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Fünfter Tag der US Open:Dominik Koepfer - furchtlos und aggressiv bis ins Achtelfinale

Tennis: US Open

Rückschläge und Rückstände? Bringen Dominik Köpfer nicht von seinem Spiel ab.

(Foto: USA TODAY Sports)

Ein deutscher Qualifikant überrascht bei den US Open, Roger Federer liefert drei Returns für die Ewigkeit. Das US-Open-Telegramm.

Dieses Telegramm muss mit einer Entschuldigung beginnen für diesen unentschuldbaren Fehler bei der letzten Post aus New York. Ja, es war, wegen des Regens am Mittwoch, sehr viel los am Donnerstag, es wurden 57 Einzelpartien ausgetragen. Und ja, der Matchball von Andrea Petkovic war tatsächlich spektakulär - aber natürlich nicht der Ballwechsel des Tages. Das war, und darüber darf es keinen Zweifel geben, der 360-Schmetterschlag von Gael Montfils.

Da das nun geklärt ist, können wir uns dem Match des Tages zuwenden:

Es lohnt, bei Partien von Dominik Koepfer auf dessen weiße Mütze zu achten, die er während der Ballwechsel ein klein wenig verrutscht trägt, so wie es der kleine Junge "Shorty" in Indiana Jones und der Tempel des Todes tut oder Donald Ducks Neffe Trick. Zwischen den Ballwechseln wandert diese Kopfbedeckung je nach Resultat des vorangegangenen Punktes oder Spielstand: bei Sorge nach hinten, in schwierigen Momenten nimmt Koepfer sie ab - und wenn er sich wohlfühlt, dann berührt er sie nicht mal. "Das ist keine Absicht", sagt er: "Aber ich habe auf Bildern schon gesehen, dass die immer ein bisschen versetzt sitzt."

Gegen Nikoloz Basiliaschwili (Georgien, Nummer 19 der Weltrangliste) sind sämtliche Positionen zu beobachten. Die Partie auf dem Grandstand ist kein spielerischer Leckerbissen, vielmehr knallen die beiden die Bälle so lange übers Netz, bis einer der beiden das Spielgerät unerreichbar in der Ecke oder in der achten Sitzreihe der Tribüne versteckt. Koepfer, 25, spielt wie schon in den Runden zuvor furchtlos und aggressiv. Wirklich beeindruckend ist jedoch, wie er mit Rückschlägen und Rückstanden umgeht - nämlich gar nicht. Er spielt einfach weiter furchtlos und aggressiv, und er gewinnt am Ende 6:3, 7:6(5), 4:6, 6:1.

Koepfer ist der erste deutsche Qualifikant seit Benjamin Becker im Jahr 2006, der bei den US Open das Achtelfinale erreicht. Becker beendete damals ganz nebenbei die ruhmreiche Karriere von Andre Agassi. Koepfer hat nun bei den US Open bereits 280.000 Dollar eingenommen. Sein Karriere-Preisgeld bislang: 332.732 Dollar. Er rückt nun in der Weltrangliste auch mindestens bis auf Platz 84 und muss sich erst einmal nicht mehr für Grand-Slam-Turniere qualifizieren: "Das nimmt den Druck, es ist als junger Spieler schwierig, zu kleinen Turnieren zu fliegen und jeden Monat den Trainer zu bezahlen."

Das Leben von Koepfer dürfte sich nun gewaltig ändern, ein Tennisprofi, der sich erst einmal keine Sorgen mehr machen muss, wie er zum nächsten Turnier kommt: "Es war mein Traum als Kind, in den Top 100 der Welt zu stehen, das habe ich jetzt geschafft. Mein Kalender dürfte nun komplett anders aussehen, ich muss mir das aber nach den US Open erst einmal ansehen." Eigentlich wollte er am Wochenende am Challenger-Turnier in New Haven teilnehmen - nun spielt er im Achtelfinale der US Open gegen Daniil Medwedew.

Mitarbeiter des Tages:

Michael Chang, French-Open-Sieger von 1989 und mittlerweile Trainer von Kei Nishikori, verarbeitet die Niederlage seines Schützlings (2:6, 4:6, 6:2, 3:6 gegen Alex de Minaur) auf dem Pitch-and-Putt-Platz - eine Mischung aus Golf und Minigolf - neben der Tennisanlage. Chang ist schon wieder gut gelaunt. Liegt vielleicht auch daran, dass Tochter Maile fantastisch spielt.

Die Deutschen:

Dominik Koepfer ist der einzige Teilnehmer im Einzel.

Im Doppel verlieren Julia Görges (mit Katerina Siniakowa) und Mischa Zverev (mit Benoit Paire) sowie das Duo Jan-Lennard Struff / Tim Pütz. Anna-Lena Groenefeld (mit Demi Schuurs) und das Doppel Anna-Lena Friedsam / Laura Siegemund erreichen die nächste Runde.

Im Mixed scheitern Laura Siegemund und Andreas Mies.

Ballwechsel für die Ewigkeit:

Wer verstehen will, wie gut Roger Federer wirklich ist, der möge nicht diesen einen Schlag betrachten, diesen einen genialen Moment, diese unfassliche Bewegung - sondern das Aufschlagspiel von Daniel Evans beim Stand von 1:2 im zweiten Satz: Federer zaubert drei unerreichbare Returns ins Feld, danach präsentiert er noch einen Ballwechsel, den er langsam zu dominieren beginnt und mit einer präzisen Vorhand abschließt.

Hingucker:

Im dritten Spiel trägt Serena Williams (6:3, 6:2 gegen Karolina Muchova) das dritte Outfit. Nach schwarzem Superhelden-Bodysuit und schwarzer Bodysuit-Minirock-Kombi ist es diesmal eine violette Bodysuit-Minirock-Kombi mit schwarzem Gürtel. Beobachter in Flushing Meadows ziehen Vergleiche mit dem Comic-Dino Barney, andere mit der Superheldin Lady Sif.

Abseits des Platzes:

Es gibt eine kleine Debatte darüber, ob Tennisbälle denn nun eigentlich grün oder gelb sind.

Roger Federer sagt "gelb" - weshalb das Thema damit geklärt sein sollte.

Um aber alle Zweifel zu beseitigen: Die US Open haben im Jahr 1972 Bälle mit der Farbe "Optic Yellow" eingeführt, weil die im TV besser zu sehen waren. Der blaue Untergrund übrigens liegt auf dem Farb-Spektrum genau gegenüber von "Optic Yellow", die Farbe heißt mittlerweile "US Open Blue" - auch das, damit die Bälle besser zu erkennen sind.

Zitat des Tages:

"Ich würde auch rausgehen, wenn sie meine Spiele um vier Uhr morgens ansetzen würden."

(Roger Federer auf die Frage, ob er Einfluss auf die Ansetzungen habe.)

Das bringt der Samstag:

Die Veranstalter meinen es gut mit den deutschen Tennisfans: Andrea Petkovic beginnt um 17 Uhr deutscher Zeit auf dem Grandstand gegen Elise Mertens (Belgien), Julia Görges bestreitet die zweite Partie im Louis Armstrong Stadium gegen Kiki Bertens (Niederlande), Alexander Zverev die dritte gegen Aljaz Bedene (Slowenien).

Und dann natürlich Saturday Night Fever im Arthur Ashe Stadium: Naomi Osaka gegen Coco Gauff und Nick Kyrgios gegen Andrej Rublew. Viel mehr Show geht nicht.

© SZ.de/jobr
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