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Australian Open:Die Lage ist hoch komplex und schwierig

Rauch über der Rod Laver Arena: Am Montag beginnen die Australian Open.

(Foto: AFP)
  • Während es weiter in Australian brennt, startet in Melbourne das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres.
  • Nach viel Kritik hat der Veranstalter die Sicherheitsvorkehrungen erhöht - eigene Messstationen auf der Anlage sollen rechtzeitig vor zu hoher Feinstaubbelastung warnen.
  • Hier geht es zu den Spielen der Australian Open.

Endlich kam der erhoffte Regen und mit ihm das Elend im Macleay River. Hunderte, womöglich Tausende tote, verwesende Fische wurden an die Ufer des Flusses im Nordosten des australischen Bundesstaates New South Wales gespült. Das zuständige Ministerium hat eine Untersuchung angeordnet, vermutet wird, dass der starke Niederschlag große Mengen Asche, Kohle und andere Rückstände der Buschbrände in die Fluten spülte und der Sauerstoffgehalt des Wassers unter die kritische Grenze sank.

Über das Fischsterben am nur 70 Kilometer langen Flussabschnitt nahe der Provinzstadt Kempsey berichteten auch Australiens überregionale Medien, obwohl der Vorfall im Katastrophenszenario des brennenden Kontinents allenfalls eine traurige Umweltmarginale war. Aber die Bilder trugen sinnbildlich drei Botschaften ins geschundene Land. Zum einen, dass die Krise noch nicht beendet ist. Zum anderen, dass Regen, der am Mittwoch auch Melbourne erreicht hatte, nicht in jedem Fall mit Segen gleichgesetzt werden muss. Und schließlich, dass die Lage, wie der Turnierdirektor der Australian Open, Craig Tiley, vor dem Eröffnungsmatch betonte - allerdings ohne auf die Fische einzugehen - hochkomplex und schwierig bleibt.

Tennis Qualifikantin gibt wegen schlechter Luft auf
Australian Open

Qualifikantin gibt wegen schlechter Luft auf

Die Brände in Australien beeinflussen auch die Australian Open. Die Tennisspielerin Dalila Jakupovic erleidet einen Hustenanfall. "Ich hatte wirklich Angst, dass ich kollabiere", sagt die Slowenin.

Denn Melbourne wird sein alljährliches Tennisfestival feiern trotz der Feuer, die am Freitag weiter im Bundesstaat Victoria wüteten, trotz Tausender zerstörter und niedergebrannter Häuser, trotz der Menschen, die vor den Flammen flüchteten und in Zelten, Hotels, Pensionen und bei Privatpersonen vorübergehend Obdach fanden. Craig Tiley ging sogar so weit, vor Journalisten eine Garantieerklärung für das Sportereignis abzugeben. Es habe eine Menge Spekulationen über Verlegungen und Verschiebungen gegeben, aber: "Die Australian Open finden statt. Und zwar von Montag an, weil wir drei Umgebungen haben, in denen wir spielen können." Der Melbourne Park verfügt über drei Arenen, die mit Schiebedächern nachgerüstet sind. Vielleicht, so prognostizierte Tiley, "sieht es ein bisschen anders aus als sonst, aber wir werden es erleben".

Die Luftqualität wird als als "sehr schlecht bis gefährlich" eingestuft

Wie sehr sich das gewohnte Umfeld verändern kann, war schon am Dienstag gespenstisch klar geworden: Die Rauchglocke, die seit Tagen über der Hauptstadt Victorias gelegen hatte, verdichtete sich, die Hochhäuser des Central Business District verschwanden im Dunst. Trotzdem wurden auf den Freiluftplätzen am Yarra River, nur einen kurzen Spaziergang vom Geschäftsviertel entfernt, die Matches für das Qualifikationsturnier der Australian Open durchgepeitscht, nach einem um nur eine Stunde verschobenen Start. Als die Profispielerin Dalila Jakupovic wegen Atemnot nach einem Hustenanfall auf die Knie sank und aufgeben musste ("Ich dachte, ich kollabiere!"), rief das besorgte Mediziner auf den Plan. Der Leiter des Gesundheitsdienstes des Staats Victoria hatte die Luftqualität als "sehr schlecht bis gefährlich" eingestuft. Die Fußballspieler der Melbourner Erstligaklubs verlegten ihr Training vorsorglich in die Halle. Galopprennen wurden abgesagt und die Pferde geschont. Aber auch am folgenden Tag gab das Tennis-Organisationskomitee erneut grünes Licht für das Qualifikationsturnier, das diesmal immerhin, so weit das Zugeständnis, erst am Mittag begann.

Zu den Kritikern des Schlagabtauschs in dicker Luft gehörte der Medizinprofessor Peter Brukner, ein früherer Mannschaftsarzt des Australischen Cricket-Teams, der im Radiosender Sports Entertainment Network (SEN) von "entsetzlichen, nie gesehenen" Umständen sprach. Das Problem der körperlichen Intensivaktivitäten bei Qualm, Ruß und Rauch bestehe darin, dass noch keine verbindlichen Daten über die akzeptablen Grenzwerte vorlägen, sagte er. Zudem reagierten die Menschen unterschiedlich auf Höchstbelastung bei Feinstaub. Sein Rat deswegen: Bei hoher Luftverschmutzung im Zweifel kein Outdoor-Sport!

Das war die Ausgangslage am Freitag, als sich auch Angelique Kerber, die dreimalige Grand-Slam-Siegerin, zur Berufsausübung im Reizklima äußern sollte. Die Luft war lau, von den Gewittern am Mittwochabend gereinigt. Temperatur: 24 Grad Celsius. Luftqualität: Kategorie "gut" nach der fünfstufigen Skala der staatlichen Umweltbehörde EPA, die die Konzentration von Ozon, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid sowie gesundheitsschädlichem Feinstaub in zwei Kategorien (PM2,5 und PM10) auswertet. Aber schon am Sonntag, das wusste Kerber, könnte sich laut Wettervorhersage das Szenario ändern, wenn der Rauch der Buschbrände in Victoria auf Melbourne zutreibt. "Das ist natürlich eine ganz neue Situation für jeden", sagte Kerber, sie hoffe, dass Tileys Komitee entsprechende Maßnahmen ergreife, "und dass wir hier nichts riskieren. Ich denke, das ist Priorität Nummer eins". Was bleibt ihr auch übrig, als sich auf die Organisatoren zu verlassen? Zumindest fühlt sie sich durch die Rundmails der Turnierveranstalter und den Rat des Ärzteteams umfassend informiert: "Die kümmern sich, das muss ich sagen."

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