Ein kleines Golfcart immerhin rettete Alexander Zverev am Dienstagnachmittag. Kaum etwas hatte mehr funktioniert in der finalen halben Stunde dieser Achtelfinalpartie beim Masters in Rom: In der BNP Paribas Arena, dem kleineren Center Court auf der Anlage des Foro Italico, war von Punkt zu Punkt die italienische Feier immer lauter geworden. 6:0 gewann der 24-jährige Luciano Darderi den dritten Durchgang am Ende gegen Zverev. Er zeigte herausragendes Tennis gegen die Nummer drei der Weltrangliste, vor einem frenetischen Heimpublikum, das den Triumph, 1:6, 7:6, 6:0, über fast zweieinhalb Stunden begleitete.
Zverev hingegen blieb am Ende nichts anderes übrig als die schnelle Flucht: Darderi war noch mit dem Zusammenpacken seiner Sachen auf der Bank beschäftigt, da war sein unterlegener Gegner schon auf dem Weg zu dem wartenden Golfcart, das ihn auf schnellstem Wege in Richtung der Umkleidekabine sowie der Interviewzone brachte. Auch dort blieb Zverev gerade einmal etwas mehr als zwei Minuten und verabschiedete sich mit einigen kurzen Erklärungen in eine unverhoffte Ruhepause.
„Ich hätte das Match in zwei Sätzen gewinnen müssen“, sagte der 29-Jährige mehrmals und sichtlich frustriert. Der eindrückliche dritte Durchgang war natürlich ein Thema, mit 0:6 hatte Zverev seit 2023 nur einmal einen Satz verloren, gegen Jannik Sinner im Finale des Hallenturniers von Paris im vergangenen November: „Der dritte Satz ist klar an ihn gegangen, er hat fantastisches Tennis gespielt“, sagte Zverev, der aber immerhin einen Fluchtweg bei dieser Niederlage ablehnte.
Dieser Platz – ich glaube, das ist der schlechteste Platz, auf dem ich je gespielt habe. Ob bei Junioren, Profis, Futures oder im Training: Ich habe noch nie auf einem Platz gespielt, dessen Zustand so schlecht war.Alexander Zverev
Das parteiische Publikum, sagte Zverev, sei trotz der regelmäßigen Zwischenrufe „fair“ gewesen: „Ich habe kein Problem mit den italienischen Fans. Ich genieße das. Ich finde, sie sind energetisch. Sie sind leidenschaftlich bei ihren eigenen Spielern, das ist komplett in Ordnung.“ Sie haben Zverev in seiner Karriere auch schon unterstützt: 2017 und 2024 gewann er in Rom den Titel, der Respekt der Italiener ist ihm auch deshalb gewiss. Kritik am Turnier äußerte er dennoch.
„Dieser Platz – ich glaube, das ist der schlechteste Platz, auf dem ich je gespielt habe. Ob bei Junioren, Profis, Futures oder im Training: Ich habe noch nie auf einem Platz gespielt, dessen Zustand so schlecht war“, sagte Zverev und beschrieb gleich mehrere Szenen: „Ich habe einen Matchball, und der Ball springt mir über den Kopf. Ich habe einen Breakball, und der Ball rollt einfach weg.“ Zverev ist nicht der Erste, der diesen zweitgrößten Court der Anlage in dieser Woche kritisierte. Insgesamt viermal versprang auf Zverevs Seite während des Matches der Ball, mitunter bei entscheidenden Punkten. Dass einmal, zum Ende des knappen zweiten Satzes, diese Hälfte des Courts präpariert wurde, als Darderi dort spielte, war ebenfalls bemerkenswert.
Zverev aber nannte in seinem kurzen Interview noch einen anderen Grund für die Niederlage in drei Sätzen. Die vergangenen Tage hatte er sich mit einer Erkrankung durch das Turnier geschleppt, am Vortag allerdings trotzdem das Doppel mit seinem Partner Marcelo Melo bestritten (und in zwei Sätzen verloren): „Ich bin müde geworden“, sagte Zverev: „Ob es die Krankheit war oder einfach, weil ich viel Tennis gespielt habe … es ist sicher einer der Gründe.“
Seit dem Masters-Turnier in Indian Wells Anfang März war Zverev bei jedem seiner Auftritte mindestens ins Halbfinale eingezogen, auch die vielen Stunden bei diesen Matches machten sich wohl bemerkbar. Und womöglich liegt darin auch ein kleiner Hoffnungsschimmer: „Vielleicht ist das ein bisschen ein Lichtblick in einem schlechten Moment“, sagte Zverev: „Ich kann mich jetzt ausruhen und aufladen und dann mit 100 Prozent in die French Open reingehen.“ Das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres beginnt am 24. Mai in Paris, davor wird Zverev noch in Hamburg antreten. Und, womöglich eine weitere gute Nachricht, somit frühestens erst in einigen Wochen wieder auf Jannik Sinner treffen.
Bei vier der vergangenen fünf Turniere in diesem Frühjahr verlor Zverev im Halbfinale oder Finale gegen Sinner, den derzeit überragenden Italiener, der auch in Rom ohne Satzverlust durch seine ersten drei Runden spazierte. Unschlagbar wirkt der Weltranglistenerste derzeit: „Ja, das ist aktuell der Fall“, gab auch Zverev zu, verabschiedete sich dann aber mit einer kämpferischen, wenngleich auch etwas fatalistischen Ansage aus Rom: „Ich muss einfach daran glauben, dass ich ihn schlagen kann. Ich muss es einfach glauben, sonst können wir ihm den Pokal gleich überreichen, ohne das Turnier zu spielen.“


