Dominic Thiem Eine einzigartige Zäsur im Welttennis

Dominic Thiem war in Monte Carlo ohne seinen früheren Trainer Günter Bresnik unterwegs.

(Foto: REUTERS)
  • Dominic Thiem hat publik gemacht, dass er sich nach 15 Jahren von seinem Trainer Günter Bresnik getrennt hat.
  • In Thiems Karriere ist es die größte Veränderung, die es bisher im Team gab.
  • Gesprochen haben die beiden noch nicht miteinander. Man darf annehmen, dass es dringenden Klärungsbedarf gibt.
Von Gerald Kleffmann

Das Ambiente in Monte Carlo ist wahrlich speziell, ein gewisser Luxus ist dem Fürstentum nicht abzusprechen, natürlich ist das nicht Jedermanns Sache. "Diese ganze Schickimicki-Welt taugt mir nicht so", sagte Dominic Thiem, während er in einem übrigens exquisiten Hotel in jener Stadt Reporter aus seiner Heimat Österreich empfing. Seine Worte wurden in der Alpenrepublik alsbald verbreitet, denn Thiem ist selbstverständlich auch gerne an der Côte d'Azur. "Ich komme immer gerne hierher und habe gute Erinnerungen daran, weil ich als Kind immer die alte VHS-Kassette vom Finale zwischen Thomas Muster und Boris Becker angeschaut habe", sagte er. Legendär war 1995 das Endspiel der zwei Nationen-Heroen, Becker vergab zwei Matchbälle - näher war der Deutsche nie einem Turniersieg auf Sand gekommen.

Für Thiem indes wäre ein Erfolg in Monte Carlo auch ein Novum gewesen, doch im Grunde geht es um mehr: Er hat offiziell gemacht, dass es eine Veränderung in seinem Team gibt, die größte in seiner Karriere: Günter Bresnik hatte ihn vor 15 Jahren entdeckt, seitdem gefördert, trainiert, als Manager betreut - nun nabelt sich Thiem ab. Zuletzt war er schon ohne den 57-Jährigen unterwegs, allerdings ohne dies groß publik zu machen. Der Chilene Nicolas Massu, von Bresnik selbst als unterstützende Kraft ausgewählt, ist nun sein Coach. "Es ist für mich selbst keine wirklich andere Situation", sagte Thiem, "aber ich fühle mich sehr wohl so, wie es jetzt ist."

Tennis Respektlos oder clever?
Aufschlag von Nick Kyrgios

Respektlos oder clever?

Der Australier Nick Kyrgios zeigt beim Tennis-Turnier in Miami einen Aufschlag von unten. Die Variante polarisiert.   Von Gerald Kleffmann

Der erstaunliche Umbruch beinhaltet, dass Fitnesscoach Duglas Cordero sich ihm anschließt, Physio Alex Stober bleibt im Team. Doch die Trennung von Bresnik ist mitnichten nur eine branchenübliche Aufkündigung einer Partnerschaft, die Zäsur ist einzigartig. Ein Duo wie die beiden hat es in den vergangenen Jahren nicht im Welttennis gegeben. Wenn es überhaupt je eine ähnliche Erfolgsgeschichte gab. Bresnik hat in seinem Buch "Die Dominic-Thiem-Methode" eindrucksvoll beschrieben, wie er aus dem einst unscheinbaren Jungen aus Wiener Neustadt einen Profi formte, der es weit nach oben schaffte, 2018 etwa bis ins Finale der French Open.

Ein Trainer, der viel für den Erfolg einfordert

Bresnik ist jemand, der als Trainer, Schleifer, Querdenker größten Respekt auf der Tour genießt. Er trainierte früher auch Boris Becker und Henri Leconte. Wenngleich er auch nicht als zimperlich gilt und Dinge klar einfordert, Disziplin, Zuverlässigkeit, Arbeitsethos. "Es ist jetzt nicht so schlimm, wie alle denken", versuchte Thiem das Ende des gemeinsamen Weges einzuordnen. "Das passiert bei jedem, das passiert bei Pärchen, bei Tennisspielern und deren Coaches. Deshalb ist das nicht so schlimm, und ich werde mich gut zurechtfinden." Letzteres wird eine spannende Frage sein. Bresnik war bis heute sein einziger Cheftrainer. "Ich habe Günter viel zu verdanken", betonte Thiem selbst.

Der 25-Jährige enttäuschte zu Jahresbeginn bei den Australian Open mit einem Aufgabe-Aus in der zweiten Runde, konnte im März aber mit dem Sieg in Indian Wells, wo er im Finale Roger Federer bezwang, seinen ersten Titel bei einem Turnier der Masters-Serie holen. Das, was er nun in Monte Carlo den Reportern schilderte, lässt auf eine Art Aufbruchsstimmung seinerseits schließen (das passt im Übrigen zur Entwicklung bei seiner französischen Freundin Kristina Mladenovic, die Sascha Bajin, den Ex-Trainer von Naomi Osaka, anwarb). "Die Freude ist komplett da. Ich genieße die harten Trainings wieder, ich genieße die Matches auch", sagte Thiem, "das war definitiv nicht immer der Fall in den letzten zwei, drei Jahren." Ein wenig schimmerten da auch Vorwürfe durch.

Doch mit Bresnik hat Thiem, bestätigte er, bis heute nicht gesprochen, was die Trennung noch kurioser macht. Bresnik wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Ihm sei es wichtig, erst mit Thiem zu reden. Man darf annehmen, dass es dringenden Klärungsbedarf zwischen den beiden gibt.

"Der nächste Schritt ist, nach so einem großen Turniersieg (wie in Indian Wells) in der nächsten Woche so weiterzuspielen, wie es Federer gemacht hat", sagte Thiem noch, der in Monte Carlo allerdings im Achtelfinale überraschend gegen den Serben Dusan Lajovic mit 3:6, 3:6 ausschied. Ob Bresnik sein Manager bleibt, ist unklar. Seltsam ist die Art dieses Endes allemal.