Tennistour der MännerImmer schön die Kräfte sparen – nur wie?

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Hofft auf seinen vierten Titel in München: Alexander Zverev kämpft gegen den Italiener Flavio Cobolli am Samstag um den Finaleinzug.
Hofft auf seinen vierten Titel in München: Alexander Zverev kämpft gegen den Italiener Flavio Cobolli am Samstag um den Finaleinzug. Sven Hoppe/dpa
  • Die ATP hat 2024 sieben der neun Masters-Turniere von sieben auf zwölf Tage verlängert, was bei Spielern wie Alexander Zverev auf Kritik stößt.
  • Spitzenspieler müssen wegen der längeren Turniere ihre Kräfte noch genauer einteilen und strategisch auf Turniere verzichten.
  • Zverev steht im Halbfinale der BMW Open in München gegen Flavio Cobolli und hofft auf seinen vierten Titel dort.
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Die ATP Tour doktert an ihrem Kalender herum und bläht Turniere auf. Hochbelastete Spitzenspieler wie Alexander Zverev müssen sich noch genauer überlegen, wann sie mal pausieren.

Von Gerald Kleffmann

Im vergangenen August nahm Alexander Zverev am wahrscheinlich besten Video-Podcast-Format teil, das in der Tennisbranche geboten wird. „Nothing Major Show“ heißt die Gesprächsrunde, bei der die ehemaligen amerikanischen Profis Sam Querrey, John Isner, Steve Johnson und Jack Sock regelmäßig fachkundig und humorvoll über ihren Sport philosophieren. Und so manches Mal wird Klartext gesprochen. Als Zverev von dem Quartett zum Turnierkalender befragt wurde, kam der deutsche Profi direkt zur Sache: Er mochte die Masters-Turniere, die nur eine Woche dauerten, lieber. „Man reist an, spielt seine fünf Matches und reist wieder ab“, sagte der Weltranglistendritte und erklärte: „Man muss nicht zwischen den Matches bleiben oder trainieren. So waren Masters-Turniere früher, und ich glaube, alle Spieler haben es geliebt.“

Seit 2024 sieht der Turnierkalender vor allem für die Spitzenspieler anders aus. Die ATP, die Dachorganisation der Männertour, hatte damals mit ihrem öffentlich wenig präsenten Chef Andrea Gaudenzi das Konzept „OneVision“ vorgestellt. Im Grunde, das sagte der frühere italienische Profi natürlich nicht, ging es einzig darum, die Turnierlandschaft so aufzustellen, dass noch mehr Geld erwirtschaftet werden kann. In der Marketingsprache wird dann gerne von der „Weiterentwicklung des Tennissports“ geredet. In der Praxis sieht es seitdem so aus: Kleinere Turniere verschwinden, insbesondere die ATP-Turniere der 250er-Kategorie; der Sieger erhält bei diesen 250 Weltranglistenpunkte. Sie sind offenbar nicht lukrativ genug.

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Sieben der neun Masters-Events hingegen, die 1000er-Turniere, dauern nun zwölf statt sieben oder acht Tage; nur Monte-Carlo und Paris-Bercy finden noch über die kürzere Dauer statt. Bei vielen Spielern kommt diese Neuerung nicht gut an. „Ich denke, das ist ein Thema, über das die ATP wirklich nachdenken und eine Lösung finden muss“, forderte Zverev unverblümt im Podcast und verriet: „Ehrlich gesagt, habe ich noch keinen einzigen Spieler sagen hören, dass er die zweiwöchigen Masters-Turniere liebt.“

Die hochtrabend klingende One-Vision-Strategie der ATP hat die Situation der Profis eher noch verschärft

Wie sehr in dieser komplizierten Tenniswelt alles mit allem zusammenhängt, lässt sich diese Woche bei den BMW Open in München beobachten. Denn das Turnier im schönen MTTC Iphitos am Rande des Englischen Gartens spürt auch die Auswirkungen der Ausdehnung der Masters-Events und der One-Vision-Strategie. Positiv betrachtet, gehört es seit dem vergangenen Jahr zu den glücklichen Veranstaltungen, die im Zuge dieser Neuausrichtung mit nach oben gezogen wurden. Aus dem 250er- wurde ein 500er-ATP-Turnier, vieles auf der Anlage wirkt größer, mächtiger.

Und auch wenn man jetzt vor Sponsorenständen, Sichtschutzwänden und Gerüsten die roten Tennisplätze eher suchen muss, ist das bajuwarische Flair noch zu spüren. Ein Stadion samt ausfahrbarem Dach soll 2028 seine Premiere erleben, zurzeit steht eine provisorisch aufgebaute Stahlkonstruktion vor dem Klubhaus. Nur eines hat sich nicht verändert: Das Turnier, eingezwängt zwischen zwei Masters-Turnieren, muss sich weiterhin in der Nische behaupten. Nur eben eine Etage höher. Denn die Sandplatz-Strecke bis zu den French Open bleibt für die Spieler ein Kraftakt.

Die hochtrabend klingende One-Vision-Strategie hat jedenfalls wenig an der Situation geändert, dass die Profis mehr noch als früher – aufgrund der Zwölf-Tage-Masters-Turniere – ihre Kräfte einteilen müssen. Einen einheitlichen Turnierfahrplan für alle gibt es nicht, jeder wählt seine eigene Strategie, um es in bester Verfassung bis nach Paris zu schaffen. Eine Frage nur ist für jeden gleich: Was lasse ich weg? Nach dem Start der Sandplatzsaison in Monte-Carlo folgen München/Barcelona (500er), Madrid und Rom (beide Masters-Kategorie) sowie in der letzten Woche vor Paris Hamburg (500er) und Genf (250er).

Zverev trifft im Halbfinale von München auf den Italiener Flavio Cobolli

Der Kurs des Weltranglistenersten Jannik Sinner ist nicht zu übersehen: Der Italiener setzt komplett auf die großen Events und lässt alles weg, was zu wenig bringt und Energie kostet. Er bestritt zuletzt nur drei Masters-Turniere in Serie, die er alle gewann, in Indian Wells, Miami und Monte-Carlo. 2025 wollte Sinner in München spielen, ehe ihn seine dreimonatige Dopingsperre daran hinderte. In dieser Woche pausiert er. Der Spanier Carlos Alcaraz wusste in Monte-Carlo nicht mal, ob er alle Sandplatzturniere schaffe, nun zog er verletzt aus dem Turnier in Barcelona raus. Und am Freitag verkündete der Weltranglistenzweite: Auch mit Madrid ab kommender Woche wird es nichts. Dieses Schicksal teilt er mit Novak Djokovic, 38, der ebenfalls am Freitag seine Teilnahme in Madrid stornierte. Der Serbe fehlt zum dritten Mal in Serie bei einem Masters-Turnier.

Zverev gab in München zu, dass er noch am Tüfteln sei: „Ich hoffe mal, dass ich beide (Masters; Anm. d. Red.) gut spiele und weiterhin viele Matches gewinnen werde. Dann werde ich vielleicht auch mal ein Turnier auslassen. Wenn die Resultate stimmen, werde ich das schon tun.“ Für Hamburg dürfte Zverev folglich ein Wackelkandidat sein, auch wenn er dort zugesagt hat. Die Spieler folgen ohnehin mehr und mehr dem Trend: sich erst mal für alles anmelden, absagen kann man immer noch. Es gilt, sich möglichst viele Optionen offenzuhalten.

Für das Münchner Turnier hat sich in diesem Kontext ausgezahlt, dass man früh eine enge Bande zu Zverev aufbaute und für den inzwischen 28-Jährigen eine Art deutsches Heimturnier modellierte. Dabei wurde Zverev in Hamburg geboren. Zum zwölften Mal schon nimmt er gerade in München teil, und auch wenn er am Freitag im Viertelfinale teils sehr fahrig agierte und im ersten Satz gar eine Doppelbreak-Führung bei 4:1 nach einem brillanten Zwischenspurt verspielte, setzte er sich noch deutlich mit 5:7, 6:0, 6:2 gegen den Argentinier Francisco Cerúndolo, 27, durch. Im Halbfinale am Samstag wartete der Italiener Flavio Cobolli, 23, auf Zverev, der zwar auch dank einer sicher ansehnlichen Antrittsgage stets nach München kommt, dafür aber auch oft etwas zu bieten hat. Er gewann 2017, 2018 und 2025 die Titel.

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