Alexander Zverev:Einmal komplett die "Big Four" besiegt

ATP-Tour - Indian Wells

Kurz den Sieg gefeiert, dann weiter zum nächsten Match: Alexander Zverev Indian Wells.

(Foto: Mark J. Terrill/dpa)

Alexander Zverev gewinnt gegen Andy Murray und schafft einen Meilenstein in seiner Karriere - Murray ist danach merklich angefressen.

Von Jürgen Schmieder, Indian Wells

Irgendwann wird man die Maßeinheiten für Spektakel beim Tennis umbenennen müssen, und man wird statt "Drama epischer Proportionen" einfach sagen: Sieben von Zehn auf der Murray-Skala. Der Brite hat ja einige Schlachten der Marke "Zehn von Zehn auf der Murray-Skala" geliefert, und am Dienstagabend in Indian Wells, da sah es so aus, als könnte es zumindest eine Acht werden - mehr ist bei Duellen über zwei Gewinnsätze nicht möglich. Gegner Alexander Zverev schlug auf zum Matchgewinn, doch Murray wehrte sich mit wilden Stopps und gefühlvollen Lobs, die Zverev verschlug oder ins Feld tropfen ließ.

Der Brite schaffte das Break, und wie immer verwandelte er sich danach vom selbstgeißelnden Motzkübel zum aufgepeitschten Möchtegern-Wrestler, und das sind ja häufig die Momente, in denen die Gegner brechen. Zverev brach nicht, er spielte routiniert wie gegen einen Wild-Card-Empfänger - der Murray ja aufgrund seiner Verletzungsdramen (zehn von zehn auf der Murray-Skala) ist. Es war dann doch nur eine Fünf von Zehn, Zverev gewann 6:4, 7:6(4), im Achtelfinale trifft er bereits am Mittwochabend auf Gael Monfils (Frankreich), der Kevin Anderson (Südafrika) 7:5, 6:2 besiegt hatte.

Es war ein guter Test für Zverev, weil Murray trotz seiner Leidensgeschichte noch immer in der Lage ist, sich in solche Partien zu fuchsen und spektakuläre Ballwechsel zu liefern. Er spielt Bälle zurück, die andere nicht zurückspielen (weshalb sich, das aber nur nebenbei, US-Open-Sieger Daniil Medwedew am Nachmittag auf dem Trainingsplatz über seinen Partner beschwerte, weil der es ihm ein wenig zu einfach machte), er wählt taktische Kniffe wie Stopp oder Im-Feld-Stehen beim zweiten Aufschlag von Zverev. Er hatte auch im ersten Satz 3:0 geführt und Zverev die Knobelaufgabe gestellt, überhaupt in die Partie zu finden.

Im Doppel scheidet Zverev zusammen mit Jan-Lennard Struff aus

Es war die perfekte Vorbereitung auf Matches gegen Leute wie Medwedew, doch Zverev ist dann doch zu gut mittlerweile, um ernsthaft in Gefahr zu geraten gegen Murray - was den Briten übrigens kolossal nervte: "Ich finde, ich war nicht gut. Viel zu viele Fehler. Es waren schon gute Sachen dabei, aber dann eben auch sehr schlechte Phasen."

Was ihn nervt: Er ist dran in diesen Partien, ob bei den US Open gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas oder danach gegen den Polen Hubert Hurkacz (6:7,3:6 in Metz) und den Norweger Casper Ruud (5:7, 4:6 in San Diego) - aber: "Ich gewinne sie einfach nicht." Auf Twitter schrieb Murray: "Fuck."

Eine Besonderheit hatte der Sieg von Zverev noch: Er hat Novak Djokovic, Rafael Nadal, Roger Federer und Murray besiegt, die so genannten großen Vier dieser Ära, die nun doch langsam zu Ende geht. "Es ist was Besonderes, weil das nicht viele geschafft haben", sagte Zverev: "Aber das Turnier geht weiter." Zverev rannte sogleich rüber zu Stadium 4, zum Doppel mit Jan-Lennard Struff. Die beiden verloren 5:7, 3:6 gegen Denis Shapovalov (Kanada) und Rohan Bopanna (Indien). Zwei von Zehn auf der Murray-Skala.

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