Tennis:Außenseiter aus dem Armenhaus

Tennis: "Wenn man eine Top-100-Spielerinn schlägt, spricht das für einen", sagte Barbara Haas. Ihr Einzelsieg gegen die Weltranglisten-64. Alison van Uytvanck half Luitpoldpark am Ende allerdings auch nicht.

"Wenn man eine Top-100-Spielerinn schlägt, spricht das für einen", sagte Barbara Haas. Ihr Einzelsieg gegen die Weltranglisten-64. Alison van Uytvanck half Luitpoldpark am Ende allerdings auch nicht.

(Foto: Claus Schunk)

Die Erstliga-Aufsteigerinnen vom TC Luitpoldpark München verlieren das vorentscheidende Spiel um den Klassenverbleib gegen Aachen 3:6. Die Gäste sind stärker und zeigen sich geschlossener. Luitpoldpark-Trainer Herter wünscht sich mehr Unterstützung - auch von den Rängen.

Von Sebastian Winter

Marc Herter ist inzwischen ja so etwas wie das Mädchen für alles beim TC Luitpoldpark München, hauptamtlicher Trainer, noch dazu Teammanager und bei Auswärtsreisen auch Busfahrer der Erstligafrauen. Der 44-Jährige ist in diesem Sommer, dem ersten in der höchsten deutschen Spielklasse für Luitpolds Tennis-Frauen, aber auch als Meteorologe gefragt. Wobei man zurzeit fast gar nichts vorhersagen könne, sagt Herter. Am Samstag immerhin hielt das Wetter über München, entgegen der Prognosen, nur zwischendurch zog mal ein kurz Schauer über die Anlage in Schwabing, nichts also, wofür die Spiele hätten abgebrochen werden müssen.

Das Ergebnis war dann allerdings nicht wie vom Heimteam erhofft. Luitpoldpark verlor sein viertes Saisonspiel gegen Blau-Weiss Aachen 3:6, ausgerechnet dieses Duell mit dem Tabellennachbarn, das zumindest die Münchnerinnen als vorentscheidend für den Ligaverbleib erachtet hatten. "Das war im Grunde die Chance, die Hoffnung zu wahren im Kampf um Klassenerhalt", sagte ihr Trainer Herter nach den beiden klar verlorenen Doppeln frustriert.

Schon nach den Einzeln hatte Luitpoldpark 2:4 zurückgelegen, was auch an Eva-Marie Voracek lag, die den ersten Satz gegen Aachens Elyne Boeykens nach einer 5:0-Führung noch 5:7 verlor - und das Spiel im Match-Tiebreak. Martina Caregaro, Sarah-Rebecca Sekulic und Verena Meliss waren ziemlich chancenlos bei ihren Zweisatz-Niederlagen. Dafür gewann die Österreicherin Barbara Haas das Topspiel gegen Aachens Weltranglisten-64. Alison van Uytvanck mit einer herausragenden Leistung 6:3 und 7:6. "Wenn man eine Top-100-Spielerin schlägt, spricht das für einen. Schade, dass es nicht gereicht hat", sagte Haas, Österreichs beste Tennisspielerin, die derzeit in der Weltrangliste auf Platz 158 notiert ist.

Manche im Verein sprechen vom "Armenhaus der Liga"

Aber zwei gute Matches reichen eben nicht in der Bundesliga, neben Haas hatte die erfahrene Dia Evtimova mit einem hauchdünnen Sieg im Match-Tiebreak den zweiten Münchner Einzelpunkt erzielt. Die Aachenerinnen hatten aber auch eine starke Mannschaft aufgestellt für dieses vorentscheidende Duell, fünf Belgierinnen, eine Niederländerin, beim Mittagessen im Luitpoldpark-Klubhaus saßen sie so vergnügt wie siegessicher beisammen - im Gegensatz zu den im ganzen Restaurant verteilten Luitpoldpark-Spielerinnen - und sprachen auch über Tokio. Denn dorthin flog ihre Nummer eins van Uytvanck noch am Abend von München aus über Brüssel, um bei den Olympischen Spielen anzutreten. Das dritte Doppel gab Aachen deswegen kampflos ab - um nicht Gefahr zu laufen, dass van Uytvanck ihren Flieger verpasst. Unüblich ist ein solches Taktieren nicht in der Bundesliga. Aachen war sich ohnehin wegen seiner Doppelstärke sehr siegessicher - und gewann die beiden übrigen Doppel dann auch sehr klar.

Für Luitpoldpark, das nun auf den vorletzten Platz zurückgefallen ist, dürfte die Erstligapremiere nach nur einer Saison schon wieder beendet sein. Neben dem Schlusslicht Marienburg zieren die Münchnerinnen den zweiten Abstiegsplatz und treffen in ihren letzten beiden Saisonspielen zu Hause auf den Tabellenzweiten Dresden-Blasewitz (24. Juli) und auswärts auf den bislang ungeschlagenen Spitzenreiter TC Bredeney (31. Juli). Punkte sind dort nicht wirklich zu erwarten für Luitpoldpark, das bislang nur das Spiel gegen Marienburg gewann.

Der Klub, der fast nur auf deutsche und österreichische Profis setzt, war ohnehin als Außenseiter in diese Saison gestartet, manche im Verein sprachen auch am Samstag vom "Armenhaus der Liga". Der Etat bewegt sich um die 60 000 Euro, das ist nicht viel, um den Spielerinnen ihre Antrittsgelder und Prämien zu zahlen. Herter zeichnet auch abseits dessen ein recht düsteres Bild: "Volleyball und Snooker schaffen es ins Fernsehen, aber die Tennis-Bundesliga? Selbst die großen Turniere sieht man doch nur noch im Privatfernsehen."

Der Luitpoldpark-Trainer fordert künftig mehr Unterstützung, auch im eigenen Verein, den Alleinunterhalter zu geben, dafür fehlt ihm zunehmend die Kraft. Er wünscht sich generell mehr Interesse, bei den Spielen sei ja "gar keine Stimmung mehr. Ich kenne das noch ganz anders: dass alle zusammenhalten, dass angefeuert wird. Da fehlt mir ein bisschen was". Hier mal ein wenig Applaus, dort ein aufmunterndes "Come on", vielleicht 50 Zuschauer bei den Spielen - da war bei den Regionalliga-Männern des TC Luitpoldpark ein paar Schritte weiter fast mehr los. Obwohl die ebenfalls Vorletzter sind, nach ihrer 3:6-Niederlage gegen Landshut.

© SZ
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