Tennis:Sturm aufs Monument

Mandatory Credit: Photo by Javier Garcia/BPI/Shutterstock (11977033v) Rafael Nadal practices French Open Tennis, Saturda

Hundert Siege, zwei Niederlagen: Die Bilanz von Rafael Nadal in Paris.

(Foto: Javier Garcia/Shutterstock/Imago)

Rafael Nadal geht erneut als großer Favorit in die French Open. Doch die Konkurrenten um Alexander Zverev präsentieren sich auf Sandplätzen inzwischen ebenfalls in brillanter Form - und Losglück kommt ihnen zugute.

Von Barbara Klimke

Dreizehn Mal ist der Angriff gescheitert, Dutzende von Tennisspielern haben es vergeblich versucht, und auch diesmal ist aus dem Bois de Boulogne in Paris wieder ein langer kollektiver Seufzer zu vernehmen. Wer sich am Ende des Zweiwochenturniers die massive Silberschale, die Coupe des Mousquetaires, unter den Nagel reißen könnte? Vermutlich "unser spanischer Freund", prophezeite der Grieche Stefanos Tsitsipas. Er wäre jedenfalls erstaunt, wenn sein alter Bekannter Rafael Nadal sich nicht erneut in blendender Verfassung zeige.

Auch Alexander Zverev, 24, würde auf den Dauersieger wetten, denn "auf Sand spielte er noch einmal auf ganz anderem Niveau". Für den Österreicher Dominic Thiem, 27, ist ein Match gegen Nadal auf dem Center Court der French Open ohnehin die denkbar schwierigste Aufgabe, und zwar nicht nur im Tennis, sondern "wahrscheinlich generell im Sport". Kaum jemand kann dieses Urteil mit größerer Glaubwürdigkeit fällen als der unglückliche Thiem, der gleich bei zwei der 13 Triumphe Nadals seit 2005 als geschlagener Finalgegner (2018, 2019) danebenstand.

28.05.2021 Paris France, Tennis French Open Roland Garros 2021 v.l., Rafael Nadal Statue im Stade Roland Garros *** 28 0

Kunst in Roland Garros: die neue Nadal-Statue zu Ehren des Seriensiegers

(Foto: Antonio Borga / HMB/IMago)

Am heutigen Sonntag beginnt das französische Prestigeturnier von neuem. Und wieder wird sich die Konkurrenz an dem 34-jährigen Nadal abarbeiten, der von 102 Partien in Paris tatsächlich nur zwei verlor. Und dem die Veranstalter nun schon zu aktiven Karrierezeiten ein Monument auf der Anlage errichtet haben: ein drei Meter hohes, silbrig glänzendes Ebenbild aus Stahl. Diesmal aber steht seinen wichtigsten jüngeren Herausforderern das Glück des Schicksals zur Seite, wie sie mit Erleichterung sehen; wenn es gegen den monumentalen Spanier geht, nimmt man schließlich jede Hilfe an.

Denn bei der Auslosung der 128 Spieler ergab sich folgendes Bild: In der oberen Hälfte des Tableaus sind die drei besten Tennisprofis des Jahrzehnts versammelt, neben Rafael Nadal (20 Grad-Slam-Titel) auch der Schweizer Roger Federer (20 Titel) und Novak Djokovic aus Serbien (18 Titel). Nur einer von ihnen kann ins Finale einziehen, sie werden sich also gegenseitig aus dem Weg räumen müssen, um für den Titel zu spielen. Sehr zur Freude der Akteure aus der unteren Hälfte des Hauptfeldes, in dem sich unter anderem Tsitsipas, Zverev und Thiem finden; der Österreicher ist der Einzige aus dem Trio, der eine Grand-Slam-Trophäe vorzuweisen hat. Selten nur ist der Weg zum Denkmalsturz in den vergangenen Jahren ebener gewesen. "Endlich!", so hat Tsitsipas das Losglück in der Auftakt-Pressekonferenz knapp zusammengefasst.

Zverev spielt zum Auftakt gegen den Kölner Oscar Otte

Tsitsipas, Nummer fünf der Welt, ist in glänzender Form nach zwei Saison-Titeln auf Sand, in Monte Carlo und Lyon. Vor allem hat er sich nun über längere Zeit eine spielerische Konstanz auf hohem Niveau erarbeitet, was ihn besonders freut; auch in Barcelona verlor er erst im Finale gegen Nadal. Gleichwohl sieht er sich vor dem ersten Pariser Match gegen den Franzosen Jérémy Chardy ungern öffentlich in der Favoritenrolle. Es sei ihm lieber, wenn er sich erst zum Schluss als die "Überraschung des Turniers" entpuppe, gab er bekannt.

Alexander Zverev trifft zum Auftakt am Sonntag in einem deutschen Duell auf den Kölner Oscar Otte. Er wurde schon vor dem ersten Ballwechsel unverblümt zum Aspiranten auf seinen ersten Grand-Slam-Titel ausgerufen, und zwar von seinem älteren Bruder. "Sascha erreicht das Finale, und da kann alles passieren", orakelte Mischa Zverev, für den Sender Eurosport als Experte am Ort: "Er kann Roland Garros gewinnen, daran glaube ich ganz fest und hoffe, er wird es schaffen." Auch der jüngere Zverev, Sechster der Rangliste, hat Tritt gefasst auf den roten Aschenplätzen. Zuletzt brillierte er mit dem Turniersieg beim Masters in Madrid, wofür ein längerer Anpassungsprozess nötig war, wie er am Freitag beschrieb: "Sand ist ein Belag, auf dem du wochenlang gut spielen musst, um eine Chance beim Grand Slam zu haben." Die Umstellung auf Rasen- oder Hartplätze gelinge im Vergleich dazu wesentlich schneller. Um auf Sand zum Titel zu rutschen, sagte er, müsse man "in Topform" sein.

In Madrid, bei seinem zweiten Turniersieg des Jahres, hat Zverev nacheinander Thiem und Nadal geschlagen. Aber er warnte davor, aus diesem Umstand Prognosen für die French Open abzuleiten: "Ich habe gegen die meisten Spieler auf Sand schon gewonnen", sagte er. "Aber in Paris auf Sand ist Nadal noch mal ein anderes Niveau." Denn da geht es nicht um ein Match. Sondern um den Denkmalsturz.

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