Tennis:Tausche Wildcard für Wildcard

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ATP-Turnier in München

Auch dabei natürlich: der zweimalige München-Sieger Philipp Kohlschreiber, 37, der weiterhin Lust auf die Tennistour hat.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Münchens ATP-Turnier meistert ohne Vorfälle sein erstes Wochenende in Corona-Zeiten. Einzig die Absage des Südtirolers Jannik Sinner trübt kurz die Stimmung.

Von Gerald Kleffmann

Zu den vielen Dingen, die dem Münchner an sich nachgesagt werden, die er gut beherrscht, zählt auch das Flanieren. Vornehmlich formt er dabei ein wichtiges Gesicht, während das Schritttempo lässige Souveränität vermittelt. Zügig ist er, aber nicht so sehr, als würde es einen pressieren. Im Idealfall grüßt man nicht andere als Erster, sondern wird gegrüßt, um mit gespielter Überraschung zu raunen: "Ah, du auch hier?" So ungefähr geht's auch normalerweise auf dem Areal der BMW Open zu. Das Profi-Tennisturnier der Männer ist fürwahr ein Biotop-Paradies für den Münchner und die Münchnerin. Aber spätestens seit diesem Wochenende ist klar, dass das Spazierengehen auf der Anlage des MTTC Iphitos wirklich ausfällt. Zuschauer müssen aufgrund der Hygieneauflagen draußen bleiben. Was nicht heißt, dass nichts los wäre. Patrik Kühnen zum Beispiel hat keine Acht-Stunden-Tage gerade.

Der 55-Jährige ist der Turnierdirektor. An diesem ersten Wochenende galt es, das Turnier anzuschieben, alle in Position zu bringen, Spieler, Arbeitskräfte, Medienvertreter, die in kleiner Zahl erlaubt sind. Eine winzige Veränderung kann manchmal gleich mehrere Veränderungen auslösen, ehe es richtig losgeht. Am Freitagabend etwa erhielt Kühnen die Nachricht, dass der Südtiroler Jannik Sinner, der mit 19 Jahren auf dem Weg ist, in die Top Ten zu stürmen, seine Teilnahme absagt. Ihm war es zu viel, nach dem Halbfinal-Aus in Barcelona gleich woanders antreten zu müssen. Kühnen war "schon enttäuscht, ich nehme es aber sportlich", sagte er. So ist das Profileben. Vor der Auslosung musste Kühnen eben flugs ein paar Namen rumschieben. Sinner flog raus aus dem Draw, der Amerikaner Sebastian Korda rückte ohne Wildcard ins Hauptfeld, seine Wildcard erhielt der Nürnberger Maximilian Marterer, dessen Wildcard für die Qualifikation das Talent Max Rehberg aus Landsham übernahm. So werden Turnierfelder zusammenmontiert, notfalls auf den letzten Drücker.

Nur Cedrik-Marcel Stebe schaffte von den Deutschen als Qualifikant den Sprung ins Hauptfeld

Der Start der BMW Open gelang in jedem Fall reibungslos, wie Kühnen versichert. Die Sandplätze sind trotz des wochenlang eklig-kalten Wetters in München von angemessener Härte. Der Ablauf des Testens funktioniert. Viele Spieler reisten mit PCR-Testergebnis an, im Münchner Hotel folgte wieder einer, Schnelltests absolviert jeder, ehe er die Anlage betritt. "Das hat sich alles schnell eingespielt", sagt Kühnen. Die ersten sportlichen Resultate trudelten dann auch ein, Cedrik-Marcel Stebe konnte sich aus deutscher Sicht über die Qualifikation ins Hauptfeld spielen. Am Sonntag besiegte er den Österreicher Dennis Novak 6:4, 7:5. Rehberg unterlag dem Litauer Ricardas Berankis 6:1, 3:6, 4:6, Mischa Zverev scheiterte mit 3:6, 3:6 am Kolumbianer Daniel Elahi Galan, Peter Gojowczyk mit 1:6, 2:6 am Amerikaner Mackenzie McDonald. An diesem Montag startet die erste Runde, mit zwei Deutschen. Marterer trifft im dritten Match auf dem Center Court (ab 11 Uhr) auf Berankis, Stebe danach auf den Argentinier Federico Coria. Wer von Match zu Match flanieren will, muss das im Wohnzimmer tun, von Bildschirm zu Bildschirm. Bis zum Finalwochenende übertragen erst mal ran.de und BR24.

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