Davis Cup Die Tenniselite verschließt sich vor Piqué

Gerard Piqué verkauft sich nach außen als entschlossener Macher, hat bisher aber nur wenig Erfolg als Sportfunktionär.

(Foto: Gabriel Bouys/AFP)
  • Der Verteidiger des Fußballklubs FC Barcelonas will die besten Spieler im Davis Cup und einem neu geplanten Wettbewerb versammeln.
  • Doch der eng getaktete Tenniskalender und niemand geringeres als Roger Federer stellen die Vorhaben von Piqués Investorengruppe, der Kosmos Group, in Frage.
  • Größen des Sports wie Novak Djokovic oder Alexander Zverev haben bisher ihre Zusage verweigert - nur Rafael Nadal macht eventuell mit.
Von Gerald Kleffmann

Kürzlich unternahm Gerard Piqué eine Reise. Der 31-jährige Spanier flog nach Shanghai, um mit Tennisspielern zu reden. Dann flog er zurück. Am Mittwochvormittag kümmerte er sich um seinen eigenen Beruf, ehe er am Nachmittag für den nächsten Termin nach Madrid flog. Er hatte zu einer Pressekonferenz geladen, samt Funktionären und Botschaftern in eigener Sache. Ein Vertreter des Internationalen Tennis-Verbandes (ITF) war da. Die Bürgermeisterin von Madrid. Danach, am Abend noch, ließ Piqué eine Pressemitteilung mit schönen PR-Sätzen der Veranstaltung im IFEMA Trade Fair Center weltweit verbreiten. Dazu packte er drei Fotos: Piqué beim Reden. Piqué beim Handschütteln. Piqué auf dem Podium mit Referenten. Auf seiner Twitter-Seite veröffentlichte er die Bilder auch sogleich. Seine 18,9 Millionen Nutzer kamen in den Genuss der Motive.

2019 bricht der ruhmreiche Davis Cup ja in eine neue Ära auf und liegt dann in den Händen einer Investorengruppe namens Kosmos Group; dessen Gründer und Gesicht ist der smarte Piqué. Doch nun sieht es aus, als könnte es bei der Geburt ein Fiasko geben. Auch wenn das wohl nicht an mangelnder Eigenvermarktung jener Gruppe liegen würde, die mit ihren Plänen die ohnehin komplizierte Turnierlandschaft noch komplizierter macht.

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Stand jetzt lässt sich festhalten, sie macht die ganze Branche verrückt. Zunächst mit der versprochenen Ausschüttung von surreal anmutenden drei Milliarden Dollar an Verbände und Spieler über 25 Jahre; und nunmehr auch mit planerischen Problemen, die vermehrt zutage treten und von denen keine Rede war, als im Sommer auf der ITF-Generalversammlung der Zuschlag für den Relaunch des wichtigsten Männer-Mannschaftswettbewerbs erteilt wurde. Piqué und Gefolge sehen das alles naturgemäß anders. "Wir denken, das wird eine magische Woche für das Welttennis", sagte Piqué. Er meinte die Endrunde, an der 18 Mannschaften teilnehmen, die sich über verschiedene Wege den Start sichern.

"Er muss sehr aufpassen, der Davis Cup kann nicht der Piqué Cup werden."

Die Crux nur: Allein die Terminfindung gleicht einer unlösbaren Aufgabe. Eine Turnierrunde im November, wie für 2019 angesetzt, ist zu spät, weil alle Topspieler die Saison nach den ATP Finals normalerweise beenden. Der September - Piqués Wunsch - ist von Roger Federers Event, dem Laver Cup, belegt. Erschwerend kommt hinzu: Piqué ist nicht aus dem Tennis. Er ist Fußballprofi beim FC Barcelona, und diese Übernahme wird von einigen als feindlich empfunden, wie mehr und mehr klar wird. Piqué hat ja weitere Ideen. Er möchte einen "Majesty Cup" ausrichten mit 64 Profis. Der Sieger erhält zehn Millionen Dollar, der Rest nichts. "Es ist etwas seltsam für uns Tennisspieler, in unsere Welt einzudringen", sagte der unantastbare Roger Federer im Schweizer Fernsehen, "er muss sehr aufpassen, der Davis Cup kann nicht der Piqué Cup werden."

Einerseits konnte man dem 20-maligen Grand-Slam-Sieger Eigeninteresse unterstellen, mit seinem vor zwei Jahren erfolgreich eingeführten Laver Cup fischt Federer im selben Teich wie der Davis Cup, in dem es um viel Geld und keine Weltranglistenpunkte geht. Wenngleich sein Event einen Nachteil gegenüber dem Davis Cup hat: Es fehlen 118 Jahre Tradition und sportlicher Wert. Aber: Der Laver Cup funktioniert, die Topprofis aus den USA und dem Rest der Welt nahmen ihn an.

Andererseits ist Federers Stimme von Gewicht. Entsprechende Symbolkraft hatte dann auch sein Bekenntnis, wohl kaum 2019 im Davis Cup mitzumachen. "Ich bezweifle, dass ich spielen werde", sagte der 37-Jährige, "ich denke, das alles wurde nicht für mich entworfen. Dies alles wurde für die zukünftige Generation von Spielern entworfen." Mit diesem Statement allein hatte er Piqué und ITF-Präsident David Haggerty vorgeführt, die sich doch aus einem Grund vor allem als Zweckgemeinschaft zusammen getan hatten: Beide wollten einen Davis Cup präsentieren, in dem endlich alle Stars antreten und nicht ständig einer fehlt. Haggerty braucht zudem einen Erfolgsnachweis seiner blassen Präsidentschaft, er will 2019 wiedergewählt werden. Und Piqué, eher am Ende seiner Fußballkarriere, hat Gefallen daran gefunden, als Unternehmer in Sport und Wirtschaft mitzumischen, und zwar im großen Stil.