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Tennis:2300 Besucher pro Tag

ATP 500 - Hamburg European Open

Auftakterfolg: Yannick Hanfmann besiegte in Hamburg den Franzosen Gaël Monfils 6:4, 6:3.

(Foto: Cathrin Mueller/Reuters)

In Hamburg spricht mancher gar von der ersten sportlichen Großveranstaltung seit Beginn der Pandemie: Das traditionsreiche ATP-Turnier am Rothenbaum wagt unter strengen Regeln die Austragung mit Zuschauern.

Von Thomas Hürner, Hamburg

Falls man in diesen Zeiten überhaupt davon sprechen kann, dann ist dieser neue Termin fast schon eine glückliche Fügung für die Hamburg Open. Am Samstag war das ATP-Turnier der Masters-500-Kategorie angelaufen, es endet mit dem Finale am Sonntag - und somit in unmittelbarer zeitlicher Nähe zu den French Open, wo es am kommenden Wochenende losgeht. Wie in Frankreich wird in Hamburg Tennis auf Sand gespielt, es handelt sich also um die ideale Vorbereitung für das Grand-Slam-Turnier in Paris. Auch deshalb sah das Starterfeld für das Turnier am frisch renovierten Rothenbaum namhaft aus. Von vier angetretenen Top-Ten-Spielern hat der Russe Daniil Medwedew, der Weltranglisten-Fünfte, sein Auftaktmatch gegen den Franzosen Ugo Humbert allerdings gleich 4:6, 3:6 verloren.

In Hamburg ist man stolz auf das neue Erscheinungsbild. Für zehn Millionen Euro wurde der traditionsreiche Rothenbaum aufgehübscht, je eine Million Euro kam aus den Kassen der Stadt und des Deutschen Tennis-Bundes (DTB), acht Millionen Euro hat der Unternehmer und Mäzen Alexander Otto beigesteuert. "Das ist ein klares Signal", hatte Otto bei der Eröffnung vor drei Wochen gesagt, "es geht weiter." Es hatte auch einmal der Abriss des Stadions zur Disposition gestanden. Was Otto auch sagte: "Natürlich wollen wir die Anlage irgendwann komplett gefüllt sehen."

Daraus wird zwar erst einmal nichts, aus bekannten Gründen. Das Turnier wird in der Sportstadt Hamburg aber durchaus auch als eines mit einer Signalwirkung wahrgenommen. Beim Heimspiel des Fußball-Zweitligisten Hamburger SV am vergangenen Freitagabend sahen 1000 Zuschauer im Stadion zu - auf die Anlage am Rothenbaum dürfen 2300 pro Tag kommen. In Hamburg spricht mancher gar von der ersten sportlichen Großveranstaltung seit Beginn der Pandemie, und angesichts der zugelassenen Besucher stimmt das auch. Zum zweiten Mal werden die Hamburg Open von Turnierdirektorin Sandra Reichel veranstaltet, sie hat im vergangenen Jahr Michael Stich in diesem Amt beerbt und kann auf die Unterstützung ihres Vaters Peter-Michael Reichel bauen, ein bekannter Strippenzieher in der Tennis-Welt und Mitglied des WTA-Tour-Boards.

Sandra und Peter-Michael Reichel haben mit einer Agentur und dem Gesundheitsamt in den vergangenen Wochen an einem Hygienekonzept gefeilt: Die Tickets sind personalisiert, jeder Zuschauer muss am Eingang einen Gesundheitsfragebogen abgeben, auf dem Areal herrscht Maskenpflicht. Am Sitzplatz angekommen, darf man die Maske zwar abnehmen, dafür ist auf dem Center Court nur jede zweite Reihe besetzt sowie zwischen den Zuschauern ein Mindestabstand von eineinhalb Meter einzuhalten.

Eine neue Normalität, die auch die Spieler inzwischen kennen. Wie bei den US-Open in New York sind diese in einer sogenannten Bubble untergebracht. Ihr Hotel sollen sie möglichst nicht verlassen, sie dürfen erst einmal nur zwei Begleiter mitbringen. Zum Rothenbaum wird in einem Shuttle Bus angereist, Fahrzeit: fünf Minuten. In New York waren die Spieler noch bis zu eineinhalb Stunden unterwegs. Außerdem werden über eine ATP-App die Gesundheitsdaten der Spieler überwacht, regelmäßig getestet wird natürlich auch. Eines soll schließlich dringend vermieden werden: ein Abbruch des Turniers wegen lauter corona-infizierten Spielern. In Hamburg wurde noch niemand positiv getestet, bei den anstehenden French Open hingegen wurden bereits ein Spieler und eine Spielerin wegen positiver Corona-Tests von der dortigen Qualifikation ausgeschlossen.

© SZ vom 23.09.2020

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