Davis CupDeutschland verpasst eine große Chance

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Enttäuschung überall: Das deutsche Tennisteam (in der Mitte Alexander Zverev) ist im Halbfinale des Davis Cups gescheitert.
Enttäuschung überall: Das deutsche Tennisteam (in der Mitte Alexander Zverev) ist im Halbfinale des Davis Cups gescheitert. Alessandro Garofalo/Reuters
  • Deutschland verliert im Davis-Cup-Halbfinale gegen Spanien mit 1:2 und verpasst den Finaleinzug nach einer starken Leistung.
  • Alexander Zverev gewinnt trotz Krankheit sein Einzel, aber Jan-Lennard Struff und das Doppel Krawietz/Pütz verlieren ihre Matches.
  • Seit 1993 wartet Deutschland auf eine Finalteilnahme im Davis Cup, obwohl das Team diesmal als geheimer Turnierfavorit galt.
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Im Halbfinale ist Schluss: Die deutschen Tennisspieler verlieren trotz einer starken Leistung gegen Spanien – und müssen weiter auf einen Finaleinzug im Davis Cup warten.

Von Felix Haselsteiner

Auf Drama konnten Kevin Krawietz und Tim Pütz nicht verzichten. Es ist fast schon eine Art Markenzeichen geworden für Deutschlands bestes Doppelduo, sich eher in engen Matches durchzusetzen als klar und deutlich. Die brillante Davis-Cup-Bilanz der beiden spricht dafür, dass es meistens gut geht, wie im Viertelfinale vom Donnerstagabend gegen Argentinien, als sie den Tiebreak des dritten Satzes gegen ein Uhr nachts für sich entschieden. Wodurch Deutschland überhaupt erst ins Halbfinale gegen Spanien gelangte. Das dauerte am Samstag erneut ganze sieben Stunden, endete aber dieses Mal nicht mit einem deutschen Erfolg – sondern mit einem verpassten Finale.

In Bologna nämlich lief nach dem finalen Ballwechsel erst „Viva España“ und später „Macarena“, als das spanische Team seinen Finaleinzug zelebrierte, nach einem äußerst knappen 2:1-Sieg gegen Deutschland. Den Titel holten dann jedoch die Italiener: Matteo Berrettini und Flavio Cobolli gewannen am frühen Abend ihre beiden Einzel und sicherten ihrem Land damit den dritten Davis-Cup-Erfolg in Serie.

Für Deutschland hingegen geht das Warten weiter: Seit 1993 gab es keine Finalteilnahme mehr, damals errangen Michael Stich und Boris Becker den Titel. Bei dieser Bilanz bleibt es auch nach diesem Jahr, trotz zweier hochklassiger Duelle gegen Argentinien und Spanien, in denen das Team zu keinem Zeitpunkt wie ein Verlierer auftrat.

Dennoch: „Wir sitzen jetzt hier und gehen mit einem weiteren Halbfinale nach Hause“, sagte Kapitän Michael Kohlmann später bei der Pressekonferenz: „Ich glaube, alle hatten sich dieses Jahr mehr erhofft.“

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Halbfinalteilnahmen beim Davis Cup hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben, dreimal in den vergangenen fünf Jahren schaffte es das deutsche Team unter die besten vier. Aber eben nie ins Finale. „Wir haben eine geile Mannschaft und klopfen seit sehr vielen Jahren irgendwie an die Tür“, sagte Pütz im ZDF.

Beispielhaft ließ sich das am Doppel vom Samstagabend erzählen, in dem Pütz mit seinem Doppelpartner Krawietz auf Marcel Granollers und Pedro Martinez traf. 2:6, 6:3, 2:6 endete die Partie, auf dem Papier war das einigermaßen eindeutig. In Wahrheit aber benötigten die Spanier gerade im dritten Durchgang immer wieder Wunderschläge des routinierten Granollers, um zu triumphieren. Es war, wie von Deutschlands Kapitän Michael Kohlmann prophezeit, ein 50:50-Spiel, in dem Krawietz und Pütz zu keinem Zeitpunkt schlechter waren. Aber der Energie des spanischen Duos mit dem erfahrenen Kapitän David Ferrer als Chefberater auf der Bank etwas entgegenzusetzen, war eine riesige Herausforderung – am Samstag jedenfalls stellte sie sich als zu groß heraus.

„Ich bin krank“, klagte Zverev auf der Pressekonferenz

Ähnliches galt im Einzel auch für Jan-Lennard Struff, der wie schon gegen Argentinien zum Auftakt eine Niederlage kassierte. Auch bei seinem 4:6, 6:7 gegen Pablo Carreña Busta waren die Unterschiede marginal – aber in den entscheidenden Phasen spürbar. Im zweiten Satz etwa vergab Struff fünf Satzbälle hintereinander und verpasste so den Ausgleich. „Es fühlt sich natürlich nicht geil an, zweimal zu verlieren“, sagte er später.

Der größte Druck lag am Samstag somit erneut bei Alexander Zverev. Mal wieder hielt er diesem stand – trotz körperlicher Probleme. „Ich bin krank“, erklärte Zverev später auf der Pressekonferenz, sein Unwohlsein hatte man ihm auch auf dem Platz gegen Jaume Munar angemerkt. Umkämpft war das Duell zwischen dem Weltranglistendritten und dem Sandplatzspezialisten Munar, der auf dem Court in Bologna eigentlich klar unterlegen hätte sein müssen. Zverev ließ seinen Gegner immer wieder zurückkommen und benötigte zwei starke Tiebreaks, um das Match mit 7:6, 7:6 zu gewinnen. Die Müdigkeit ist erklärbar: Es war Zverevs 82. Einzelpartie in diesem Jahr und, wie sich später herausstellen sollte, seine finale.

Deutschlands verpasster Finaleinzug bedeutet allerdings, dass eine der vielleicht besten Chancen der vergangenen Jahre auf einen Davis-Cup-Erfolg verstrichen ist. Bei den Spaniern fehlte in Carlos Alcaraz der beste Akteur, Italien verzichtet in dieser Woche auf die Topspieler Jannik Sinner und Lorenzo Musetti – auch deshalb war das deutsche Team im Vorhinein zu einem Turnierfavoriten erklärt worden. Davon bleibt nun nichts übrig, nach sechs hochklassigen, teils dramatischen Matches, an deren Ende für Deutschland nur große Enttäuschung blieb.

Verbunden war diese Enttäuschung auch mit der Frage nach der Zukunft dieses Teams, die schon vor dem Turnier Thema war: Struff, 35, Krawietz, 33, und Pütz, 38, spielen weiterhin auf höchstem Niveau, das haben sie in Bologna unter Beweis gestellt. Gleichzeitig hatte Zverev schon vorab von einem „Zeitlimit“ gesprochen, das die aktuelle Mannschaft habe, während die nächste Generation erst langsam nachkommt: Talente wie der 18-jährige Justin Engel hat Kohlmann für die Auswahl „im Blick“, seine Auswahl allerdings habe „nichts mit Jung oder Alt zu tun, da geht es nach Qualität“. Einen Verjüngungskurs wollte er sich jedenfalls nicht vorschreiben lassen, das war klar herauszuhören.

So blieb das Schlusswort bei Pütz, dem Kämpfer, der im Doppel erst aufgegeben hatte, als die Spanier auch den allerletzten Überkopfball verwandelt hatten. Und danach als Ältester im Team schnell zu einem trotzigen Realismus zurückfand: Bei aller Enttäuschung über das verpasste Finale, sagte Pütz, sei es „nicht so dramatisch, dass da irgendeiner schon das Ende einer Ära sieht“.

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