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Termin für Winter-WM 2022 in Katar:Großes Problem für die Champions League

Auch das lukrativste Produkt im europäischen Fußball muss sich neu justieren: die Champions League. November und Dezember sind wichtige Monate für die europäische Königsklasse. Drei volle Spieltage finden in diesem Zeitraum statt, die Vorrundenspieltage vier bis sechs. So steht Ende des Jahres fest, wer für die K.-o.-Phase planen kann. Diesen Rahmenspielplan müsste die Uefa völlig umstellen. "Unglaublich kompliziert", werde die Situation, sagte Peter Coates von der englischen Premier League. Die Winter-WM "zerreiße" den Kalender geradezu. "Ein Desaster", so Coates.

Vermutlich geraten auch die Spielzeiten 2021/22 und 2023/24 in Mitleidenschaft, inklusive verkürzter Sommerpausen und Erholungsphasen für die Nationalspieler. Längst kämpfen die Klubs darum, zumindest finanzielle Entschädigungen herauszuschlagen. Den Klubs und Ligen könne "nicht zugemutet werden, allein den Preis für die Verlegung in den Winter zu bezahlen. Wir erwarten ebenso die seriöse Bereitschaft, den Schaden für die Klubs fair zu kompensieren", sagt etwa Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsboss des FC Bayern. Die Fifa dürfte einige Zugeständnisse gemacht haben.

Auch den Fernsehsendern wird der neue Termin wenig behagen. In Deutschland beträfe die Umstellung das komplette Wintersportprogramm von ARD und ZDF (sofern diese auch 2022 übertragen). Im November und Dezember läuft hierzulande Biathlon, Rodeln, Skispringen, diese Sportarten müssten dann mit deutlich weniger Fernsehpräsenz auskommen. Ebenso problematisch verhielte es sich in den USA, einem wichtigen Wachstumsmarkt für die Fifa. Für den übertragenden Sender Fox sind November und Dezember keine Fußballmonate - dann ist Football-Time.

Drohen Klagen gegen die Fifa?

All diese Auswirkungen sind immer noch geringer als jene, die drohen würden, hätte sich die Fifa für eine noch größere Lösung entschieden. Ein Entzug der WM würde wohl milliardenschwere Schadenersatzforderungen aus Katar nach sich ziehen, wo die Bauarbeiten an Stadien und Infrastruktur längst begonnen haben. Wohl deshalb hielt sich Blatter damit zurück, an Katar als Ausrichter generell zu zweifeln.

Mit der Verschiebung des Terminplans kommt aber ein neues Problem auf die Fifa zu: In der Ausschreibung für die WM 2022 stand, dass die WM im Juni/Juli auszurichten sei. Wird der Termin nun auf die Wintermonate verlegt, könnten die damals unterlegenen Mitbewerber klagen - die USA, Südkorea und Japan sowie Australien hatten bei der Wahl 2010 das Nachsehen. Schon werden Forderungen laut, auch diese Länder müssten die Chance erhalten, ihre Konzepte auf den Winter umzuschreiben - was eine neue Abstimmung zur Folge hätte. "Dann könnte die Fifa ein Problem haben", mutmaßte Sepp Blatter schon 2013.

Auch das dürfte ein Grund dafür sein, dass sich die Kataris immer offen gezeigt haben, was eine Verlegung betrifft - diese aber nie selbst vorangetrieben haben. Würden sie selbst vertragsbrüchig, könnten die Ausrichter doch noch in Schwierigkeiten kommen. So heißt der gängige Satz aus dem Wüstenstaat: Kein Problem, "wir können die WM zu jeder Jahreszeit ausrichten". Die Kataris werden tun, was die Fifa im März final beschließt.

© Süddeutsche.de/ebc/hum/leja/rus
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