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Tennis:Fragwürdiges Festklammern an den US Open

Abtritt der höflichen French-Open-Siegerin: Ashleigh Barty winkt nach ihrer Niederlage im Achtelfinale in Wimbledon noch einmal freundlich.

(Foto: Ben Curtis/AP)

Obwohl die besten Spielerinnen bereits absagen, soll das Turnier in New York stattfinden. Dabei hatte die Sorglosigkeit im Tennis schon einmal bedenkliche Folgen.

Kommentar von Lisa Sonnabend

Es ist ein Aufschrei bekannter Tennisspielerinnen. Ashleigh Barty, die Nummer eins der Weltrangliste, sagt ihre Teilnahme an den US Open ab - nicht etwa wegen einer Verletzung, sondern aus Angst. Die Australierin teilte am Donnerstag mit: "Es gibt immer noch deutliche Risiken im Hinblick auf Covid-19, und ich fühle mich nicht wohl, wenn ich mein Team und mich diesen aussetzen würde." Neben Barty zögert auch Simona Halep, die Nummer zwei der Welt, ob sie bei dem Grand-Slam-Turnier Ende August mitmachen soll, und die Top-Ten-Spielerin Belinda Bencic aus der Schweiz kritisiert: "Es ist logisch, dass derzeit kein normaler Mensch in die USA reisen will."

Während das Vorbereitungsturnier in Washington abgesagt wurde, halten die Veranstalter der US Open weiter an einer Austragung fest. Erst bis zum 3. August soll eine Entscheidung fallen. Für das Cincinnati-Masters, das eine Woche vor dem Grand-Slam-Turnier ebenfalls auf der Anlage in Flushing Meadows stattfinden soll, wurde bereits das Teilnehmerfeld bekanntgegeben. Es ist ein fragwürdiges Festklammern der Organisatoren.

Die Coronavirus-Situation in den USA stellt sich dramatisch dar - trotz aller Sicherheitskonzepte auch im Sport. In der eben erst in die Saison gestarteten Baseball-Profiliga MLB wird ein positiver Fall nach dem anderen bekannt. Zahlreiche American Footballer ziehen in der NFL die "Opt-Out-Option" und weigern sich zu spielen, darunter die Super-Bowl-Sieger Damien Williams und Laurent Duvernay-Tardif von den Kansas City Chiefs.

Kaum eine andere Sportart ist derart global wie Tennis

Zwar mag der Druck der Sponsoren und der TV-Sender auf die Veranstalter der US Open groß sein, doch die Gefahr für die Gesundheit der Beteiligten ist es auch. Kaum eine andere Sportart ist derart global wie Tennis. Allein für die Einzelwettbewerbe würden 128 Spielerinnen und 128 Spieler aus aller Welt nach New York reisen.

Natürlich haben die Verantwortlichen Maßnahmen getroffen: Spieler und Betreuer sollen alle isoliert in einem Hotel wohnen und regelmäßig getestet werden, Zuschauer sind nicht zugelassen. Doch es bleibt unklar, wie bestehende Reisebeschränkungen umgangen werden sollen. Und was passiert, wenn sich bei den US Open das Virus verbreitet und es die Beteiligten in alle Welt mitnehmen?

Schon einmal hatte die Sorglosigkeit im Tennis bedenkliche Folgen. Im Juni wurde eine Showturnierserie an der Adria - mit Zuschauern und laxen Vorkehrungen - abgebrochen, weil sich mehrere Spieler infiziert hatten, darunter Grigor Dimitrow. Der Bulgare, der es im vergangenen Jahr bis ins US-Open-Halbfinale geschafft hatte, war wochenlang krank, er fühlte sich schlapp, konnte schlecht atmen. Zum Grand-Slam-Turnier nach New York reist Dimitrow voraussichtlich nicht. Er ist längst noch nicht wieder fit.

© SZ vom 31.07.2020/sonn
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