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Tennisprofi Mischa Zverev:"Ja, ich hatte Burn-out, so sieht's aus"

2019 French Open - Day Two

Mischa Zverev 2019 bei den French Open.

(Foto: Clive Mason/Getty Images)
  • Mischa Zverev scheitert bei den French Open - anschließend spricht er über sein Burn-out-Syndrom.
  • Zverev, 31, brauchte lange, um sich seine mentalen Probleme einzugestehen.
  • "Ich hatte einen internen Kampf mit mir, fast acht Monate", sagt er.

Von Gerald Kleffmann, Paris

Für seine Erklärung hatte sich Mischa Zverev, so wollte es der Zufall, ein eher ungemütliches kleines Plätzchen ausgesucht - er konnte natürlich nichts dafür. Auf der Anlage der French Open wurde viel umgebaut und aufgerüstet und erneuert, so auch der Medienbereich nahe dem östlichen Eingang. Die Interviewräume sind durchnummeriert, und der kleinste, die Nummer 4, ist eigentlich kein Raum. Es sind ein paar Stühle und ein Tisch. So saß Zverev da, eine Pflanze im Nacken, und was als kleine Fragerunde nach einer weiteren von so vielen frühen Niederlagen begann, wurde rasch zu einem offenen Bekenntnis. "Ich hatte einen internen Kampf mit mir, fast acht Monate", setzte Zverev an und berichtete, er habe "ein leichtes Burn-out-Syndrom" gehabt. Überhaupt: "Es war ein anstrengendes Jahr."

Mischa Zverev, 31, ist der ältere Bruder von Alexander Zverev, 22, dem besten deutschen Profi, der im vergangenen November ATP-Weltmeister wurde. Auch Alexander macht ja gerade keine einfache Zeit durch, doch die Lage von Mischa ist anders gelagert. Das wird am Ende des Gesprächs klar, als er sagt: "Wenn du auf Rang 40 oder 50 stehst und Burn-out hast, denkst du: alles okay." Aber: "Wenn du auf Platz 150, 200 stehst, dann wachst du eines morgens auf und musst feststellen: Ob du Burn-out hast oder nicht, interessiert keinen." Er habe die Erfahrung gemacht: "Dann musst du noch härter arbeiten." Nur wie, wenn der Wille nicht da ist?

Es war ein schleichender Prozess, bis Zverev überhaupt den Mut fand, sich mentale Probleme einzugestehen. Denn sich diese bewusst zu machen, sei überhaupt der erste Schritt zur Besserung, schildert er. "Der Alkoholiker muss auch erst sagen: Ich habe ein Problem", sagt er. "Ich will mich damit nicht mit einem Alkoholiker vergleichen. Aber ich muss sagen: Ja, ich hatte Burn-out! So sieht's aus, ich muss was ändern."

Den Anfang seiner Spirale kann er sogar benennen, sie begann bei den US Open im September 2018. Zverev führte 6:4, 6:2 gegen den talentierten Amerikaner Taylor Fritz - dann sei ihm "das Match weggelaufen". Er verlor in fünf Sätzen. Und ab dem Moment lief nichts mehr wirklich zu seinen Gunsten. Zumindest sportlich und gesundheitlich betrachtet.

Einerseits wurde Zverev ja erstmals Vater, ein Sohn, er hatte zuvor geheiratet, privat hat er sein Glück gefunden. Aber als der Nachwuchs da war, "wollte ich lieber zu Hause sein", gesteht er. Er lebt in Monte Carlo. Er habe sich zunehmend "platt gefühlt". Die Crux: "Wenn es nicht läuft, brauch' ich eigentlich keine Turniere zu spielen. Aber wenn ich im Hauptfeld bin, was mach ich dann?" Dann muss er es versuchen, das ist sein Job. Und so versuchte er es. Obwohl er sich am falschen Ort fühlte. Und so verlor er reihenweise. Und reiste doch wieder an. Ein Teufelskreislauf.

Dann kam die Offseason, die turnierfreie Zeit. Die nächsten Schwierigkeiten. Spirale, Teil 2.

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