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Tennis:Boris Beckers stiller Abschied

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Im DTB sind sie Boris Becker dankbar für seine Dienste.

(Foto: imago images/Paul Zimmer)

Der dreimalige Wimbledon-Sieger beendet seine Tätigkeit als Head of Men's Tennis, der DTB zollt ihm Dank. Der 53-Jährige tritt selbst aber öffentlich nicht in Erscheinung - wie so oft in jüngster Zeit.

Von Gerald Kleffmann

Boris Becker ist jemand, der den öffentlichen Aufschlag beherrscht, das half ihm dabei, den einen oder anderen Job oder Werbevertrag in seiner Karriere nach der Karriere zu ergattern. Auch beim Deutschen Tennis-Bund (DTB) freute man sich vor dreieinhalb Jahren, als sich der dreimalige Wimbledon-Sieger für eine Position gewinnen ließ. Als sogenannter "Head of Men's Tennis" war Becker angeheuert worden, ehrenamtlich, wie es stets hieß. So mancher fragte sich freilich, ob die frühere Koryphäe all jene Aufgaben übernehmen würde, die eine Art Oberaufsicht der deutschen Männersparte auch im Kleinen erfordert. Tatsächlich hat Becker dann auch dort ab und an mit angepackt, wo nicht immer Kameras aufgebaut waren, er vermittelte Tenniswissen auf Jugendlehrgängen, bei Nachwuchsturnieren, referierte vor Trainern. Da er auch dem Davis-Cup-Cup-Team loyal zur Seite stand, verdichtete sich der Eindruck, dass seine Verpflichtung wirklich Mehrwert besaß, für beide Seiten. Doch jetzt ist diese Kooperation vorbei. Becker hört auf.

In einer Pressemitteilung am Mittwoch machte der DTB die Trennung zum Jahresende publik. "Die Arbeit für den DTB hat mir in den vergangenen dreieinhalb Jahren große Freude bereitet. Leider fehlt mir aktuell die Zeit, diese umfangreiche Aufgabe weiter auszuüben", mit diesen Worten wurde Becker zitiert. Beim DTB reagierte man leicht bedrückt, aber zollte dem 53-Jährigen auch Dank. "Natürlich bedauern wir diese Entscheidung, haben aber auch vollstes Verständnis dafür", erklärte Sportdirektor Klaus Eberhard. "Mit seinem großen Fachwissen und seiner Persönlichkeit hat Boris auf allen Ebenen im Leistungssport viele Impulse gesetzt."

Becker könnte eine mehrjährige Haftstrafe drohen

Becker selbst trat am Mittwoch nicht öffentlich in Erscheinung, wie überhaupt auffällt, dass er sich seit seiner letzten Aufgabe als Eurosport-Kommentator bei den French Open massiv zurückgezogen hat. Sein letzter Eintrag bei Twitter, einem Medium, das er permanent für die Außendarstellung nutzte, ist auf den 12. Oktober datiert. Möglicherweise hängt sein öffentliches Abtauchen mit seiner schwierigen privaten Situation in England zusammen, wo er lebt. Nach neuen mutmaßlichen Verfehlungen im Zuge seines nun schon langjährigen Insolvenzverfahrens türmen sich neue Anklagepunkte (so soll er Vermögen und Besitzverhältnisse nicht angegeben haben), eine mehrjährige Haftstrafe könnte die Folge sein. Becker selbst plädierte im Oktober bei einem Gerichtstermin in London auf unschuldig; der Prozess wird erst im Herbst 2021 aufgenommen.

Wenig überraschend kommentierte der DTB Beckers persönliche Lage nicht, auch auf Nachfrage hatte DTB-Vizepräsident Dirk Hordorff, der Beckers Verpflichtung damals eingefädelt hatte, nur positive Worte für ihn übrig. "Boris Becker war ein Teil unseres Erfolgs in den vergangenen Jahren", sagte Hordorff, gab aber auch zu verstehen, dass der Verband bereits seit zwei Monaten mit dem Thema seines möglichen Rückzugs betraut war. Die Stelle des Head of Men's Tennis wird wohl nicht mehr besetzt, stattdessen steht der bisherige Davis-Cup-Teamchef und Bundestrainer Michael Kohlmann vor einer Beförderung zum Cheftrainer für den gesamten Männerbereich. Im Dezember, so Hordorff, wolle der DTB eine grundsätzlich Neustrukturierung seines Personalteams bekannt geben.

© SZ vom 26.11.2020/tbr
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