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Tennis:Abstieg abgewendet: Titelchance für Kerber und Co. gewahrt

Riga (dpa) - Den Jubel der deutschen Tennis-Damen in Riga verfolgte Angelique Kerber krank vor dem Laptop.

Der 3:1-Sieg in der Fed-Cup-Relegation in Lettland gelang auch ohne die deutsche Top-Spielerin souverän und beschert der DTB-Auswahl weiter zurecht einen Platz unter den acht Top-Ländern der Welt. "Ich bin sehr stolz auf die Mädels, dass sie das geschafft haben", sagte Kerber am Montag in Stuttgart. Nach überstandener Grippe und fast zwei Wochen ohne Training kehrt sie beim beliebten WTA-Turnier auf den Platz zurück und hofft auf ein Erstrundenspiel erst am Mittwoch - darauf liegt erstmal der Fokus.

Doch auch Kerber weiß, dass langfristig auch Gedanken auf den Fed Cup verwendet werden sollten. Denn für ihre Generation läuft die Zeit für den erhofften dritten Triumph im Nationenwettbewerb langsam ab. "Erstmal ist es gut, dass wir nicht abgestiegen sind, und dass wir nicht zwei Jahre brauchen, sondern dass es nächstes Jahr tatsächlich vielleicht um den Titel geht", sagte die gut aufgelegte Kielerin, der man die auch mit viel Zwiebeln und Knoblauch bekämpfte Krankheit in ihrem schwarz-pinken Sportoutfit allenfalls noch durch ein leichtes Kratzen in der Stimme anmerkte.

"Natürlich wäre es schön, wenn wir irgendwann mal als Team und als die Generation den Fed Cup auch mal gewinnen können. Ich denke, dass wir in den nächsten Monaten und Wochen bestimmt auch darüber sprechen, wie es nächstes Jahr weitergeht", sagte Kerber.

Vielleicht tritt 2020 also die beste Besetzung auch in der ersten Runde an, nachdem Kerber und Julia Görges in den vergangenen beiden Jahren jeweils wegen der direkt folgenden Turniere am Persischen Golf abgesagt hatten. Kerber ist jetzt wie Andrea Petkovic 31 Jahre alt, Julia Görges ist 30, Doppel-Spezialistin Anna-Lena Grönefeld wird bald 33, und gleichwertiger Ersatz unter den Jüngeren fehlt. "Ich kann nicht sagen, dass ich mich alt fühle", betonte Görges am Montag.

"Am Ende des Tages entscheidet immer noch die Spielstärke, unsere Mädels sind sehr gut und stehen zurecht in dem Team", sagte Kapitän Jens Gerlach in Riga. "Wir wünschen uns alle in Deutschland, dass auch schnellstmöglich die Jungen wieder Fuß fassen."

Der Nachfolger der jetzigen Damentennis-Chefin Barbara Rittner, die das Geschehen in der Arena Riga in Deutschland-Teamkleidung entspannt von der Bank aus verfolgen konnte, ist mit der Bereitschaft der Spielerinnen zufrieden. Seine Erfahrung der vergangenen beiden Jahre sei: "Die spielen gern für Deutschland." Lächelnd fügte Gerlach hinzu: "Ich hoffe, die Mädels mögen mich auch. Von daher tue ich alles, dass mir alle zur Verfügung stehen und dass wir das Ding mal in Angriff nehmen können." Es wäre der dritte Sieg seit den beiden 1987 und 1992 aus der Ära Steffi Graf.

Die Jüngste in Riga war mit 28 Jahren die für Kerber nachnominierte Mona Barthel - sie ersetzte am Samstag dann sogar noch die müde Görges und sorgte mit dem 6:4, 6:3 gegen Jelena Ostapenko schon im dritten Einzel für den uneinholbaren 3:0-Vorsprung.