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Margaret-Court-Debatte:Protest gegen die "verrückte alte Tante"

Mcenroe Navratilova

Ein Banner sorgt für Aufregung: Haben John McEnroe und Martina Navratilova bei den Australian Open das Hausrecht verletzt?

(Foto: twitter)
  • Die Tennisgrößen John McEnroe und Martina Navratilova werben mit einem Banner für die Umbenennung der Court-Arena in Melbourne.
  • Die Namensgeberin, Margaret Court, ist in jüngerer Zeit wiederholt mit homophoben Äußerungen und Schmähungen von Schwulen, Lesben und Transsexuellen aufgefallen.
  • "Es gibt nur eine Sache, die länger als Margaret Courts Errungenschaften ist: ihre Liste an beleidigenden und homophoben Äußerungen", sagt McEnroe.

Die Ehrung für Margaret Court, 77, Australiens erfolgreichste Tennisspielerin, verlief am Montag zunächst ohne Zwischenfälle. Court, die in jüngerer Zeit wiederholt mit homophoben Äußerungen und Schmähungen von Schwulen, Lesben und Transsexuellen aufgefallen war, erhielt bei einer Zeremonie am Rande der Australian Open eine Replik der Siegertrophäe des Turniers zum 50. Jahrestag ihres sogenannten Kalender-Grand-Slams. Rod Laver, ebenfalls eine Legende des Sports, überreichte den Pokal, Reden wurden nicht gehalten, und die Musik spielte so laut, dass Pfiffe kaum zu hören waren.

Doch das war nur der erste Akt: Am Dienstag liefen Martina Navratilova, 63, und John McEnroe, 60, mit einem Plakat über den Platz, auf dem sie die Umbenennung jenes Stadions im Melbourne Park forderten, das Margaret Courts Namen trägt. Auf dem Banner, das die frühere Tennisspielerin Navratilova in ihrem Hotelzimmer selbst gestaltet hatte, standen die Worte: "Evonne Goolagong Arena". Goolagong, eine siebenmalige Grand-Slam-Siegerin mit indigenen australischen Wurzeln, ist nach Meinung Navratilovas eine weit würdigere Namensgeberin.

"Ich wollte die Debatte voranbringen", sagt Navratilova

Nach einem Promi-Match im Rahmen des Turniers erklomm Navratilova, die neunmalige Wimbledonsiegerin, zudem vor einer kleinen Zuschauermenge den Schiedsrichterstuhl und forderte McEnroe zum Mitmachen auf. McEnroe, zeitlebens ein Freund rebellischer Aktionen, hatte zuvor bei Eurosport die Ehrung für Court kritisiert: "Es gibt nur eine Sache, die länger als Margaret Courts Errungenschaften ist: ihre Liste an beleidigenden und homophoben Äußerungen", sagte er über die 24-malige Grand-Slam-Siegerin, die er als "verrückte alte Tante des australischen Tennisverbandes" bezeichnete.

Die Entscheidung von Tennis Australia, nur Courts Leistungen zu würdigen, nicht aber ihre Person, hält er angesichts ihrer Aussagen für absurd. Court, die in Perth eine freikirchliche Gemeinde gegründet hat, ist gegen gleichgeschlechtliche Ehen und hat die LGBTQ+Community wiederholt in ihren religiös motivierten, homophoben Predigten angegriffen. Navratilova, die sich seit Jahren für die Rechte Homosexueller einsetzt, erklärte dem Sender BBC Sport: "Ich wollte die Debatte voranbringen." Sie empfindet Courts Aussagen als verletzend.

Ihre Aktion könnte aber ein Nachspiel haben. Tennis Australia nahm am Dienstag Bezug auf zwei "hochrangige Gäste", die das Protokoll gebrochen hätten. "Wir begrüßen Diversität, Inklusion und das Recht auf freie Meinung, sowie das Recht, diese Meinung zu äußern", hieß es in einer Stellungnahme. Aber es gebe Regeln, "wie Fans, Spieler oder Gäste unsere Anlagen, den Wettbewerb und die Bühne nutzen können, die diese bieten". Deshalb müsste die Integrität des Events gewährleistet werden.

© SZ vom 29.01.2020/ebc
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