Tennisturnier in LondonWimbledon ist immer noch ein Paradies

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Alexander Zverev tritt ab dieser Woche in Wimbledon an - und er hat einiges vor.
Alexander Zverev tritt ab dieser Woche in Wimbledon an - und er hat einiges vor. John Walton/dpa

Es gibt kein Entkommen, ab sofort dominiert im Londoner Süden wieder der Tennissport mit all seinen Besonderheiten. Auch Alexander Zverev blickt dem Großevent mit Tatendrang entgegen – obwohl seine Bilanz in Wimbledon ausbaufähig ist.

Von Gerald Kleffmann, London

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Die Makrele strengt sich wirklich an, das kann man ihr ansehen, aber wenn man ehrlich ist, sieht ihre Vorhand nicht schön aus. Nur was soll sie auch machen? Es ist Wimbledon-Zeit. An diesem Montag startet zum 137. Mal das Rasentennisturnier im All England Lawn Tennis and Croquet Club, es gibt kein Entkommen vor diesem Ereignis im Londoner Bezirk mit dem Kürzel SW19. So muss auch die gezeichnete Makrele im Schaufenster von Hunnu Shushi&Bento den Schläger schwingen.

Schlendert man von der Hügelkuppe im Wimbledon Village die Church Road hinab und flaniert an der Anlage vorbei Richtung Southfields, kommt man ja nicht umhin, das Gefühl zu entwickeln: Tennis ist das Universum. Beim Friseur, beim Sonnenstudio, beim Optiker, beim Libanesen, überall liegen quietschgelbe Filzbälle und alte Rackets in den Auslagen. Das Café heißt nicht Caffé Conte oder so, sondern natürlich Dropshot.

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Nur The Village Butcher verzichtet auf jegliche Anspielung an den weißen Sport, der an diesem Ort tatsächlich so genannt werden darf, farbige Arbeitskleidung ist auch 2024 auf den Plätzen nicht erlaubt. Wimbledon ist eben immer noch ein Paradies für integre Korrektheit, mag die Welt da draußen am Durchdrehen sein. Der Kommentator Jonas Friedrich (Amazon Prime überträgt das Turnier) bezeichnete diese heile, grün zugewucherte Gegend treffend als Auenland, in Anlehnung an das Epos Herr der Ringe.

Die Tage bis zum Auftakt stehen zweifellos im Zeichen von Vorfreude und fröhlicher Vorarbeit, was auch im Trainingsareal namens Aorangi Park zu spüren ist. Am Sonntag, es war nicht wirklich warm und nieselte kurz, arbeiteten die Profis mit einem Lächeln vor sich hin. In der Warm-up Area zog die Dänin Caroline Wozniacki am Gummiband, der Schotte Andy Murray machte Windräder, der Kroate Borna Coric sprang mit dem Seil, Emma Raducanu, ewiger Darling auf den britischen Titelseiten, kickte im England-Trikot gegen einen kleinen Ball.

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Dazwischen immer wieder Grüppchen von Menschen, die frühere Spitzenspielerin Arantxa Sánchez Vicario verteilte Begrüßungsküsschen, Journalisten befragten Juan Carlos Ferrero, den Trainer des Titelverteidigers Carlos Alcaraz, alles wirkte wie eine Gartenparty, so friedlich sah das Miteinander aus. In diesem Moment war es kaum vorstellbar – aber bis zur Wochenmitte ist die Hälfte der Einzelspieler bereits weg.

Auch Alexander Zverev kennt dieses Gefühl, mit Tatendrang dem Turnierauftakt entgegenzublicken, um dann zeitig aus dem Wettbewerb zu fliegen, zwei Achtelfinals stehen auf seiner Habenseite als beste Resultate, Wimbledon ist bislang sein schwächstes der vier Grand Slams. Im vergangenen Jahr scheiterte er in der dritten Runde an Matteo Berrettini, Finalist von 2021. Nun aber glaubt Zverev mehr denn je, mit seinen 1,98 Metern Körpergröße auch mal auf dem Rasen der Sorte Weidelgras– auf exakt acht Millimeter kurz geschoren – reüssieren zu können.

Entspannt wie auf einer Gartenparty: Der Schotte Andy Murray (in Blau hinten) macht leichte Übungen im Aorangi Park, Emma Raducanu (vorne links) wärmt sich beim Kicken auf, im England-Trikot.
Entspannt wie auf einer Gartenparty: Der Schotte Andy Murray (in Blau hinten) macht leichte Übungen im Aorangi Park, Emma Raducanu (vorne links) wärmt sich beim Kicken auf, im England-Trikot. Glyn Kirk/AFP

Novak Djokovic kehrt jetzt nach einem operativen Eingriff am Knie in noch unklarer Form zurück. Favoriten dürfen sich sicher mehrere nennen, Alcaraz, Jannik Sinner, nur ist Rasen auch ein tückischer Belag, viel kann passieren. „Das ist das offenste Wimbledonturnier, das wir in 20 Jahren hatten“, folgerte prompt der lauernde Zverev, seine Finalteilnahme bei den French Open kürzlich gab ihm Rückenwind. Seine Conclusio zumindest klang erwartungsvoll: „Es ist das erste Mal, dass ich wirklich das Gefühl habe, hier Anwärter zu sein, vielleicht den Titel gewinnen zu können.“

Eine gute Zeit in Wimbledon hat er bisher bereits, das scheint ihn auch zu beflügeln. Im Internet habe er sich ein Golfset mit Plastikbällen für den Garten bestellt, das er hier verwende, „ich mache das jeden Tag“, verriet er: „Ich spiele gegen meinen Physio, er ärgert sich sehr, wenn er verliert. Das liebe ich zu sehen.“ Wer nun denkt, das sei etwas albern, dem widerspricht Zverev nicht mal. „Außerhalb des Tennisplatzes bin ich ein kleines Kind“, gab er zu. „Ich spiele Spiele. Ich kann nicht stillsitzen. Ich spiele Mario Kart mit meinen Freunden. Ich muss mich beschäftigen.“ So gesehen ist der Dienstag ein guter Tag für ihn, dann hat er Beschäftigung – der Weltrangliste-Vierte trifft auf den Spanier Roberto Carballes Baena (ATP-65.).

„Außerhalb des Tennisplatzes bin ich ein kleines Kind“, sagt Alexander Zverev

Neuigkeiten hinsichtlich Olympia verkündete der gut gelaunte Zverev dann auch noch, denn nach Lage der Dinge wird er in Paris kein Mixed mit Angelique Kerber bestreiten. „Das ist keine Entscheidung, die ich treffe. Die Option ist nicht da, weil wir vom Ranking her nicht reinkommen“, sagte der Goldgewinner von Tokio. „Wenn sich da was ändert, können wir darüber sprechen. Ich würde liebend gern mit Angie spielen, das haben wir seit Jahren gesagt.“ Für Zverev ist noch offen, ob er etwa mit Doppelspezialistin Laura Siegemund antritt oder nur im Doppel (Jan-Lennard Struff könnte als Partner eine Option sein), neben dem Einzel.

Der Montag wird gleich ein sehr deutscher Spieltag, sechs der elf DTB-Vertreter sind im Einsatz, auch Kerber; die 36-Jährige trifft auf die giftige Julia Putinzewa aus Kasachstan. Dass die Wimbledonsiegerin von 2018 zuletzt früh bei Turnieren verlor, irritiert sie wenig. „Ich bin da schon eher entspannter und bleibe auch gelassen, weil ich weiß, was ich kann“, sagte sie. Im Auenland hat sie sich zudem noch immer wohlgefühlt.

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