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Tennis: Frauen:Spaziergang der Favoritinnen

Eigenwillige Schlagtechnik, eigenwilliges Kostüme: Serena Williams hat auf ihrem Weg ins Halbfinale nur einen Satz verloren.

(Foto: David Gray/AFP)

In den beiden ersten Viertelfinals von Melbourne setzen sich Naomi Osaka und Serena Williams ungefährdet durch. Ihr Halbfinalduell verspricht, einer der Höhepunkte der Australian Open zu werden.

Von Milan Pavlovic, Melbourne/München

Die Vorfreude wäre vermutlich noch beliebter, wenn sie einen nicht so oft enttäuschen würde. Nach der Auslosung der Australian Open lief alles auf ein Viertelfinale zwischen Serena Williams und Iga Swiatek hinaus: die bald 40-jährige, aber nimmermüde amerikanische Rekordjägerin gegen die furchtlose Überraschungssiegerin der French Open - was für ein Versprechen, was für eine Vorfreude! Aber dann mischte sich Simona Halep ein, spielte einmal so, wie es sich für die Nummer zwei der Welt gehört - mit zwei Konsequenzen: Sie warf Swiatek im Achtelfinale aus der Umlaufbahn; und sie bescherte Serena Williams eine bessere Trainingseinheit auf deren Weg in die Vorschlussrunde. 6:3, 6:3 stand es nach gerade mal 81 Minuten, Williams musste die Elastizität ihres poppigen, pink-rot-schwarzen Superwoman-Kostüms nicht einmal ernsthaft prüfen. Vermutlich könnte sie die Rumänin inzwischen auch mit verbundenen Augen bezwingen, Haleps Stöhnen würde ihr im Zweifel verraten, wohin der nächste Ball fliegt. Halep tröstete sich mit der Einschätzung: "Ich habe nicht verloren - sie hat gewonnen. Sie bewegt sich viel besser als in den vergangenen Jahren."

Das zweite Viertelfinale blieb ebenfalls weit unter den Erwartungen. Naomi Osaka verweigerte ihrer Gegnerin einfach den Weg in ihren Kopf. Hsieh Su-wei ist eine Künstlerin, wenn es darum geht, ihre Konkurrentinnen aus der Balance zu bringen, auch Osaka hatte schon mehrfach unter der Hypnose der von ihr geschätzten Taiwanesin zu leiden. Aber nicht am Dienstag, da rollte sie einfach über die 35-Jährige hinweg, nach 66 einseitigen Minuten hieß es 6:2, 6:2 für Osaka.

Hat seit 2018 in jedem Kalenderjahr einen Grand-Slam-Titel gewonnen: Die Japanerin hatte im Viertelfinale leichteres als im Achtelfinale, wo sie zwei Matchbälle abwehren musste.

(Foto: David Gray/AFP)

Die 23-jährige Japanerin würde nur zu gerne ihren zweiten Titelgewinn nach 2019 in Australien feiern, das Tableau beschert ihr am Donnerstag ein Halbfinalduell mit Serena Williams. Moment mal, Williams vs. Osaka, da war doch mal was. Richtig, die beiden verbindet auf ewig dieses berüchtigte Endspiel der US Open 2018, als die Amerikanerin wegen einer Fehde mit dem Schiedsrichter völlig entgleiste und der Siegerin Osaka auf unsportliche Art einiges vom Glanz dieses Abends raubte. Die beiden haben jene Vorkommnisse längst geklärt, jetzt geht es darum, die Tennisschläger sprechen zu lassen. Osaka mag leicht favorisiert sein, aber Williams, die seit 2017 ihrem 24. Grand-Slam-Titel nachjagt, hat das vergangene Aufeinandertreffen für sich entschieden. Sie nennt Osaka "eine coole Katze". Spätestens hier setzt die Vorfreude ein.

© SZ/Grö
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