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Basketball in der NBA:Theis und Boston schlagen zurück

Daniel Theis (re.) war eine Macht am Korb in Spiel fünf der NBA-Playoffs.

(Foto: Mark J. Terrill/AP)

Klappt es doch noch mit dem ersten Deutschen im NBA-Finale seit Dirk Nowitzki? Daniel Theis verhilft seinem Klub im Halbfinale gegen Miami zu einem sagenhaften Comeback.

Von Jonas Beckenkamp

Als es drauf ankam, trat der härteste Arbeiter von allen auf dem Parkett auf den Plan. Der Kerl mit den langen Armen und dem unermüdlichen Willen, am Korb verloren geglaubten Bällen hinterher zu hechten. Daniel Theis hatte sich hineingekämpft in dieses Spiel fünf des NBA-Halbfinales zwischen seinen Boston Celtics und den Miami Heat. Er kann im Grunde gar nicht anders, als mit vollem Einsatz Basketball zu arbeiten, deshalb schien das sein Moment zu sein.

Playoff-Basketball ist nicht immer der schönste, es geht mitunter zu wie beim Boxen, aber es gibt Spieler, die genau das genießen. "Es hat jedem Spaß gemacht, da draußen zu sein", sagte Theis hinterher. Rempeln, stoßen, ziehen, Blocks stellen, um Positionen und Abpraller ringen - das ist sein Spiel. Und genau diese Qualitäten halfen seinem Team nun, das Aus in den Playoffs zu verhindern. Boston lebt noch, das ist die Nachricht aus der Bubble in Florida in der vergangenen Nacht. Und Theis, der Mann aus Salzgitter, spielte eine Hauptrolle beim Comeback der Celtics in der zweiten Halbzeit.

Boston liegt jetzt nur noch 2:3 zurück in dieser hart ausgefochtenen Serie, zwei weitere Siege sind nötig, um es doch noch ins NBA-Finale zu schaffen. Dank des 121:108-Erfolgs am Freitag erlebt der Osten der Liga einen spannenden Showdown, bei dem längst nicht klar ist, wer es ins Endspiel schafft. Und weil Theis seine stärkste Leistung in den bisherigen Ausscheidungsspielen zeigte, konnte Boston einen enormen Rückstand aufholen.

"Boston hat einfach gut gespielt, sie haben es sich verdient, so zurückzukommen", räumte Heat-Coach Erik Spoelstra ein. "Sie wirkten so kraftvoll." Das traf vor allem auf Theis zu, den vielleicht kräftigsten Celtic. Der 28-jährige Center erreichte mit 15 Zählern und 13 Rebounds ein Double-Double, hinzu kamen ausgerechnet in jener Phase, als die Partie kippte, einige wohl temperierte Blocks gegen Wurfversuche der Heat am Brett.

Zielsicherster Werfer der Partie war zwar Theis' Teamkollege Jayson Tatum mit 31 Punkten, doch der Mann aus Germany war mit seinen flinken Händen mindestens ebenso wichtig, als die Celtics nach dem Wechsel einen Zwölf-Punkte Rückstand noch umbiegen konnten.

"Wir sind eine Truppe mit Stolz", zeigte sich Celtics-Coach Brad Stevens erleichtert. "Heute ging es darum, in der Serie zu bleiben und ich glaube, speziell in der zweiten Halbzeit haben wir sehr gut gespielt." Es war die Phase, als Theis anfing, seine Kollegen mit seiner Widerstandsfähigkeit mitzureißen. Er packte unter den Körben kräftig zu, sicherte sich Offensivrebounds, traf seine Würfe und stellte sich allem und jedem in den Weg. "Exzellent", fand Stevens den Vortrag seines 2,08-Mannes, der sich bei den Celtics längst in der Startformation etabliert hat.

"Wir haben eine Menge von unseren Centern bekommen - und das war wichtig", erklärte der Trainer. Er meinte Theis und den Türken Enes Kanter (acht Punkte), die in der Zone wesentlich zupackender agierten als zuletzt. In der Anfangsphase der Partie hatte Miami noch den aufgeweckteren Eindruck gemacht, doch die zweite Halbzeit entschied Boston mit 70:50 deutlich für sich. Besonders im dritten Abschnitt dominierten die Celtics (41:25), die sich dank ihrer Defensive endlich befreien konnten und schnell nach vorne spielten. "In der Halbzeit haben wir uns gesagt: Wir müssen unser Spiel spielen", bemerkte Theis. "Es hat viereinhalb Spiele gedauert, aber es sieht so aus, als hätten die Celtics das Heat-Puzzle gelöst", schrieb die Tageszeitung Boston Globe.

Es waren die Momente, als Coach Stevens seine Spieler in einer Auszeit ermunterte, als er ihnen Komplimente zuwarf: "Ganz ehrlich, das ist das erste Mal seit langem, dass ich hier wieder Celtics-Basketball sehe." Hinten voller Einsatz, vorne mit Tempo und Präzision - so hatte es zuletzt selten ausgesehen. Boston hatte Miami spielen lassen, wirkte taktisch unterlegen und wurde immer wieder von den Außenspielern der Heat überrascht. Goran Dragic, Jimmy Butler oder Tyler Herro hatten die Celtics gepiesackt, bis es 1:3 zu stand. Bei 1:4 wäre die Sache entschieden gewesen - jetzt ist es wieder knapp.

Die Serie geht also weiter, in der Nacht auf Montag steht Partie Nummer sechs an. Noch zwei Siege und dann stünde erstmals seit Dirk Nowitzki 2011 wieder ein deutscher Basketballer in den NBA-Finals. Theis wird sich auch in diesem Spiel wieder zerreißen. Es ist genau seine Art des Basketballs, die jetzt gefragt ist - nicht die schlechtesten Vorrausetzungen für Boston.

© SZ/mkoh
Toronto Raptors v Boston Celtics - Game Three

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