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Tennis-Turnier in Berlin:Hübsch gemacht

Tennis WTA-Tour

Ein Ort mit viel Tennis-Geschichte: der Hauptplatz im LTTC Rot-Weiß Berlin, der inzwischen Steffi-Graf-Stadion heißt.

(Foto: Wolfgang Kumm/dpa)

Mit einem Jahr Verzögerung erlebt Berlin die Premiere des Frauenturniers im altehrwürdigen LTTC Rot-Weiß. Anders als zu German-Open-Zeiten wird auf Rasen gespielt - eine feste Adresse im internationalen Kalender soll die Veranstaltung aber werden.

Von Gerald Kleffmann, Berlin/München

Am Montag stand Barbara Rittner mit vielen engagierten Kräften dieses neuen Rasenturniers inmitten des Steffi-Graf-Stadions, und sie sangen ein Lied. Für die Namensgeberin des Center Courts. Ob alle Töne richtig getroffen wurden, vermochte Rittner, bestens gelaunt, nicht zu sagen, "wir hoffen, dass sich Steffi über das Geburtstagsständchen freut, wir werden ihr das Video dazu schicken", versicherte sie aber. 52 Jahre alt wurde Graf, natürlich wäre es perfekt gewesen, Deutschlands erfolgreichste Tennisspielerin hätte sich persönlich die Glückwünsche abholen können. Aber sie lebt nun mal in Las Vegas, die Corona-Lage kam erschwerend hinzu. Einmal aber dürfte Graf sicher irgendwann vorbeischauen. Berlin hat ja nun wirklich wieder ein Frauentennisturnier, das auch in Grafs Vita eine besondere Rolle gespielt hatte: Sie gewann es unübertroffene neun Mal.

Wenn man in Deutschland von den Wurzeln des Tennissports spricht, sind ja vor allem zwei Anlagen stets gemeint: der Hamburger Rothenbaum - und der LTTC Rot-Weiß im Berliner Grunewald. Die Geschichte des Deutschen Tennis-Bundes und all seiner Protagonisten lässt sich ohne diese Orte nicht erzählen. Rittner, selbst früher Fed-Cup-Spielerin, nun als Bundestrainerin der Frauen und TV-Kommentatorin in der Szene unterwegs, weiß natürlich bestens um dieses Erbe. Die 48-Jährige aus Krefeld, die in Köln lebt, ist Turnierdirektorin in Berlin. Sie selbst hatte als Profi mehr als ein Dutzend Mal in Berlin an den damals so renommierten German Open teilgenommen, "es war ein wunderbares Turnier, so viele tolle Spielerinnen waren hier", erinnert sich Rittner und meint Größen wie Martina Navratilova, Chris Evert-Lloyd, Gabriela Sabatini, Serena Williams.

"Die Sitze habe roten Überzüge, dazu der grüne Platz, das sieht edel aus"

Das spezielle Flair war aber auch einer der Gründe, warum die Zuschauer gerne zu diesem geschichtsträchtigen Verein, 1897 gegründet, gepilgert waren. Der Hundekehlesee direkt hinter dem Hauptstadion, die sattgrünen Bäume, Currywürste, ein Gläschen Sekt, so sah Tennis zu den Hochzeiten aus, als noch Volker Kottkamp die Stimme des deutschen Tennis-Fernsehens war und das rhythmische Klatschen auf der Tribüne eine typisch deutsche Errungenschaft.

An diese möchte man anknüpfen. "Wir wissen um die Bedeutung dieser Anlage und der Geschichte", sagt Rittner und hebt hervor: "Wir finden, dass das Turnier zu dieser Tradition passt." Aber natürlich ist manches moderner. Eine Live-Band zum Beispiel namens The Swag sorgt bei den Seitenwechselpausen für Stimmung. So was kannte Graf nicht.

Im vergangenen Jahr sollte eigentlich die Premiere der Bett1Open (live bei Servus TV) stattfinden, aufgrund der Pandemie fiel das 500er Event der WTA Tour damals aus. Der zupackende Veranstalter Edwin Weindorfer, der mit seiner Emotion Group auch die Männerturniere in Stuttgart und auf Mallorca verantwortet, hatte dann immerhin in Windeseile noch ein viel beachtetes Show-Event organisiert. Die spektakulären Bilder, wie im Hangar 6 des ehemaligen Flughafens Tempelhof gespielt wurde, gingen um die Tenniswelt. Nun aber soll die Anlage des LTTC quasi der Star sein, und zumindest lässt sich schon mal feststellen, dass sie hübsch herausgeputzt wurde. "Die Sitze habe roten Überzüge, dazu der grüne Platz, das sieht edel aus", findet Rittner. Auch Wimbledon wird das wohlwollend zur Kenntnis nehmen, das wichtigste Rasenturnier der Branche kooperiert mit den Rasenturnieren, die Weindorfer stemmt (und auch mit dem von Bad Homburg in der kommenden Woche). Das Greenkeeping-Team vom All England Club ist ganz konkret beratend beim Bau der Rasenplätze involviert gewesen. Auch in Berlin heißt die Grassorte Lolium perenne.

WTA 500 - bett1 Open

Vergeblich gestreckt: Andrea Petkovic verlor ihr Erstrundenmatch gegen die Belarussin Viktoria Asarenka.

(Foto: ANNEGRET HILSE/REUTERS)

Der Anspruch ist aber nicht nur, mit gediegener Country-Club-Atmosphäre vorstellig zu werden, sportlich haben Weindorfer und Rittner schon das Ziel, das wichtigste Vorbereitungsturnier der Frauen vor Wimbledon zu präsentieren. Acht der besten zehn Spielerinnen der Weltrangliste hatten auch zugesagt, dann hagelte es Stornierungen: Ashleigh Barty, Naomi Osaksa, Simona Halep, Iga Swiatek, Petra Kvitova, Sofia Kenin, Jennifer Brady, jede hatte ihre Gründe, was Rittner trotz Bedauerns versteht.

Nummer eins des Turniers ist nun die Belarussin Aryna Sabalenka. "So konnten aber einige Deutsche nachrücken", sagt Rittner. Mona Barthel etwa rutschte ins Hauptfeld. Und die Talente Nicole Rivkin und Julia Middendorf erhielten je eine Wildcard für die Qualifikation; beide verloren gleich, "aber sie konnten wichtige Erfahrung sammeln", sagt Rittner. Andrea Petkovic, dank einer Wildcard am Start, verlor am Dienstag in Runde eins gegen die Belarussin Viktoria Asarenka mit 4:6, 6:7 (2). Angelique Kerber besiegte dagegen Misaki Doi aus Japan 6:2, 6:1.

Aus der Stimme Weindorfers ist in jedem Fall Erleichterung und Zuversicht zu vernehmen, nach dem schwierigen Jahr 2020, als so viele Events ausfielen, stellt der Österreicher "eine Aufwärtsentwicklung" fest. Zwar muss auch er noch mit begrenzter Zuschauerzahl kalkulieren, 500 pro Tag sind erlaubt. Aber möglicherweise, eine Entscheidung soll folgen, könnten ab Freitag 1000 kommen. Für sein Turnier auf Mallorca durfte Weindorfer am Dienstag gar die Zusage des Serben Novak Djokovic vermelden, der gerade die French Open und seinen 19. Grand-Slam-Titel gewann. Alles Zeichen der Erholung der Branche. Und auch mit dem Feld in Berlin kann er leben. Sieben Starterinnen aus den Top 15 - das ist wahrlich nicht so schlecht für ein Premierenturnier.

© SZ/pps
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