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Positiver Corona-Fall im Tennis:"Schlau war das nicht. Ich sag' mal so: Ich hätte das nicht gemacht", sagt Alexander Zverev

Die meisten Details der Affäre, die Züge eines Agentenfilms hat, erfuhr die Welt auf Twitter, in knackige Kurzmitteilungen wie ein Fortsetzungsroman verpackt von dem oft für die New York Times arbeitenden Journalisten Ben Rothenberg. Er war schneller und informierter als die Behörden, und die Tweets legen nahe, dass der Reporter nah an der Quelle war.

Im Internet und in der Tennisszene wird nun rege diskutiert, was da passiert ist. Hat Querrey nur im Sinne seiner Familie gehandelt ("Family first!"), also vertretbar? War er schlecht beraten und verantwortungslos? Alexander Zverev sagte in Köln etwas verlegen: "Schlau war das nicht. Ich sag' mal so: Ich hätte das nicht gemacht." Und Zverev muss wissen, wovon er redet, weil er im Sommer selbst zweimal in die Corona-Schlagzeilen geriet: bei der Virus-verseuchten Adria-Tour sowie als Gast einer großen Sause, für deren Besuch er hart kritisiert wurde. Zuletzt in Paris hatte Zverev eine Partie trotz Fieber bestritten. Die Selbstdiagnose (Erkältung) hatte er mit den ahnungslosen Veranstaltern der French Open nicht geteilt - in Zeiten von Corona sicher eine diskutable Entscheidung. Aber nichts im Vergleich zu Sam Querrey.

In Köln verzichtet der Veranstalter lieber ganz auf Fans

Die Sache ist wohlgemerkt nicht nur für den Profi heikel, dem je nach Regelauslegung eine mehrjährige Sperre und eine sechsstellige Dollar-Strafe droht. Sondern auch für die ganze Tennistour, die hart daran arbeiten musste, Turniere auf die Beine zu stellen und Gesundheitsämter davon zu überzeugen, dass die Events in keinem Fall die Gesundheit von Beteiligten oder Außenstehenden gefährden würden.

In Köln wurde in dieser Woche die Besucherzahl des Turniers trotz eines minutiösen, vielgelobten, fast 60-seitigen Hygiene-Konzepts so drastisch beschnitten (von ursprünglich etwas über 6000 auf 250), dass die Veranstalter ab Mittwoch lieber ganz auf Zuschauer verzichteten - in der Hoffnung, dass für das zweite Turnier in der kommenden Woche vielleicht wieder 999 Besucher zugelassen würden. Der Fall Querrey hat dieses Ziel garantiert nicht realistischer gemacht.

© SZ vom 17.10.2020/tbr
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