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Tennis in Wimbledon:Venus Williams: Mit Fleiß und Willen gegen das Sjögren-Syndrom

Day Eight: The Championships - Wimbledon 2016

"Ich hab das Spiel in mir": Die fünffache Wimbledon-Siegerin Venus Williams ist trotz ihrer Erkrankung ins Halbfinale eingezogen.

(Foto: Julian Finney/Getty Images)
  • Zum ersten Mal seit sechs Jahren steht Venus Williams wieder im Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers - ihre Gegnerin ist Angelique Kerber.
  • Die US-Amerikanerin kämpft seit längerem mit einer Autoimmunkrankheit, in Wimbledon wirkt sie aber voller Energie und träumt sogar von Olympia 2020.

Die Schwingtür geht auf, herein kommt eine Frau in T-Shirt und Jogginghose, sie schleicht vielmehr, sie schaut nicht in den Raum, sondern steuert einfach nur den Stuhl an, um sich plumpsend niederzulassen. Sie seufzt. Venus Williams hat ihr ganz eigenes Tempo, sie muss mit ihren Kräften, ihrer Energie gut haushalten, denn sie leidet an einer Autoimmunkrankheit, sie wird gleich darüber reden, aber nie fällt das Wort Sjögren-Syndrom, Williams spricht vielmehr von der "journey", der Reise, die nicht immer leicht sei, weil ihr ob der Müdigkeitsanfälle und Gelenkschmerzen oft "die Kontrolle fehlt".

Venus Williams, 36 Jahre, ist die nächste Gegnerin von Angelique Kerber. Im Halbfinale von Wimbledon am Donnerstag. Sie ist eine bemerkenswerte Person.

Auch wenn Kerber im Januar die Australian Open gewann, kann sie das Vermögen der Amerikanerin gut einschätzen, "50:50" seien die Chancen für beide, was die Unterstützung der Zuschauer betrifft, könnte sie aber im Nachteil sein. Kerber, die mit einem Triumph am finalen Samstag zur Nummer eins der Welt aufsteigen könnte, hat sich den Ruf einer exzellenten Kämpferin verdient. Bezüglich Venus Williams schwingt ein anderer Respekt mit, er ist bedeutungsschwerer.

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"Dass sie hier wieder um den Titel spielt, dafür ist der Begriff Sensation gar kein Ausdruck", sagt Lindsey Davenport, die frühere Wimbledonsiegerin, die 1999 Steffi Graf in deren letztem Grand-Slam-Finale bezwungen hatte, arbeitet fürs Fernsehen. Davenport gab am Mittwoch bei einem Pressetermin die immer wieder gleichen Schwärmereien von sich, Venus Williams sei ein Vorbild, sie beeindrucke mit Willensstärke, Demut, Fleiß.

Dieses Lob lässt sich nicht widerlegen, Williams staunte ja selbst darüber, dass sie ihren ersten Grand-Slam-Sieg 2000 in Wimbledon errang, dass sie vor sechs Jahren letztmals im Halbfinale bei einem der vier Majors stand. Dann aber gab es einen Bruch in ihrer Karriere, die nicht losgelöst von der ihrer Schwester Serena betrachtet werden kann.

Beide entstammen einem Problemviertel in Los Angeles, ein beispielloser Aufstieg, zuerst dominierte Venus das Frauentennis, nunmehr Serena, die im zweiten Halbfinale auf die Russin Jelena Vesnina trifft. Als während der US Open 2011 aber bei Venus ihre Erkrankung diagnostiziert wurde, war das ein Schock. Heute lächelt Venus aber über den Befund, sie wusste wenigstens, "dass ich nicht verrückt bin".