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Tennis:Bouchard schlägt verbale Schmetterbälle

Mutua Madrid Open - Day Three

Handshake mit ziemlicher Verachtung: Eugenie Bouchard nach ihrem Sieg gegen Scharapowa in Madrid

(Foto: Getty Images)

Wie sehr darf Maria Scharapowa nach ihrer Dopingsperre von ihrer Prominenz profitieren? Ihre größte Kritikerin stößt eine überfällige Debatte an.

Eugenie Bouchard verfügt über ein druckvolles, langes Grundlinienspiel. Zack-zack-zack - schlug sie ihrer Gegnerin Maria Scharapowa im Zweitrundenspiel des Tennisturniers in Madrid die Bälle um die Ohren. Einmal in Fahrt gekommen, sah sie keinen Grund, ihr Angriffsspiel mit dem Matchball einzustellen, nur weil die Partie auf dem Sandplatz nach dem dritten Satz 7:5, 2:6, 6:4 beendet war. Es ging, zack-zack, weiter.

"Sie spielt wirklich gut bei ihrem sogenannten Comeback - wenn man es so nennen will", bemerkte Bouchard spitz auf der anschließenden Pressekonferenz. Das war ein bemerkenswert gut platzierter Volley angesichts der Tatsache, dass die Kontrahentin Maria Scharapowa in dieser Woche ihr zweites Turnier nach Ablauf einer 15-monatigen Sperre wegen der Einnahme eines verbotenen Medikaments bestreitet. Es folgten weitere verbale Lobs, Stopps und Schmetterbälle, mal longline, mal cross gespielt. Die Inspiration für ihren Sieg habe sie aus dem Fakt gezogen, dass viele Kolleginnen ihr vorher ausdrücklich Glück gewünscht hätten für das Duell gegen Scharapowa, sagte sie. Auch habe sie "viele unterstützende Textnachrichten" erhalten. "Die Reaktionen vor dem Spiel haben gezeigt, dass viele Leute meiner Meinung sind." Zack. Zack. Und zack.

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Falls man geneigt ist, die Pressekonferenz als inoffizielle Nachspielzeit, als vierten Satz, zu betrachten, so ging der ebenfalls an Eugenie Bouchard. Zumal Scharapowa nicht mit am Tisch saß, um sich zu verteidigen. Fortgesetzt wurde hier indes eine Fehde, deren Ursache in der Tatsache begründet liegt, dass Scharapowa, die ehemalige Nummer eins und unbestritten die Primadonna ihrer Zunft, bei ihrer Rückkehr nach verbüßter Strafe von ihrer Prominenz profitiert. Statt sich nach anderthalbjähriger Absenz durch die Mühlen der Qualifikationen zu schlagen, wird eine "Betrügerin", wie Bouchard sagt, von Turnierdirektoren per Wild Card ins Hauptfeld eingeladen.

Wie viel Neid und Missgunst bei derlei Zwistigkeiten mit im Spiel ist, lässt sich von außen kaum bestimmen. Zu bedenken ist, dass die Bezeichnung "Betrügerin" nach dem Urteil des Sportgerichtshofs Cas im Fall Scharapowa juristisch nicht haltbar ist. Fakt ist aber auch, dass das Thema Doping oder Medikamentenmissbrauch in der weißen Welt des Tennis noch immer weitgehend als Tabu betrachtet wird. Es gibt kaum ernstzunehmende Debatten über den - immerhin denkbaren - Einsatz von leistungssteigernden Mittel bei Kombattanten mit Tennisracket, die sich vier Stunden lang fast bis zum physischen Knockout duellieren. Es gibt kaum Fragen dazu auf Pressekonferenzen. Es gibt nur, falls mal wieder ein Profi aus dem Verkehr gezogen wird, ein paar knappe offizielle Statements zu so genannten Einzelfällen.

Insofern war es überfällig, dass Eugenie Bouchard, aus welchem Grund auch immer, mit ein paar harten Bällen die Nachspielzeit einleitete.

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