Tennis Widersacher in der Wüste

Mit letzter Kraftanstrengung: Alexander Zverev arbeitet sich mit Wut an seinem Schläger ab.

(Foto: Mark J. Terrill/AP)

Grippegeschwächt unterliegt Alexander Zverev seinem couragierten Landsmann Jan-Lennard Struff in Indian Wells.

Von Jürgen Schmieder, Indian Wells/Los Angeles

Es ist Alexander Zverev hoch anzurechnen, dass er gegen Ende seines Duells mit Jan-Lennard Struff noch einmal Wut und Kraft aufbrachte, seinen Schläger energisch zu Boden zu schleudern. Er ärgerte sich aufrichtig, aber es half nichts: Es war ja nicht wirklich ein Duell, Alexander Zverev sah miserabel aus, als gehöre er keinesfalls auf einen Tennisplatz, sondern mit Wärmflasche und Wadenwickel in ein Bett. Und nach dem 3:6, 1:6 gegen seinen Landsmann Struff bestätigte Zverev auch genau diesen Eindruck: "Ich bin seit einer Woche krank. Ich habe mir irgendwo einen Virus eingefangen, den ich leider nicht losgeworden bin. Das ist natürlich unglücklich, aber es hilft nichts."

Die körperlichen Probleme von Zverev, 21, waren vor allem im zweiten Durchgang nicht mehr zu übersehen, sie sollen allerdings die formidable Leistung des sieben Jahre älteren Jan-Lennard Struff keineswegs schmälern. Der agierte von Beginn an mutig, die vier Breakchancen seines Gegners wehrte er nervenstark über seinen krachenden, diesmal auch präzisen Aufschlag ab. "Ich habe ein gutes Spiel gemacht", sagte Struff danach wie gewohnt recht trocken. Er verlor im kompletten Match gerade einmal drei Punkte, wenn er seinen ersten Aufschlag ins Feld gebracht hatte - dagegen sicherte er sich 15 von 20 Ballwechseln, bei denen Zverev seine zweite Spieleröffnung bemühen musste: "Er hat ein paar Bälle verschlagen, aber insgesamt darf ich mit mir zufrieden sein."

Es wird bei Niederlagen von Zverev - gerade bei bedeutsamen Veranstaltungen und gegen Kontrahenten, die in der Weltrangliste deutlich tiefer angesiedelt sind - immer wieder über dessen Entwicklung vom auserwählten Wunderkind dieser Sportart zum möglichen Grand-Slam-Sieger debattiert. Struff liegt derzeit auf Rang 55 und wird nun in die Top 50 vorrücken, Zverev wird auch nach dem Turnier in Indian Wells auf Platz drei geführt werden. In diesem Fall allerdings gebührt Zverev Respekt, dass er es nach der Finalteilnahme in Acapulco überhaupt in die kalifornische Wüste geschafft und trotz der Schwächung die dritte Runde erreicht hat: "Ich muss nun zusehen, dass ich bis zum Turnier in Miami wieder fit werde", sagte er: "Hier in Indian Wells habe ich irgendwie immer Probleme."

Die Bedingungen bei diesem Turnier in der Wüste Kaliforniens sind tatsächlich schwierig, in diesem Jahr kommt eine weitere Komponente hinzu, die den Teilnehmern zusetzt: Die Sonne brennt genauso heftig wie sonst, das Thermometer zeigt allerdings nur selten mehr als 15 Grad. Die Spieler können sich auf dem Platz ohne Schutz vor Sonne und Wind nun also sowohl einen Sonnenbrand als auch eine Erkältung einfangen. Zudem müssen sie aufpassen, nicht von angeschlagenen Kollegen angesteckt zu werden. Serena Williams (USA) musste am Sonntag ihre Drittrunden-Partie gegen Garbiñe Muguruza (Spanien) von einem Virus geschwächt aufgeben, Anastasija Sewastowa (Lettland) gab am Montag gegen Anett Kontaveit (Estland) wegen einer Grippe auf.

"So kalt war es hier noch nie", sagte der Mallorquiner Rafael Nadal, der abseits seiner Auftritte wie viele andere Spieler dick eingepackt über die Anlage läuft. Es kann durchaus sein, dass in diesem Jahr jene Akteure besonders weit kommen, die ohne Virus im Körper angereist sind und nun am besten mit diesen Bedingungen zurechtkommen. Mona Barthel besiegte am Montag eine fahrig wirkende Julia Görges 7:5, 1:6, 6:4 und traf im Achtelfinale auf Venus Williams, die im Juni ihren 39. Geburtstag feiern wird und sich in Indian Wells derart wohl zu fühlen scheint, dass sie ihr bestes Tennis seit Jahren präsentiert. Angelique Kerber, eine der fittesten Spielerinnen auf der Tour, gewann am Montag 3:6, 6:1, 6:3 gegen Natalia Wichljanzewa aus Russland und traf am Dienstag auf die Weißrussin Aryna Sabalenka; beide Partien waren bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht beendet.

"Ich fühle mich sehr gut", sagte Struff, der nun zum ersten Mal in seiner Karriere drei Partien nacheinander bei einem Turnier der höchsten Kategorie gewonnen hat. Mit seinem zweiten Sieg gegen einen Spieler aus den besten Fünf der Weltrangliste (der andere war gegen den Schweizer Stan Wawrinka 2016 in Paris) steht er nun im Achtelfinale von Indian Wells. Er trifft am Mittwoch auf Milos Raonic aus Kanada. Struff ist der Außenseiter in dieser Partie, allerdings hat er Raonic erst vor zwei Wochen in Dubai besiegt.