Ob Hugh Grant die britische BBC nochmals so richtig lieben wird, ist fraglich, der Schauspieler aus London, 64, pflegt ein eher spezielles Verhältnis zu den Medien. Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt ließ es sich jedenfalls am Mittwoch nicht nehmen, einen Moment, der sich in der Royal Box beim ehrenwerten Tennisturnier in Wimbledon zutrug, beim Hämekanal X süffisant zu kommentieren.
„Es ist Hugh Grant alles etwas zu viel geworden“, stand in einem Post auf dem Account geschrieben, darunter ein Videoclip, der den Liebeskomödiendarsteller beim Nickerchen zeigte. Hinter seiner Sonnenbrille waren zwar die Augen nicht zu erkennen, aber die schräge Kopflage deutete auf einen gepflegten Powernap hin. Und das direkt hinter Königin Camilla! Unten auf dem Platz des Centre Courts, um den skurrilen Augenblick perfekt zu machen, duellierten sich derweil Novak Djokovic und Flavio Cobolli im spannenden Tiebreak des ersten Satzes. Im Internet wurde der Clip ein Hit.

Tennis-Grand-Slam-Turnier:Sinner und Swiatek gewinnen in Wimbledon
Rasen, Tradition und Erdbeeren mit Sahne: Bei den Frauen gewinnt die Polin Iga Swiatek im Schnelldurchgang das Endspiel. Jannik Sinner holt als erster Italiener den Titel in Wimbledon.
Grant immerhin ist dann wieder ins Reich der Wachen zurückgekehrt und hat wie so viele der 15 000 Zuschauer vornehm geklatscht angesichts der Vorführung, der er beiwohnte. Spielerisch war die Partie absolut hochklassig, Djokovic sauste wie Pacman hin und her, Cobolli glänzte mit juveniler Kraft. Später schwärmten die beiden Kontrahenten über den jeweils anderen, wobei Djokovic auch über sich selbst staunte. Er sei deutlich älter als seine Konkurrenz, betonte er. Der Italiener Cobolli aus Florenz etwa, Spross des früheren Profis Stefano Cobolli und einer der Aufsteiger der Tour, ist 23 und damit 15 Jahre jünger als Djokovic.
Manchmal wirkt der 24-malige Grand-Slam-Sieger tatsächlich nicht mehr ganz so agil wie zu seinen besten Zeiten, aber an Zähigkeit und Willenskraft macht Djokovic nach wie vor kaum einer etwas vor. So taucht er jetzt wieder in einem Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers auf. Zum sagenhaften – Achtung, jetzt kommt eine unglaubliche Zahl – 52. Mal. Und zum 14. Mal in Wimbledon, womit Djokovic seinen inzwischen pensionierten Widersacher Roger Federer (13) abhängte. „Es war und ist mein größtes Ziel, bei Grand-Slam-Turnieren gut abzuschneiden“, sagte Djokovic nach seinem 6:7 (6), 6:2, 7:5, 6:4-Erfolg gegen Cobolli und konstatierte nüchtern: „Ich bin wieder einmal in einer hervorragenden Position.“ Da hat einer Witterung aufgenommen.
Djokovic gegen Sinner, wird es das Duell der Lädierten?
Im Halbfinale an diesem Freitag trifft der Weltranglistensechste auf Jannik Sinner, der den amerikanischen Aufschlagkünstler Ben Shelton cool in drei Sätzen in die Schranken verwies und sich bestens erholt zeigte. Der Weltranglistenerste aus dem Pustertal hatte mit einer Armbandage gespielt, eine Vorsichtsmaßnahme nach einem Sturz im Match zuvor, in dem er skurriler Weise selbst von einer Verletzungsaufgabe Grigor Dimitrovs profitierte; der Bulgare hatte schon 2:0 nach Sätzen geführt. Djokovic gegen Sinner, das ist genau das Generationsduell, das sich die Branche im All England Club erhofft hat, zum anderen ist aber noch etwas unklar, ob es sich als Duell der Lädierten erweisen könnte. Körperliche Probleme hatten beide.

Boris Beckers Wimbledon-Sieg vor 40 Jahren:„Er hat das Land verändert“
Ein sporthistorischer Tag: Am 7. Juli 1985 gewinnt ein deutscher Rotschopf mit 17 Jahren das berühmte Tennisturnier in Wimbledon. Prominente erinnern sich: von Jürgen Klopp bis Henri Leconte, von Markus Söder bis Roberto Blanco.
So ganz hatte Sinner nicht offengelegt, wie sehr sein Ellbogen ihn wirklich in Mitleidenschaft gezogen hat. Djokovic war seinerseits beim zweiten Matchball derart auf dem falschen Fuß erwischt worden, dass er ausrutschte und sich seine Beine nach links und rechts spreizten. Ein Schreckmoment. „Es war ein schlimmer Sturz. Es war sehr unangenehm“, gab er zu, um zu relativieren: „So etwas passiert auf Rasen. Ich hatte während meiner Rasenkarriere schon einige solcher Stürze.“ Hat übrigens trotzdem für sieben Triumphe in Wimbledon gereicht.
Dieser resiliente Djokovic bleibt auch 28 Jahre nach dem Start seiner Profikarriere und nach den Abtritten der Rivalen Federer und Rafael Nadal das größte Faszinosum der Tour. In besonders schönen Worten umschrieb die frühere Top-Ten-Spielerin Andrea Petkovic als Expertin bei Prime Video, warum der Serbe bei seinem Sturz nicht größeren Schaden genommen hatte. Zufall war’s nicht. „Novak Djokovic und ich sind der gleiche Jahrgang, 1987“, führte Petkovic aus: „Als wir 16 waren, hat er mit Yoga angefangen, weit vor allen anderen. Wir haben ihn ausgelacht. Wir waren Jugendliche und wollten eine gute Zeit haben, während er den herabschauenden Hund gemacht hat. Der herabschauende Hund hat ihm gerade die Hüfte gerettet.“ Von nichts kommt nichts.
Im zweiten Halbfinale trifft Carlos Alcaraz auf Taylor Fritz
Der leichte Favorit auf den Wimbledon-Titel 2025 bleibt weiterhin Carlos Alcaraz. Der Sieger der vergangenen beiden Jahre hatte zwar ein paar engere Matches, wie zum Auftakt gegen den italienischen Schlingel Fabio Fognini, der am Mittwoch offiziell seine Karriere beendete. Aber der Spanier kann in Wimbledon offenbar wie auf Knopfdruck in einen höheren Gang schalten. Rasentennis liebt er, sein niedriger Körperschwerpunkt ermöglicht ihm beste Schlagkontrolle. Im Halbfinale erwartet den 22-Jährigen in der ersten Partie des Tages (ab 14.30 Uhr MEZ) der Amerikaner Taylor Fritz.
Djokovic und Sinner haben sich aber in Position gebracht, wobei sich beide als Meister des Tiefstapelns erweisen. „Ehrlich gesagt erwarte ich nichts. Ich konzentriere mich jetzt einfach auf meine Genesung und bereite meinen Körper auf den harten Kampf vor“, sagte Djokovic. „Hoffentlich kann ich in der nächsten Runde gutes Tennis zeigen. Wenn nicht, werde ich kaum das Match gewinnen“, sagte Sinner. Aber Entwarnung, ganz sicher: Die beiden werden schon ein paar Bälle halbwegs passabel treffen.

