Tennis:Kerber setzt auf Steffi Graf

Tennis Australian Open 2016

Hat gerade etwas Zuspruch nötig: Angelique Kerber.

(Foto: dpa)
  • Angelique Kerber ist auf Identitäs- und Formsuche seit ihrem Triumph bei den Australian Open.
  • Die neuen Verpflichtungen abseits des Platzes machen der 27-Jährigen zu schaffen, deswegen holt sie sich jetzt Rat bei Steffi Graf.
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Von Matthias Schmid

Ob Angelique Kerber im Hause Graf/Agassi in den Genuss eines Rundumsorglos-Paketes kam, ist bis heute nicht überliefert. Man kann sich aber sehr gut vorstellen, dass die Gastfreundschaft von André Agassi und Stefanie Graf nicht bei Gesprächen über Vorhand-Topspin oder Rückhand-Slice endeten, sondern dass sie ihrem Besuch aus Deutschland auch leckeres Essen servierten. Schließlich soll Agassi ein exzellenter Koch sein.

Aber selbst ohne kulinarische Reize war Kerbers spontaner Ausflug nach Las Vegas in der vergangenen Woche lohnenswert, wie Steffi Graf festhielt. "Es war ein besonderes Vergnügen, in den vergangenen Tagen Zuschauer zu sein und die intensiven Trainingseinheiten von André und Angie beobachten zu dürfen", schrieb sie auf ihrer Facebookseite. Graf stellte noch ein wackliges Bild dazu, auf dem zu sehen ist, wie ihr Ehemann einen Aufschlag von Kerber erwartet.

Die 27-Jährige hat nach aufregenden und rastlosen Tagen im Moment besonderen Zuspruch auf und abseits des Platzes dringend nötig. Sie wartet seit ihrem wundersamen Titelgewinn bei den Australian Open in Melbourne auf den ersten Einzelsieg auf der WTA-Tour, in dieser Woche in Miami will sie endlich ihr erstes Match gewinnen.

Kerber will nächsten Schritt machen

Bessere Seelentröster als die früheren Tennisgrößen lassen sich in der Phase der Identitäts- und Formsuche kaum finden. Graf und Agassi haben die neuen Erfahrungen, die Kerber erstmals macht, häufig genug selber erlebt: Sponsorentermine, Fotoshootings, Autogrammstunden. Und daneben noch anstrengende Trainingseinheiten.

"Es ist nicht mehr so wie früher, wo ich auch mal zwei, drei Stunden für mich hatte", gab Kerber nach ihrer Niederlage zuletzt in Indian Wells zu, wo sie in ihrem Auftaktmatch überraschend der wenig prominenten Tschechin Denisa Allertova in zwei Sätzen unterlag. Sie will daraus lernen "und den nächsten Schritt machen", wie sie sagt, "damit ich weiter konstant spielen kann."

Kerber will nicht als One-Hit-Wonder in die Geschichte eingehen

Ihr Triumph in Melbourne soll nicht als One-Hit-Wonder in die Tennisgeschichte eingehen. "Ich habe den Finalsieg gegen Williams ohnehin nicht als Sensationssieg betrachtet", sagt Kerber. Sie will beweisen, dass sie eine Tennisspielerin ist, die einen Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier wiederholen kann.

Graf und Agassi helfen nicht zum ersten Mal: Schon im vergangenen Jahr hatte Kerber die erfolgreichste Spielerin der Welt in Las Vegas aufgesucht. Es müssen denkwürdige und gedeihliche Gespräche gewesen sein zwischen den beiden. Denn anschließend gewann Kerber sofort die Turniere in Charleston und Stuttgart. "Manchmal wirkte sie so, als ob ihr ein wenig das Selbstvertrauen gefehlt hat", erinnert sich Steffi Graf an die erste Begegnung der beiden.

Graf ermuntert Kerber auf ihrem Weg

Inzwischen ist das Vertrauen in ihre eigenen Stärken nicht mehr das Problem, sondern der Umgang mit den eigenen Erwartungen und denen der Öffentlichkeit. "Ich werde jetzt aber kein großes Drama daraus machen, dass ich bisher nur verloren habe", sagt Kerber, "weil ich weiß, dass sich das bald wieder ändern wird." Auch Graf ermunterte sie, sich und ihrem Weg der kleinen Schritte zu vertrauen. "Alles, was sie jetzt tun muss, ist dabeizubleiben und an sich zu glauben - dann wird sie weitere Erfolge sehen", sagte die 46-Jährige.

Besonders schön hat diesen Prozess der Neuorientierung die ehemalige Fed-Cup-Spielerin und heutige Psychologin Eva Pfaff beschrieben. "Angelique Kerber hat sich quasi aus ihrem Kokon gelöst und muss neu fliegen lernen." Steffi Graf will der Kielerin nun dabei helfen, dass sie wieder auf die alte Flughöhe kommt - spontane Zwischenlandungen in Las Vegas inklusive.

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