechselte am Ende in die österreichische Liga, um die Laufbahn zu verlängern. Doch dann ließ sich der Übertritt in die verflixte zweite Lebenshälfte nicht mehr aufschieben. Mit der Anlehnung an andere ist es vorbei. Beim 1. FC Köln versorgte man ihn mit einer Alibi-Tätigkeit, was keinem nutzte, und der DFB unterhält zwar einen Klub der Nationalspieler, dessen Mitglieder sich zweimal im Jahr am Rande von Länderspielen zum fröhlichen Beisammensein treffen. Doch ein Sozialamt betreibt der DFB nicht.

Beim Club Italia in Berlin stört es die Leute nicht, wenn die RTL-Zuschauer den Weltmeister in Shorts und Unterhemd für langweilig halten. In Berlin wünschen sie sich, dass Häßler schnellstmöglich wieder mit der Arbeit beginnt. Ende Februar beginnt die Rückrunde mit dem Auswärtsspiel beim VfB Hermsdorf II. Es ist bloß Bezirksliga. Aber es ist Fußball.

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