Tennis:Aus für Nürnberger Turnier

Lesezeit: 3 min

24 05 2014 Tennis Nürnberger Versicherungs Cup 2014 Finale WTA Tennis Damen JueRa Eugeni; bouchard

Schön war die Zeit, jetzt ist sie vorbei: 2014 freute sich Veranstalterin Sandra Reichel (rechts) über den Turniersieg von Eugenie Bouchard in Nürnberg.

(Foto: imago)

Veranstalterin Sandra Reichel verkauft ihre Lizenz. Das Turnier hatte auch deshalb Probleme, weil die deutschen Spielerinnen regelmäßig früh ausgeschieden sind.

Von Thomas Gröbner

Am Ende lag es nicht an den ehemals maroden Toiletten, immerhin, die waren es nicht. Als am Donnerstag Sandra Reichel das Aus des Frauentennis in Nürnberg verkündete, da ging es trotzdem ums Geld. Seit der Sponsor Nürnberger Versicherung im Sommer nach sieben Jahren seine Unterstützung aufgekündigt hatte, da mühte sich Veranstalterin Reichel darum, das Sandplatzturnier am Valznerweiher zu halten, die Lücke im Etat zu stopfen, sie habe gekämpft, "bis zur letzten Minute". Doch nun verkündete sie den Verkauf der Lizenz - und damit das Aus für den Tennisstandort Nürnberg. Es ist das Ende eines Turniers, das letztlich auch daran gescheitert ist, dass nie eine Deutsche gewinnen konnte. Nürnberg war der einzige Standort für hochklassiges Frauentennis in Deutschland neben Stuttgart, es regnete hier Teddybären für Eugenie Bouchard, das Publikum applaudierte Simona Halep und Kiki Bertens bei ihren Triumphen. Nur eine deutsche Siegerin, die sich Sponsor und Veranstalter immer ersehnt hatten, die gab es nie. "Die bundesweite Wahrnehmung hat immer dann gelitten, wenn deutsche Spielerinnen früh ausgeschieden sind", hatte der Vorstandsvorsitzende des namensgebenden Hauptsponsors des Nürnberger Versicherungscups, Armin Zitzmann, damals begründet. Nur bei der Premiere 2013 hatte Andrea Petkovic das Finale erreicht. Danach war für die deutschen Frauen meist früh Schluss. "Und dann", so Zitzmann, "ist es für uns hinausgeworfenes Geld." Der Rückzug des Großsponsors riss ein Loch ins Budget, rund ein Drittel des Etats von 1,5 Millionen Euro fehlte. "Ich habe mit allen gesprochen, mit der Politik, mit der Stadt", sagte Sandra Reichel am Telefon, allein eine Lösung fand sich nicht. Eigentlich hätte schon im Juli Klarheit herrschen sollen, weil dann der Turnierplan für 2020 von der WTA herausgegeben wurde. Nürnberg blieb aber weiter im Kalender, auch wenn das Ringen um die Zukunft anhielt. Nach dem Aus reagierte die WTA schnell, Nürnberg ist gelöscht, zwischen den Veranstaltungen in Rom und Straßburg gibt es nun nichts mehr.

Es schmerze sie, "viel Herzblut" sei in ihr Projekt geflossen, seit sie vor sieben Jahren am ersten Tag bang zu den Kassenhäuschen geschielt habe. Als sie die Schlange vor Eingang gesehen hatte, da habe sie gedacht: "Es war die richtige Entscheidung". Doch Tennis und Nürnberg, das blieb eine komplizierte Verbindung. Als sie ein zweites Frauentennis-Turnier in Deutschland aufzog, da glaubte Reichel, "es müssen doch alle happy sein". Doch mit offenen Armen sei sie nicht empfangen worden, "viel Überzeugungsarbeit" habe es bedurft. Es hat gedauert, bis sich das Gefühl einstellte: "Alle ziehen an einem Strang."

In den ersten Jahren schrieb das Turnier rote Zahlen, dann zogen sich die notwendigen Investitionen am Valznerweiher in die Länge. In einem SZ-Interview klagte sie im dritten Jahr: "Ich kann kein internationales Damenturnier in dieser Größenordnung auf einer maroden Anlage veranstalten", schon zuvor hatte der Versicherer Zitzmann mit Verweis auf die Sanitäranlagen gefordert, "die Stadt Nürnberg muss sich schon ein bisschen anstrengen. Wenn sich andere Städte mehr anstrengen, könnte das ein Wettbewerb werden". Die Stadt investierte, doch die Sorgen blieben. Man könnte es auch so ausdrücken: Erst konnte die Anlage nicht mithalten, dann konnten die deutschen Spielerinnen nicht mithalten mit der Konkurrenz. "Ich kann niemandem etwas vorwerfen", sagt Reichel, sie gehe ohne Groll. Warum sie ihre Lizenz nicht mitnimmt, die so selten und wertvoll im Profitennis ist? Schließlich hätte Reichel das Turnier umtopfen können, so wie sie 2013 das Turnier aus Barcelona nach Franken verpflanzt hatte. "Ich wollte nicht noch einmal von Null anfangen", das hätte die Österreicherin "zu viel Energie gekostet". Sie will sich nun um die Turniere kümmern, die im Portfolio ihrer Firma Matchmaker stehen, die sie mit ihren Vater Peter-Michael Reichel führt: Linz und Hamburg. Wo das verkaufte Turnier bald ausgetragen wird und wer die Rechte hält, das wollte sie nicht verraten - das habe sie dem Käufer versprochen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB