Tennis:Warten auf den Brandmeister

Lesezeit: 2 min

Tennis: Niederlage mit Seltenheitswert: Das DTB-Doppel Krawietz/Pütz verliert gegen Kanada.

Niederlage mit Seltenheitswert: Das DTB-Doppel Krawietz/Pütz verliert gegen Kanada.

(Foto: Frank Molter/dpa)

Das Davis Cup-Team hofft nach der Niederlage in Malaga aufs nächste Jahr - und darauf, dass Alexander Zverev dann wieder den Schläger schwingt.

Von Barbara Klimke

Der Davis Cup ist immer eine brenzlige Angelegenheit, mit knisternden Länderspiel-Duellen im Alles-oder-nichts-Prinzip. Das Nationalteam des DTB rückte zu den Einsätzen lange Zeit mit seiner eigenen Feuerwehr an: mit einem Duo, das nicht in Signalrot, sondern in Tennisweiß alle Brände verlässlich zu löschen verstand. Fünfzehn Mal hatte das Doppel des Deutschen Tennis-Bundes am Netz Aufstellung genommen und gewonnen, hatte in unterschiedlicher Besetzung jedes Mal entscheidende Punkte gesichert. Aber die Serie erfolgreicher Rettungstaten hat nun ein Ende gefunden. Im diesjährigen Daviscup-Viertelfinale haben sich Kevin Krawietz und Tim Pütz der kanadischen Gegnerschaft, Vasek Pospisil/Denis Shapovalov, beugen müssen, 6:2, 3:6 und 3:6. Das vorzeitige Aus beim Finalturnier in Spanien hat auch die Saisonbilanz des Tennisteams getrübt.

"Das langt uns nicht", erklärte Tim Pütz, 35, nach der Niederlage in der Halle in Malaga. "Ich glaube nicht, dass einer sagt: Hey, das war ein tolles Jahr, weil wir im Viertelfinale waren." Angereist war die Auswahl von Daviscup-Teamchef Michael Kohlmann in Andalusien in der Absicht, zumindest eine weitere Runde zu überstehen und, mit etwas Glück, den großen Silberpott zu erobern. Der Auftakt am Donnerstag war vielversprechen dank eines furiosen Auftritts von Jan-Lennart Struff, der die Nummer 18 der Welt, den Kanadier Denis Shapovalov, im Tiebreak des dritten Satzes besiegte. Doch nachdem der Kölner Oscar Otte sich dem Weltranglistensechsten Felix Auger-Aliassime in zwei Sätzen hatte beugen müssen, war den Doppel-Spezialisten Krawietz/Pütz ausnahmsweise kein Sieg vergönnt.

Dreißig Jahre liegt der letzte Daviscup-Triumph eines DTB-Teams nun zurück, und langsam setzt sich rund um die Mannschaft die Erkenntnis durch, dass ein erneuter Erfolg wohl nur durch eine Verstärkung der Einsatzkräfte gelingt. Denn der beste Profi hierzulande, Olympiasieger Alexander Zverev, 25, gewissermaßen der oberste Brandmeister im deutschen Tennis, ist bisher bei den Finalturnieren des seit 2019 dauerreformierten Davis Cups noch nicht angetreten. Dreimal wurde der Nationenwettkampf mit einer Endrunde ausgetragen, nie war Zverev dabei. Zunächst fremdelte er mit dem neuen Konzept. Und als er sich schließlich mit dem Format angefreundet hatte, als er im Frühjahr 2022 mit der Mannschaft das Qualifikationsduell gegen Brasilien gewonnen hatte, zog er sich bei den French Open sich eine schwere Bänderverletzung zu. Zuletzt litt er an einem Knöchelödem. "Wir sind eine Mannschaft, die Jahr für Jahr um den Titel mitspielt, und unser bester Spieler hat uns bisher gefehlt", so fasste Pütz das Dilemma zusammen.

Der Teamchef setzt nun auf die kommende Saison: Zverev habe durch sein Engagement gezeigt, dass ihm der Davis Cup und das Team am Herzen lägen. Er sei deshalb "überzeugt, dass wir ihn im nächsten Jahr auf jeden Fall in irgendeiner Runde sehen werden, wenn es sein Körper zulässt", sagte Kohlmann. Auch das Feuerwehr-Doppel würde sich über Entlastung freuen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema