Tennis bei den Australian Open:Nadal rackert sich ins Halbfinale

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Tennis bei den Australian Open: Rafael Nadal steht wieder einmal im Halbfinale - zum siebten Mal in Melbourne.

Rafael Nadal steht wieder einmal im Halbfinale - zum siebten Mal in Melbourne.

(Foto: AARON FRANCIS/AFP)

Der große Favorit tut sich mächtig schwer, aber er kommt durch: Gegen den kanadischen Zverev-Bezwinger Shapovalov baucht der Spanier fünf Sätze in Melbourne - ein Deutscher erlebt ein aufregendes Match.

Rafael Nadal taumelte, aber er fiel nicht: Der angeschlagene Tennis-Profi bewies bei den Australian Open ein riesiges Kämpferherz und ist nun nur noch zwei Siege vom alleinigen Grand-Slam-Rekord entfernt. Der Spanier biss sich trotz offensichtlicher körperlicher Probleme zu einem 6:3, 6:4, 4:6, 3:6, 6:3 gegen den Kanadier Denis Shapovalov (22) durch und zog zum siebten Mal ins Halbfinale von Melbourne ein.

Nach 4:08 Stunden verwandelte Nadal seinen ersten Matchball und ließ sich ausgiebig vom Publikum für diese Energieleistung feiern. "Ich war komplett zerstört nach diesem harten, warmen Tag. Es ist unglaublich für mich, in diesem Halbfinale zu stehen", sagte der 35-Jährige: "Ich habe mich nicht gut im Magen gefühlt. Ich hatte Glück, dass ich im fünften Satz großartig serviert habe."

Shapovalov hatte im Achtelfinale Olympiasieger Alexander Zverev (Hamburg) glatt in drei Sätzen geschlagen. Im Halbfinale am Freitag erwartet Nadal ein Duell mit dem Wimbledonfinalisten Matteo Berrettini (Italien) oder Gaël Monfils aus Frankreich. Er erreichte bereits fünfmal das Endspiel in Melbourne - gewinnen konnte er aber nur 2009. Nadal zeigte im Viertelfinale gegen Shapovalov zunächst eine starke Leistung.

Gegen Ende des dritten Satzes bröckelte die Dominanz aber - wenig später nahm der Mallorquiner eine Behandlungspause, deutete Schmerzen in der Magengegend an und ließ sich vom Arzt ein Medikament reichen. Bei den Seitenwechseln ließ er sich immer wieder kalte Luft aus einem Kühlschlauch ins Gesicht blasen, vor dem entscheidenden Durchgang nahm er eine kleine Pause in der Kabine - und kam auf dem Zahnfleisch gehend mit unbändigen Kämpferqualitäten gegen den dann viel zu hektischen Kanadier zurück.

Mit einem weiteren Titel bei den Australian Open kann Nadal in Abwesenheit von Novak Djokovic (ausgewiesen) und Roger Federer (verletzt) Geschichte schreiben. Bei einem Turniersieg würde er sich zum alleinigen Grand-Slam-Rekordchampion krönen. Aktuell stehen alle drei Topspieler bei 20 Major-Titeln. Durch seinen Sieg gegen Shapovalov ist Nadal der viertälteste Spieler im Halbfinale der Australian Open. Bei allen vier Grand-Slam-Turnieren steht der Spanier zum 36. Mal unter den besten Vier - nur Federer (46 Halbfinals) und Djokovic (42) ist dies öfter gelungen.

Der Traum des Doppelspezialisten Tim Pütz (Frankfurt/Main) vom ersten Grand-Slam-Titel in Australien ist derweil geplatzt - die Publikumslieblinge waren eine Nummer zu groß. Der deutsche Davis-Cup-Spieler musste sich mit seinem neuseeländischen Partner Michael Venus im Viertelfinale in aufgepeitschter Atmosphäre den Lokalmatadoren Thanasi Kokkinakis und Nick Kyrgios 5:7, 6:3, 3:6 geschlagen geben.

Die Kia Arena glich einem Hexenkessel, jeden Punktgewinn der beiden Australier bejubelten die Fans frenetisch. Teilweise ging die Anfeuerung aber auch über ein angemessenes Maß hinaus, etwa mit Buhrufen bei Aufschlägen von Pütz und Venus. Mit dem Gewinn des zweiten Satzes nahmen diese etwas Luft raus - aber nur kurz. Vor allem Kyrgios peitschte die Menge mit ausufernden Gesten immer wieder an. Pütz betonte, dass er mit seinem Partner nicht so gut gespielt habe, die Atmosphäre habe ihm aber "nicht so gut" gefallen, sagte er: "Und ich finde auch, das ist zu viel des Guten. Tennis ist Entertainment, aber das ist zu viel."

Es gebe aber keine richtigen Regeln für diese Situationen, die Schiedsrichterin habe ihr Bestes versucht. "Es war schon wild da draußen", meinte der 34-Jährige weiter, Kyrgios sei dabei zu weit gegangen: "Was er da zwischen dem ersten und zweiten Aufschlag macht, hat nichts mit Entertainment zu tun. Das ist einfach nur unsportlich." Pütz war der letzte Deutsche in den Einzel- oder Doppelwettbewerben der Australian Open. Zuletzt hatte er beim Halbfinaleinzug mit dem deutschen Team im Davis Cup an der Seite von Kevin Krawietz für Furore gesorgt. Auf Grand-Slam-Ebene hatte er zuvor als beste Resultate zwei Viertelfinals bei den French Open (2020, 2021) zu Buche stehen.

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