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Vierter Tag der US Open:Nick Kyrgios lässt den Oberschiedsrichter kommen

US Open

In Debattiertlaune: der Australier Nick Kyrgios.

(Foto: dpa)

Der Australier protestiert, muss aber seinen Hemdkragen runterklappen. Andrea Petkovic spricht nach ihrem Sieg über ihr "Angela-Merkel-Gedächtsniszittern". Das US-Open-Telegramm.

Court 6 ist auf der wohl symbolträchtigste auf der Tennisanlage in Flushing Medows, weil er wie kein anderer den Unterschied zwischen Tennisprofi und Superstar verdeutlicht, zwischen Millionär und Nomade. Er ist exakt 143 Schritte vom Arthur Ashe Stadium entfernt, und doch liegt zwischen diesem Platz und der größten Tennisarena der Welt ein Universum. Die tollen, die packenden, die wahnwitzigen Partien an den ersten Tagen der US Open finden aber nicht im großen Stadion statt, sondern oftmals auf den Nebenplätzen, und das führt zum

Match des Tages:

Aljaz Bedene (Slowenien), die Nummer 80 der Weltrangliste, verliert gegen den gesetzten Benoit Paire (Frankreich) die ersten beiden Sätze - beim Training von Rafael Nadal auf Practice Court 3 (schräg hinter Court 6) sehen ungefähr acht Mal so viele Leute zu wie bei diesem Match. Dann jedoch passiert, was so nur bei den US Open möglich ist: Bedene kommt zurück, und plötzlich strömen die Leute zu diesem Platz wie die Motten zum Licht, sie machen größeren Lärm als die Zuschauer in den großen Arenen - im Tie Break des entscheidenden fünften Satzes ist es so laut, dass es wohl selbst in Manhattan zu hören ist.

Bedene gewinnt nach mehr als vier Stunden mit 4:6, 6:7, 6:2, 7:5, 7:6. Der nächste Gegner: Alexander Zverev. Bedene dürfte sich also eine Partie in einer der großen Arenen erspielt haben.

Mitarbeiter des Tages:

Kein Mensch heute, sondern ein Gerät. Hinter den Bänken der Spieler steht wegen der Hitze nun ein Ungetüm, das aussieht wie eine Mischung aus Staubsauger und Laubbläser. Ein Balljunge hält den Schlauch und bläst kühle Luft auf die erhitzten Körper der Spieler - und manchmal auch in die Gesichter, was, sagen wir es freundlich, nicht jedem Akteur gefällt.

Die Deutschen:

Alexander Zverev (6:3, 3:6, 6:2, 2:6, 6:3 gegen Frances Tiafoe), Andrea Petkovic (6:4, 6:4 gegen Petra Kvitova) und Julia Görges (7:5, 6:0 gegen Francesca Di Lorenzo) erreichen die dritten Runde.

Jan-Lennard Struff (3:6, 6:7, 6:7 gegen John Isner), Laura Siegemund (6:7, 0:6 gegen Sofia Kenin) und Cedric-Michael Stebe (6:4, 3:6, 5:7, 3:6 gegen Marin Cilic) scheiden aus.

Ballwechsel für die Ewigkeit:

Der Matchball von Andrea Petkovic gegen Petra Kvitova. Petkovic wird von ihrer Gegnerin in die Ecken gescheucht, sie spielt den Ball jedoch jeweils zurück - ein Mal, zwei Mal. Kvitova rückt ans Netz, Petkovic läuft weiter - drei Mal, vier Mal. Dann spielt sie einen Lob, den Kvitova nur noch mit dem Rahmen erwischt.

Überraschung:

Die amerikanische Qualifikantin Taylor Townsend stürmt nach verlorenem ersten Satz gegen Simona Halep andauernd ans Netz, später wird sie darüber sagen: "Ich habe mir gedacht: Scheiß drauf!" Sie nervt die Favoritin mit Martina-Navratilova-Gedächtnis-Volleys und gewinnt 2:6, 6:3, 7:6(4).

Witziger Moment: Nach zwei vergebenen Matchbällen holt sie beim Seitenwechsel ein Buch hervor und liest: "Da stehen ein paar Gedanken drin, die wollte ich in diesem Moment sehen."

Zitat des Tages:

"Ich hatte das Angela-Merkel-Gedächtnis-Zittern." (Andrea Petkovic über gesundheitliche Probleme zuletzt)

Aufreger:

Nick Kyrgios, wer sonst? Er debattiert mit dem Schiedsrichter schon vor seiner Partie gegen Antoine Hoang, ob er mit aufgestelltem Hemdkragen inklusive Werbebotschaft spielen darf - und lässt deshalb gar den Oberschiedsrichter kommen. Dessen Entscheidung: Kragen runter. Kyrgios gewinnt.

Das bringt der Freitag:

Dominik Koepfer darf wieder in einem der größeren Stadien spielen, er tritt am Abend auf dem Grandstand gegen Nikoloz Basiliaschwili (Georgien) an.

Ansonsten: Rogerer Federer, 18 Uhr deutscher Zeit im Arthur Ashe Stadium, diesmal gegen Daniel Evans (England).

Gleich danach: Serena Williams gegen Karolina Muchova (Tschechien).

© SZ.de/ebc
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