Tennis Zwei Tage für Barthel

Ersatzspielerin Mona Barthel (rechts neben Fed Cup-Kapitän Jens Gerlach) hat für die deutschen Tennis-Damen den Verbleib in der Weltgruppe des Fed Cups perfekt gemacht und feiert mit ihren Teamkolleginnen Anna-Lena Grönefeld, Andrea Petkovic und Julia Görges den Sieg über das Team Lettland.

(Foto: Roman Koksarov/dpa)

Die deutsche Fed-Cup-Mannschaft gewinnt das Abstiegsspiel gegen Lettland und bleibt in der Weltgruppe 1. Maßgeblich beteiligt: Mona Barthel, die wieder einmal als Ersatzfrau dabei war.

Von Felix Haselsteiner

Dass Mona Barthel nun dort stand, wo sie stand an diesem Samstagmittag, war alleine eine Besonderheit. Sonntag vor einer Woche habe sie einen Anruf von Jens Gerlach bekommen, erzählte sie später. Der deutsche Fed-Cup-Kapitän hatte kurz zuvor die Absage der Nummer eins, Angelique Kerber, verdauen müssen, Ersatz fand er in der Nummer 90 der Weltrangliste: Barthel, 28. Sie sollte die Wimbledon-Siegerin im entscheidenden Duell um den Abstieg aus der Weltgruppe gegen Lettland vertreten. "Ich hab' mich riesig gefreut, dass ich einspringen durfte", sagte sie, mit großer Freude spiele sie stets für ihr Land. Gerlachs Nominierung - so viel lässt sich im Rückblick sagen - war vollkommen richtig: mit 3:1 entschieden die DTB-Frauen das Duell gegen die Lettinnen und sicherten den Verbleib in der Weltgruppe.

Den entscheidenden dritten Punkt machte am Samstag Mona Barthel, erneut in einer Rolle als kurzfristig einspringende Ersatzspielerin. Dieses Mal war Teamkollegin Julia Görges ausgefallen, die am Vortag noch beim 6:4, 4:6, 6:1 zur deutschen 2:0-Führung nach dem ersten Tag beigetragen hatte - zuvor hatte Andrea Petkovic zum Auftakt Jelena Ostapenko in zwei Sätzen geschlagen. Am Samstag musste also auch Görges passen, seit einigen Tagen klagte sie bereits über Nackenprobleme, ihr zweites Match gegen Lettland wäre wohl zu viel gewesen. Es war also an Barthel in ihrer erst dritten Fed-Cup-Einzelpartie den entscheidenden dritten Punkt zu holen.

Barthel ließ Ostapenko viel laufen, den Siegpunkt schlug sie per Ass

Das gelang ihr mit Bravour. Barthel ließ sich von Ostapenkos Anfangsoffensive nicht unter Druck setzen, sondern setzte geduldig auf ihre Aufschlagsspiele. Bei 5:4-Führung im ersten Satz war es dann Ostapenko, die Schwäche zeigte, drei Doppelfehler servierte und so einen ausgeglichenen Durchgang herschenkte. Der 21-Jährigen French-Open-Siegerin von 2017, die nach der verletzungsbedingten Absage von Lettlands Topspielerin Anastasija Sevastova einzige Hoffnungsträgerin geblieben war, versagten auch im zweiten Durchgang immer wieder die Nerven, sie wirkte zudem alles andere als austrainiert - Barthel nutzte das wiederum konsequent aus, verteilte die Bälle gut, ließ Ostapenko laufen und sicherte sich am Ende mit einem Ass den letzten Punkt zum 6:4, 6:3.

"Ich war auf jeden Fall angespannt, für sein eigenes Land zu spielen, ist immer was Besonderes. Ich habe auch versucht, es zu genießen", sagte sie nach dem Spiel. Auch Gerlach zeigte sich zufrieden: "Das war alles in allem eine tolle Begegnung für uns. Alle Spielerinnen waren von Anfang an voll da und haben ihre Aufgaben hervorragend erledigt. Wir sind jetzt alle sehr erleichtert und haben wirklich Grund, stolz auf uns zu sein", sagte der Kapitän nach der letztendlich unbedeutenden Niederlage im abschließenden Doppel, in dem Anna-Lena Grönefeld und Andrea Petkovic Ostapenko und Daniela Vismane mit 1:6, 3:6 unterlagen.

Mit dem Sieg bleiben die deutschen Tennis-Damen in der Weltgruppe 1 und zählen im kommenden Jahr weiterhin zu den besten acht Mannschaften der Welt, auch wenn eine eventuelle Reform des gesamten Wettbewerbs diskutiert wird, eine Entscheidung darüber ist im Sommer zu erwarten. Was immer passiert, die zwei Tage in Lettland brachten die Erkenntnis mit sich, dass sich das deutsche Damentennis auch ohne Angelique Kerber gut präsentieren kann - und dass Mona Barthel sich in Zukunft auch Einsätze verdient hätte, ohne dass die Top-Spielerinnen zuvor absagen müssen.