Tennis:Nicht ohne meine Familie

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Tennis: Mama ist die Beste: Tatjana Maria feiert ihren Turniersieg in Kolumbien mit Ehemann Charles und den Töchtern.

Mama ist die Beste: Tatjana Maria feiert ihren Turniersieg in Kolumbien mit Ehemann Charles und den Töchtern.

(Foto: Cristian Bayona/dpa)

Tatjana Maria gewinnt das WTA-Turnier in Bogota - nur ein Jahr nach der Geburt ihrer zweiten Tochter.

Von Barbara Klimke, München

Allein um die Welt zu fliegen, das komme gar nicht mehr in Frage, sagte Tatjana Maria vor einigen Jahren, als sie mit Mann und Tochter ihrem Beruf in Australien nachging. Inzwischen sind die Marias zu viert, sie reisen immer noch oder schon wieder - wie man es nimmt. Und als die voll erwerbstätige, als Tennisprofi arbeitende Mutter das Finale des WTA-Turniers in Bogota gewann, hat das ganze Stadion einer phänomenalen Familienleistung applaudiert.

Tatjana Maria, 34, geboren in Bad Saulgau, inzwischen in Florida zuhause, jahrelange deutsche Fed-Cup-Spielerin, schlug im Endspiel des kolumbianischen Sandplatz-Wettbewerbs die Brasilianerin Laura Pigossi, 27, aus Brasilien 6:3, 4:6, 6:2, mit exzellenten Aufschlägen und ihrem klugen, variantenreichen Slice-Spiel. Dass ihr Mann Charles, der auch ihr Trainer ist, und die beiden Töchter, Charlotte, 8, und die einjährige Cecilia, zuschauen konnten, "das bedeutet mir alles", sagte sie, als sie die Familie zum Foto mit Pokal um sich versammelte. Es war in jeder Beziehung ein außergewöhnlicher Triumph: Tatjana Maria ist die erste zweifache Mutter seit mehr als zwanzig Jahren, die ein WTA-Turnier für sich entschied. Sie kam erst im August aus der Elternzeit zurück. Und sie gewann sieben Matches in acht Tagen, weil sie sich als Nummer 237 der Weltrangliste zunächst noch durch die Turnier-Qualifikation geschlagen hatte.

Schon als sie ihren ersten Titel sicherte, 2018 beim Rasenplatzturnier auf Mallorca, war Tochter Charlotte dabei. Tatjana Maria beschreibt sich selbst auf Twitter als "Mom und professionelle Tennisspielerin", und dass beides zu vereinen ist, Familie und Hochleistungssport, dafür ist sie das beste Beispiel. Allerdings sind die Bedingungen auf der Tour noch längst nicht familiengerecht, auch darauf hat sie des Öfteren hingewiesen. In Australien warb sie dafür, die Krippe des Turniers schon in der Qualifikationswoche zu öffnen; nun mahnt sie bessere Unterstützung der WTA vor und nach der Schwangerschaft an. "Im Tennis werden schwangere Frauen nicht als schwanger bezeichnet, sondern wir zählen quasi zu den verletzten Spielerinnen", sagte sie kürzlich der ARD-Sportschau. Hier sei eine Differenzierung nötig - weil dies auch Einfluss auf das geschützte Ranking habe, also die Beibehaltung der alten Weltranglistenposition für eine gewisse Turnieranzahl. Tatjana Maria selbst wird in der kommenden Woche, ein Jahr nach der Geburt von Cecilia, nun wieder unter den besten 120 Tennisspielerinnen der Welt zu finden sein. Und die Familienreise geht weiter.

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