Thomas Broich:"Ich hätte nie geglaubt, dass es eine Schattenseite geben könnte"

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Ihre Geschichte wird in der Langzeit-Dokumentation "Tom meets Zizou" erzählt. Regisseur Pause hat sie von 2003 bis 2011 begleitet. Wie finden Sie den Film?

Wenn man sich selber zuhören muss, was man alles von sich gegeben hat, ist das schon hart. Da ist man nicht immer stolz auf sich selber. Ich wusste damals nicht, worauf ich mich einlasse. Man stellt sich das als cooles Projekt vor und ist sich nicht bewusst, was das für eine Schwere entwickeln kann. Vor allem, wenn es in der Karriere nicht läuft. Aber gerade durch meine Krisen kam eine Komponente zum Film, die ihn nicht uninteressanter macht. Ein kleines Märchen wäre zwar schön gewesen. Aber der Film ist ja gerade deswegen relevant, weil er dieses Märchen eben nicht erzählt.

Wenn Sie einem jungen Spieler begegnen würden, der so tickt wie Sie früher. Was würden Sie ihm sagen?

Das ist lustig, weil ich solchen Versionen von mir tatsächlich begegne. Und sie tun mir ein bisschen Leid, weil sie es eigentlich gut meinen, aber sich ein wenig verlaufen haben. Aber gerade wenn man jung ist, stößt vieles auf taube Ohren. Bei mir war es ähnlich. Ich war auf einem Höhenflug, alles lief. Ich hätte nie geglaubt, dass es eine Schattenseite geben könnte. Die hat mich dann kalt erwischt. Es ist echt gefährlich, wenn du als junger Spieler rasant aufsteigst.

In Brisbane wurden Sie zum Fußballer des Jahrzehnts gewählt. Sind Sie jetzt eine Vereinslegende bei Roar?

Den Verein und die Liga gibt es ja noch nicht so lang. Da ist es dann auch nicht so schwer, so einen Status zu erlangen. Wenn man über 50 Jahre Bundesliga redet oder zehn Jahre A-League, ist das schon ein Unterschied.

Ein Fan bemühte sich in einer Online-Petition sogar darum, dass eine Statue von ihnen vor dem Stadion errichtet wird. Stand heute: null Unterschriften. Enttäuscht?

(lacht) Null ist ein bisschen wenig.

Was sind Ihre Pläne für die Zeit nach der aktiven Karriere?

Ich befinde mich gerade in der Übergangsphase, in der ich überlege: Was mache ich eigentlich? Bleibe ich dem Fußball verbunden? In vierzig, fünfzig Jahren gönnt man sich sonst nie so ein Break. Wenn er mir jetzt auferlegt wird, ist das ganz recht.

Bleiben Sie dem Fußball verbunden?

Ich habe richtig Lust darauf, Trainer zu werden. Das ist völlig absurd. Als ich aus Deutschland weg gegangen bin, hätte ich mir das nicht vorstellen können. Damals hatte ich eine Anti-Haltung entwickelt zu allem, was mit Fußball zu tun hat. Es wäre das Letzte gewesen, was mir in den Sinn gekommen wäre.

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